"Plea bargain"

Mutmaßlicher Amokläufer von Aurora will Todesstrafe umgehen

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Foto: James Holmes (rechts), der mutmaßliche Amokläufer von Aurora, bei einem Gerichtstermin im März. Holmes versucht offenbar, durch ein Schuldbekenntnis die Todesstrafe zu umgehen.

Washington - Mögliche Wendung im Prozess gegen den mutmaßlichen Kino-Amokläufer von Aurora: James Holmes könnte sich für schuldig bekennen. Damit will er wohl die Todesstrafe umgehen. Die Staatsanwaltschaft wies das Angebot zunächst brüsk zurück.

Im Gerichtssaal von Centennial, einer Vorstadt von Denver, steht an diesem Montag die womöglich alles entscheidende Anhörung in einem der spannendsten Verfahren an, die derzeit die USA bewegen. Es geht um das Schicksal des heute 25-jährigen mutmaßlichen Kino-Amokläufers James Holmes. Zwölf Menschen soll der Ex-Student in der StadtAurora erschossen haben. Am Montag geht es um die alles entscheidende Frage: Strebt der Staatsanwaltschaft die Todesstrafe an? Oder kommt Holmes mit lebenslänglich davon? Amerika fiebert mit.

Das Blutbad am 20. Juli 2012 erschütterte die Nation. Ein schwerbewaffneter junger Mann drang in die nächtliche "Batman"-Filmpremiere in ein Kino im Bundesstaat Colorado ein. Er schoss um sich, Sekunden später lagen tote und schwer verletzte Körper auf dem Boden. Holmes wurde noch im Kinosaal gefasst. "Es war, als ob es überhaupt keine normalen gefühlsmäßigen Reaktionen bei ihm gebe", wunderte sich ein Polizist später. "Holmes stand einfach da. Er tat nichts (...) Er war nicht erregt."

Die vermeintlich mangelnden Emotionen könnten zu einem Schlüsselaspekt des Verfahrens werden: Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Zeichen einer schier unfassbaren Kaltblütigkeit. Sie skizziert Holmes als Waffenfreak, der seine Tat genau geplant haben soll. Der zudem seine Wohnung mit Sprengstofffallen gespickt habe, um weitere Menschen in den Tod zu reißen. An diesem Montag könnte entschieden werden, ob die Staatsanwaltschaft tatsächlich die Todesstrafe fordert.

Seine Verteidigung wehrt sich mit allen Mitteln: Holmes wolle sich freiwillig für schuldigbekennen, um so der Giftspritze zu entgehen, lancieren sie in den Medien. "Plea bargain" heißt ein solcher Deal in den USA. Kern der Sache: Der Angeklagte gibt seine Schuld zu - und erhält im Gegenzug Vergünstigungen. In diesem Fall sollen Holmes und seine Anwälte schon zufrieden sein, wenn er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe davonkäme.

Nicht zuletzt: Ein langer, quälender Prozess bliebe allen Seiten erspart - vor allem den Familien der Opfer. Im Falle eines Plea bargains kommt es oft zu einem sehrkurzen Verfahren, bei dem es lediglich um das Strafmaß geht. "Die Sache wäre dann zu Ende", zitiert die "Denver Post" Holmes Anwalt Dan Recht. "Sie wissen, dass Holmes nie mehr auf die Straße kommt."

Noch ist völlig unklar, ob die Staatsanwaltschaft sich auf den Deal einlässt. Das über die Medien gespielte Angebot der Verteidigung soll sie jedenfalls brüsk zurückgewiesen haben. Unredlich sei es, darüber überhaupt öffentlich zu sprechen, obwohl es eine gerichtliche Schweigepflicht gegenüber den Medien gebe, kritisierte die Anklagebehörde. "Extrem unwahrscheinlich" sei es, dass sie auf das Angebot eingehe.

Die Kernfrage des Falls ist, ob Holmes als mutmaßlicher Täter tatsächlich schuldfähig wäre. Oder ist er unzurechnungsfähig, dürfte ihm die Tat nicht zur Last gelegt werden? Gerade seine Regungslosigkeit, sein Mangel an Emotionen werten die Anwälte - im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft - als Zeichen einer psychischen Störung. In den ersten Anhörungen präsentierte sich der junge Mann mit feuerrot gefärbten Haaren, starrte unbeteiligt an die Decke, ins Leere - möglicherweise nicht das Verhalten eines psychisch Gesunden.

Zudem war Holmes vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. In der Haft versuchte er, sich selbst zu verletzten, schlug immer wieder mit dem Kopf gegen die Zellenwand und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Dennoch, eine Verteidigungsstrategie, die auf Unzurechnungsfähigkeit zielt, gilt unter Justizexperten als riskant. Nur in einem Viertel der Fälle sei sie erfolgreich, heißt es.

Eines steht fest: Am Ostermontag steht in dem Verfahren eine entscheidende Vorentscheidung an. Schon im Vorfeld machte die Verteidigung klar: Sollte die Staatsanwalt nicht auf den Deal eingehen, wird sie auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren.

dpa

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