Ungewöhnliche Aktionen

Museen locken mit Gold-Verlosung und Speed-Dating

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Foto: Im Kunstverein Kestnergesellschaft können Besucher einen 10 Gramm schweren Goldbarren gewinnen – wenn der Zahlencode auf der Eintrittskarte stimmt.

Hannover/Oldenburg - Fitnessclubs, Kneipen und Kultureinrichtungen konkurrieren um das knappe Freizeitbudget insbesondere von Berufstätigen. Die Museen im Norden versuchen mit ungewöhnlichen Aktionen, neue Publikumsgruppen zu gewinnen.

Einen Goldbarren verlost die Kestnergesellschaft jede Woche, das Oldenburger Horst-Janssen-Museum lädt einsame Herzen zum Speed-Dating ein, und in Kalkriese können kampfbegeisterte Jugendliche eine Gladiatorenschule besuchen. Mit originellen Events sprechen die Museen im Norden gezielt Gruppen an, die nicht zum klassischen Ausstellungspublikum gehören. „Die Museen haben verstanden, wie sie stärker auf sich aufmerksam machen können“, sagt Friedrich Scheele, Vorsitzender des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen raus aus dem Elfenbeinturm.“

Etwa 650 Museen und museumsähnliche Einrichtungen gibt es in Niedersachsen und Bremen. Im Jahr 2011 zählten die Häuser insgesamt 6,5 Millionen Besucher, das waren 100.000 mehr als im Vorjahr. Die Zahlen für das vergangene Jahr werden erst im Herbst veröffentlicht. Während die Museen in Großstädten mit spektakulären Sonderausstellungen tendenziell Zuwächse verzeichnen, haben Museen in der Provinz häufig zu kämpfen.

Zwischen 80.000 und 100.000 zahlende Besucher jährlich zieht das Ausstellungszentrum Kalkriese an, trotz schlechter Anbindungen an Bus und Bahn. Zum Museum am Ort der Varusschlacht gehört ein 24 Hektar großes Parkgelände. "Die Mitmachangebote gehören zu unserer Philosophie", betont Geschäftsführer Joseph Rottmann. Für das Begleitprogramm zu einer Sonderausstellung über die römischen Kämpfer wurde eigens ein Gladiatorendarsteller aus Trier engagiert. Vom 3. bis 6. Oktober können sich die Besucher beim Schnitzen, Schmieden und Kochen auf die Spuren der Germanen begeben.

Einen Goldbarren im Wert von aktuell knapp 350 Euro verlost die Kestnergesellschaft jeden Dienstag in der Ausstellung „Der Schein“ über Glanz und Glamour in der zeitgenössischen Kunst. Die Gäste des Kunstvereins müssen versuchen, mit der Nummer ihrer Eintrittskarte den Code des Tresors zu knacken. Die Idee zu der Verlosung sei gemeinsam mit dem Sponsor Enercity entstanden, berichtet Pressesprecher Konstantin Wenzel.

Das Kunstmuseum Wolfsburg bietet wie viele andere Häuser ein Kombinationspaket „Eat & Art“ an – im Anschluss an die Führung wird ein hochkarätiges Drei-Gänge-Menü geboten. Ein Renner in Oldenburg sei das „Art Dating“ im Horst-Janssen-Museum, erzählt Verbandschef Scheele, der zugleich Direktor der städtischen Museen in Oldenburg ist. Bei dem am „Speed Dating“ angelehnten „Art Dating“ können Singles in Fünf-Minuten-Gesprächen über die Kunst sich näher kommen.

Die klassischen Aufgaben des Museums – vor allem der Bildungsauftrag – dürften nicht vernachlässigt werden, betont Scheele. Im vergangenen Sommer hatte eine Tätowier-Aktion in der Kunsthalle Emden kontroverse Diskussionen ausgelöst. Die Besucher konnten sich ein Motiv aus der Kunstsammlung wie etwa Franz Marcs' „Blaue Fohlen“ aussuchen und von einer Tattoo-Künstlerin in die Haut ritzen lassen. Scheele fand das als einmalige Aktion toll. „Wir sollten aber nicht all unsere Foyers zu Tattoo-Studios umfunktionieren.“

dpa

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