Helden des Nordens 2013

Ein mutiger Einsatz

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Foto: "Keine große Sache": Der 19-jährige Philipp Buchholz aus Sarstedt.

Hannover - Lehrling Philipp Buchholz hat sich bei einer Schlägerei eingemischt – und der Polizei damit zur Festnahme eines Straftäters verholfen.

Das Leben des Auszubildenden Philipp Buchholz ist jetzt wieder zur Ruhe gekommen. Morgens verlässt er sein Zimmer, geht Straßen des bäuerlichen Schlieckum entlang, einem Ortsteil von Sarstedt im Landkreis Hildesheim, und ist fünf Minuten später im Betrieb. Buchholz, 19, lernt dort Garten- und Landschaftsbau. Jetzt kann er „Held des Nordens“ werden. Nur, weil er ein bisschen geholfen hat, „das war ja keine großartige Aktion“. So bescheiden jedenfalls betrachtet Buchholz die Ereignisse.

Die Geschichte, über die der Lehrling noch heute staunt, begann an einem Abend im Juni. Der junge Mann, stieg in Hannover in den Regionalexpress, um bald im rund 20 Kilometer entfernten Sarstedt auszusteigen. Schräg gegenüber saß eine junge Frau, eine Studentin, wie sich später herausstellte, 21 Jahre alt. Dann kam dieser Typ. „Er lallte rum, sagte irgendwas von Sparkasse und kein Geld und fragte die Frau, ob sie ihm was leihen könnte“, erinnert sich Buchholz. Dann rief der Typ plötzlich: „Scheißfrauen!“ Er packte den Kopf der Studentin und schlug ihn gegen das Zugfenster, immer wieder.

Kraft durch Ruhe

Buchholz ist zwar recht groß, aber auch schlank. Sein Körper strahlt nicht aus, dass man sich mit ihm lieber nicht anlegen sollte. Kraft gewinnt er nicht allein aus Muskeln, sondern aus Ruhe. „Auf die Klappe kriegen wollte ich auch nicht, das hätte keinem geholfen“, sagt Buchholz heute. Als auch andere Fahrgäste auf die Schreie aufmerksam wurden, packten sie zu. Gemeinsam gelang es, den Irren von seinem Opfer wegzuzerren. Per Handy war inzwischen die Polizei alarmiert. In Sarstedt, am Bahnhof, glaubte Buchholz, würden Beamte den Mann festnehmen.

Die Polizei war nicht da. Unbehelligt stieg der Schläger aus. Buchholz dachte: Wenn der weg ist, ist er weg, und so einer darf nicht frei rumlaufen. Er tat drei Dinge gleichzeitig: den Mann mit genügend Abstand verfolgen, die Polizei anrufen und einen Passanten bitten, ihn zu begleiten. „Heilfroh“ sei er gewesen, jemanden dabei zu haben. Sie verfolgten den Typ aus dem Zug, der sich immer wieder zu seinen Verfolgern umdrehte, bis er in einem Haus verschwand. Buchholz hatte stets die Polizei am Ohr, die immer wusste, wo er war und was der Verfolgte tat. Dann kamen Streifenwagen, Polizisten nahmen den Angreifer mit. Es stellte sich heraus, dass der Mann wegen diverser Taten, darunter Körperverletzungen, gesucht wurde.

Wirbel in den Medien

Die Geschichte, über die Philipp Buchholz, der Lehrling im Garten- und Landschaftsbau, wirklich staunt ist: Was sein Eingreifen für einen Wirbel gemacht hat. In den Medien, bei seinen Freunden und Kollegen, in der Familie. Und dass er jetzt als einer von sechs Kandidaten zum „Helden des Nordens“ nominiert ist. Er wusste nicht einmal, dass es so eine Aktion gibt.

Was er eigentlich meint ist, dass es selbstverständlich sei, was er getan habe. Helfen, ohne den Helden zu spielen. Die vielen Interviews, die er seither gab, er gab sie, um deutlich zu machen: „Es ist eine gute Sache um zu zeigen, dass man mit kleinen Dingen was tun kann. Man muss nicht selbst handgreiflich werden.“

Im normalen Leben will Philipp Buchholz nun zunächst einmal seinen Meister machen und vielleicht mal einen eigenen Betrieb eröffnen. Dann ist er sein eigener Herr und kann tun, was ihm am meisten Spaß macht. „Bagger fahren. Ich liebe das.“

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