Junge Abiturientin

Mit 16 an die Uni

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Lächelnd auf der Überholspur: Laura Hinze ist 16 und bald Medizinstudentin.

Stadthagen - „Turboabitur" mal anders: Sie hat zwei Klassen übersprungen und mit 16 in Stadthagen Abitur gemacht. Ab Oktober will Laura Hinze Medizin studieren. Und dann Kinderärztin werden.

Eilig hatte es Laura Hinze schon immer. Sie hat die dritte Klasse übersprungen und die zehnte. „Der Unterricht war damals einfach zu langweilig für mich“, sagt sie. Ende Mai ist sie 16 Jahre alt geworden und als Jüngste ihres Jahrgangs am Ratsgymnasium Stadthagen mit einem Notendurchschnitt von 1,2 das beste Abitur gemacht - mit Latein, Deutsch und Biologie als Leistungsfächern.

Die Empfehlung, eine Klasse zu überspringen, habe eigentlich in jedem ihrer Zeugnisse gestanden, erzählt die sportlich-schlanke Abiturientin. Doch ihre Eltern hätten nicht gewollt, dass sie allzu jung ihre Abschlussprüfung macht. Zweimal konnte sich das Mädchen aber trotzdem durchsetzen. Laura hat eben ihren eigenen Kopf.

Geschadet habe ihr nicht, dass sie zwei, drei Jahre jünger gewesen sei als die anderen Schüler in ihrem Jahrgang. Im Gegenteil: „In der Oberstufe habe ich meine besten Freunde gefunden.“ Ein bisschen ärgerlich findet sie nur, dass sie noch keinen Führerschein hat. Bis zur Volljährigkeit will sie aber damit nicht warten. Sie wolle den „Führerschein mit 17“ machen, sagt sie. Ist ja klar.

Viele Abiturienten gehen erst mal ins Ausland, zum Jobben oder einfach nur, um andere Länder kennenzulernen. Viele wissen auch noch gar nicht so recht, ob sie studieren oder eine Ausbildung beginnen sollen. Da kommt so eine Auszeit im Ausland gerade recht.

Nicht für Laura. Sie weiß, was sie will. Und von Auslandsaufenthalten hat sie erst mal genug. Die 10. Klasse wollte sie ursprünglich in England und Frankreich verbringen. Aber an einer Gesamtschule in der Nähe von Oxford sei ihr soviel Deutschenhass entgegen geschlagen, dass sie es nur drei Wochen aushielt. „Ich wurde als Nazi beschimpft.“

Als die damals 14-Jährige an das altsprachliche Gymnasium zurückkehrte, musste sie sich binnen weniger Tage entscheiden, ob sie wirklich einen Jahrgang überspringen und gleich in die 11. Klasse wechseln sollte. Sie wollte. „Ein Glück“, sagt sie im Rückblick. Die Lehrer hätten sie zwar seelisch darauf vorbereitet, dass sie dem Lernstoff in der Obestufe vielleicht doch nicht gewachsen sein könnte und möglicherweise wieder in die 10. Klasse zurück müsste. Damit, dass die Jüngste am Ende die Beste sein würde, hatte wohl keiner gerechnet. „Die hatten mich nicht so richtig auf dem Schirm“, meint die 16-Jährige augenzwinkernd.

Sie möchte Kinderärztin werden. Im Krankenhaus, nicht als niedergelassene Ärztin: „Nur Husten, Schnupfen, Heiserkeit, und die richtig spannenden Fälle muss man dann ans Krankenhaus abgeben - das würde mich nicht ausfüllen“, glaubt die Schülerin, die nicht nur Latein, sondern auch noch Altgriechisch und Französisch gelernt hat.

Dass ihr der Arztberuf liegt, hat sie im vergangenen Jahr bei einem Praktikum auf der Kinderstation des Johannes-Wesling-Klinikums in Minden gemerkt. Im Oktober will die 16-Jährige ihr Medizinstudium aufnehmen, am liebsten an der Medizinischen Hochschule Hannover. Bis dahin könnte sie sich doch einfach mal ausruhen. Tut sie aber nicht. Laura macht zurzeit ein Krankenpflegepraktikum am Klinikum in Minden.

Bleibt bei so viel Zielstrebigkeit eigentlich Zeit für Freunde und Hobbys? „Klar“, sagt die „Turboabiturientin“ und lacht. Wenn ihr Geist mal Pause haben soll, spielt sie Klavier oder Trompete. Einen Lieblingskomponisten hat sie nicht. „Ich mag alles - von der Klassik bis zur Moderne.“ In der Schule hat sie an Ruderregatten teilgenommen („auch auf dem Maschsee“), und sonst joggt sie, um den Kopf freizubekommen.

Neid sei ihr nicht entgegengeschlagen in ihrem Abijahrgang, sondern Anerkennung. „Meine Mitschüler haben sich mit mir gefreut.“ Mit ihren Freundinnen verabredet sich Laura direkt, nicht über Facebook. Von sozialen Medien hält sie nicht allzu viel.

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