„Mein Lenker wackelt“

Mobile Pannenhilfe für Briefträger

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Das defekte E-Bike eines Zustellers der Post repariert Mechaniker Peter Nowak im Zustellstützpunkt der Deutschen Post in Frankfurt am Main.

Frankfurt/Main - Meist kommt der Postbote mit dem Rad. Doch was tun, wenn das schwer beladene Fahrrad schlapp macht? Ein mobiler Reparaturservice der Post leistet Pannenhilfe.

Der erste Notfall fährt schwungvoll vor. „Mein Lenker wackelt“, ruft Briefträgerin Andrea Heuer schon, als sie auf ihrem Rad um die Ecke biegt. Auf der morgendlichen Tour durch den Frankfurter Stadtteil Ginnheim ist Heuers Fahrrad umgekippt. Jetzt soll Peter Nowak den Schaden beheben. Er ist einer von sieben Servicetechnikern der Post, die als Pannenhelfer für Kollegen zwischen Frankfurt, Offenbach, Gelnhausen und Aschaffenburg unterwegs sind.

Nowaks Werkstatt ist ein umgebauter Transporter. Dort lagern typische Ersatzteile: Schrauben, Bremsen, Reflektoren. „Wie beim Auto verschleißt, was am meisten gebraucht wird“, erklärt der gelernte Elektromechaniker. Bei Posträdern leiden die Sättel. Schwungvolles Aufsitzen, den Bordstein rauf und runter - beladen bringt das Rad mit Fahrer bis zu 200 Kilogramm Gewicht auf die Straße. Das entspricht mehr als zehn Wasserkästen - und scheuert die Polsterung kaputt. „Der Hintern tut irgendwann weh“, sagt Nowak. Rahmen und Speichen der Postboten-Fahrräder sind verstärkt, um den Belastungen standzuhalten.

In Deutschland drehen rund 17 300 der 86 200 Zusteller ihre Runden mit Fahrrädern. In Hessen gibt es rund 1200 radelnde Boten, in Rheinland-Pfalz etwa 530. Alle zusammen strampeln täglich eine Gesamtstrecke von etwa 300 000 Kilometern, wie die Post errechnet hat. Sie schickt die Zusteller sowohl mit normalen Rädern als auch mit E-Bikes auf die Strecke.

Nowak betreut etwa 200 hessische Kollegen. Jeden Mittwoch macht er am Zustellstützpunkt Frankfurt Station. Die Reparaturaufträge kommen per Fax, die defekten Räder und Zustellwagen stehen ebenso in der Garage wie Ersatzräder und Reifen. „Wenn es sein muss, fahren wir aber an den Pannenort“, sagt der Techniker. Briefträgerin Heuer kommt noch rollend ans Ziel. Nach der Reparatur saust sie mit befestigtem Lenker wieder vom Hof.

Der mobile Reparaturdienst ist seit 2011 im Einsatz. Zuvor wurden die Räder in zentralen Werkstätten geflickt. Eine der bundesweit größten war in Offenbach. Der umstrukturierte Service soll Kosten sparen. „Es ist rationeller und wirtschaftlicher, Fahrräder an Ort und Stelle zu reparieren“, sagt der Leiter des bis in den Taunus reichenden Zustellstützpunktes.

Im bergigen Gebiet zwischen Bad Homburg und Königstein schwingen sich viele Boten inzwischen auf Elektrobikes. An den motorgetriebenen Rädern prüft Nowak regelmäßig die Reifen, weil bei abgefahrenem Profil das Rad ähnlich wie beim Auto rutscht. Bundesweit verschleißen die Zusteller der Post zufolge 25 900 Reifen pro Jahr.

dpa

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