Dachbodenfund

Mumie belegt frühere Ägyptenbegeisterung

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Die auf einem Dachboden in Diepholz gefundene Mumie wurde untersucht.

Hildesheim - Der rätselhafte Mumienfund in Diepholz ist aus Sicht einer Ägyptologin ein Beleg für die frühere Begeisterung für das Land. Das Verkaufen auch verfälschter Mumien an Reisende sei gängig gewesen. Der Verbleib der Mumie ist derweil noch ungewiss.

Als exotisches Sammelobjekt sind Mumien wie das nun im niedersächsischen Diepholz aufgetauchte Exemplar nach Einschätzung der Ägyptologin Regine Schulz lange Zeit keine Seltenheit gewesen. Eine regelrechte Ägyptomanie habe in Europa zu einer großen Nachfrage nach Mumien geführt, wodurch auch verfälschte Exemplare zu Geld gemacht wurden, sagte die Direktorin des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums der dpa. Anfang August hatte der Sohn eines Zahnarztes in Diepholz auf dem Dachboden eine Mumie entdeckt, die möglicherweise der Großvater vor Jahrzehnten von einer Nordafrikareise mitgebracht hatte.

"Mumien sowohl mitzubringen als auch Mumien anzuschauen, das ist eine Sache, die es im 19. Jahrhundert schon gab. Es gab Mumienvereine in Europa, in Großbritannien, die haben dann als riesengroßes Event das Auswickeln einer Mumie gemacht", sagte Schulz. "Mumien waren, das muss man ganz klar sagen, ein Handelsgut." Trotz klarer Verbote heutzutage würden Mumien weiterhin illegal verkauft. Es habe sehr viele Mumien gegeben, weil der Brauch der Mumifizierung nicht auf Pharaonen und Hochgestellte beschränkt gewesen sei. Zwar habe Ägypten bereits im 19. Jahrhundert Schutzgesetze geschaffen. "Aber immer wieder wurden Mumien außer Landes gebracht auch im 20. Jahrhundert. Es war natürlich so, immer wenn ein Bedarf da ist, dann versucht man, dem nachzukommen." Die Möglichkeit habe es gegeben, wenn Sandstürme Gräber freigelegt und Teile von Mumien hervorgekommen seien.

Bei der Diepholzer Mumie handele es sich den Bildern nach nicht um einen altägyptischen Sarg, auch die Binden wirkten nicht altägyptisch. "Aber es sieht so aus, als ob der Körper oder vielleicht sogar ein Match aus mehreren Körpern darin alt ist", sagte Schulz. "Das ist durchaus eine Möglichkeit, dass man hier, um für den Markt in den dreißiger, vierziger oder fünfziger Jahren Mumien zu verkaufen, einen Teil oder eine vollständige alte Mumie genommen hat und die dann zusammengestückelt und eingewickelt hat und der einen neuen Sarg verpasst hat." Das Aufbessern und Verfälschen alter Mumienteile sei eine ganz gängige Sache gewesen.

Dass der Vater des Diepholzer Mumienbesitzers das Stück auf einer Nordafrikareise gekauft habe, sei möglich, sagte die Ägyptologin. "Man muss sagen, Ägypten und Nubien sind der Bereich, wo Mumien vorkommen, aber auch innerhalb von Nordafrika kann das durchaus verhandelt worden sein und dann irgendwo in Marokko oder Libyen auf den Markt gekommen sein." Aber das Herstellen einer gefälschen Mumie samt Sarg klinge nach Ägypten.

Die in dem Kopf der Mumie steckende Pfeilspitze mache sie für die Erforschung der damaligen Zeit interessant. "Das kann durchaus einen wissenschaftlichen Wert haben." Außerdem sei auch die Untersuchung der Geschichte der Ägypten-Begeisterung (Ägyptomanie), zu der das Herstellen von Fälschungen gehöre, spannend.

Ob die Mumie in Deutschland bleiben kann, muss möglicherweise noch geklärt werden. Mamdouh Eldamaty (52), Kulturrat der ägyptischen Botschaft in Berlin, sagte der "Bild"-Zeitung (Samstag): "Die gefalteten Hände sind typisch ägyptisch, auch die Bestattungsart gibt es nur in unserer Kultur." Er gehe davon aus, dass die Mumie seinerzeit illegal nach Deutschland gebracht wurde. Sollte sich die Theorie des Diplomaten als richtig herausstellen, habe sein Land laut einem Unesco-Abkommen von 1970 ein Anrecht auf Kulturschätze und die Mumie müsste dann zurück, heißt es in dem Bericht. Derzeit wird sie in der Hamburger Rechtsmedizin untersucht.

dpa

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