Dumpinglöhne und Arbeitsdruck

Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Edeka

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Foto: Dicke Luft bei Edeka-Minden: Angestellte klagen über schlechtes Betriebsklima, Personalmangel und Dumpinglöhne.

Hannover - Mitarbeiter kritisieren nach Recherchen des NDR-Fernsehmagazins „Hallo Niedersachsen“ ihre Arbeitsbedingungen in Edeka-Märkten. Sie werfen dem Unternehmen Dumpinglöhne, ein schlechtes Betriebsklima und extremen Arbeitsdruck vor.

Seit der Ausgliederung von Edeka-Märkten in Niedersachsen an „selbstständige Kaufleute“ beschweren sich immer mehr Mitarbeiter über schlechte Arbeitsbedingungen in solchen „privatisierten“ Geschäften. Es handele sich nicht mehr um Einzelfälle, in denen sich Edeka-Märkte aus der Tarifbindung verabschiedet hätten, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di am Sonntag der HAZ.

Allein sechs dieser Märkte gibt es nach Recherchen der Gewerkschaft in den Regionen Lüneburg und Celle. Nach Angaben des NDR-Fernsehmagazins „Hallo Niedersachsen“ klagen auch Mitarbeiter in von privaten Betreibern geführten Edeka-Märkten in den Regionen Uelzen, Winsen/Aller, Goslar und Nienburg über „Dumpinglöhne, ein schlechtes Betriebsklima und extremen Arbeitsdruck“. So hätten betroffene Beschäftigte berichtet, dass in vielen Fällen nur die Hälfte des Tariflohns im Einzelhandel, der bis zu 14,55 Euro pro Stunde beträgt, gezahlt werde, also gerade einmal gut 7 Euro. Übereinstimmend haben Mitarbeiter laut NDR außerdem einen starken Personalmangel, hohe Fluktuation und Situationen geschildert, „die an Mobbing grenzen“.

Die neuen Eigentümer hätten ebenso wie die Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover diese Vorwürfe zurückgewiesen. Diese habe zudem schriftlich erklärt, dass die privatisierten Edeka-Märkte „eigenständig über grundlegende Fragen wie Warenangebot, Marktausstattung oder Personalführung“ entschieden.

Rund 1200 Märkte hat die größte der sieben Regionalgesellschaften seit 2003 privatisiert, wie der ver.di-Sprecher sagte. Etwa 50 000 Mitarbeiter seien seither von einem „Betriebsübergang erfasst“ worden. Edeka Minden-Hannover habe allerdings nach der Ausgliederung eine dreijährige Tarifbindung durchgesetzt, die nun in mehr und mehr Märkten ende.

Jüngst hatten bereits Belegschaften ausgegliederter Edeka-Märkte in einem offenen Brief an die Geschäftsführung der Mindener Zentrale appelliert, die Missstände abzustellen. Bundes- und Landtagsabgeordnete von Grünen, SPD und Linken sowie ver.di-Gewerkschafter unterstützten die Forderung. Auch wenn es gegen eine Tarifflucht nach der Ausgliederung von Märkten rechtlich keine Handhabe gebe, dürften sich Edeka Minden-Hannover und die Betreiber nicht aus der sozialen Verantwortung stehlen, sagte der ver.di-Sprecher. Im Wettbewerb geschwächt würden dadurch zudem jene selbstständigen Edeka-Märkte, die weiterhin gute Arbeitsbedingungen böten. Der nach eigenen Angaben größte selbstständige Lebensmittel-Einzelhändler in Hannover, Edeka Wucherpfennig,

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