Geständnis vor Gericht

Mutter lässt Baby in Plastiktüte sterben

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Foto: Die wegen Kindstötung angeklagte Yvonne K. vor Prozessbeginn im Landgericht Halle (Saale). Die 21 Jahre alte Mutter ist wegen Totschlags angeklagt.

Halle - Ein Baby wird nach der Geburt von der Mutter weggeworfen wie Müll.Es erstickt vermutlich qualvoll in einer Einkaufstüte. Monate nach der grausigen Tat gibt die 21-Jährige alles zu.

Eine junge Mutter hat vor dem Landgericht Halle gestanden, im vergangenen November ihr neugeborenes Baby in einer Plastiktüte in einem Gebüsch zurückgelassen zu haben. Die verweste Leiche des Jungen wurde erst im März von spielenden Kindern in Tollwitz bei Bad Dürrenberg (Saalekreis) entdeckt. Eine Woche später fanden die Ermittler die bis dato unbekannte Mutter anhand von Spuren und Kleidungsstücken vom Fundort. Die 21-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Sie gab am Mittwoch vor Gericht zum Auftakt des Prozesses an, die Schwangerschaft verdrängt und das Baby heimlich im Haus ihrer Oma entbunden zu haben. Der Junge hat nach Angaben der Rechtsmedizin bei seiner Geburt gelebt.

Das Kind sei vermutlich in der Tüte erstickt, in der auch Kleidungsstücke waren, sagte Staatsanwalt Hendrik Weber beim Verlesen der Anklage. Die Frau habe das Baby „aus diffuser Angst vor Problemen in ihrem Umfeld“ auf einem verwilderten Grundstück sich selbst überlassen. Dort fanden es die Kinder durch Zufall. In Panik rannten sie zum Hausmeister einer Grundschule nebenan. Der Mann informierte dann die Polizei über den grausigen Fund.

„Ich habe mir vorgestellt, erst ab 25 Jahren einmal Mutter zu sein, dann habe ich mein Leben auch im Griff“, sagte die leger gekleidete Frau im Gerichtssaal auf die Frage des Vorsitzenden Richters nach ihrer Lebensplanung. Sie habe erst im August 2011 gemerkt, dass sie schwanger sei. Der Vorsitzende Richter warf ihr vor, sie hätte dann noch genügend Zeit gehabt, sich Gedanken zu machen, was aus dem Baby und ihr werden soll.

Von dem Vater des Kindes habe sie sich etwa zwei Monate vor der Entbindung im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Der Mann sei elf Jahre älter als sie, ihm habe sie nichts von der Schwangerschaft erzählt. Die Frau hat nach eigenen Angaben keine Lehre absolviert. Zum Zeitpunkt der Tat lebte sie von Hartz IV. Den Jungen habe sie nach der Geburt am 11. November 2011 nicht angeschaut, die Spuren der Entbindung beseitigt. „Ich wollte ihn nicht sehen“, sagte die Angeklagte.

Ihre Oma habe im Haus geschlafen, sie sei mit dem Baby in der Tüte ins Freie gelaufen. „Danach war fast alles so wie früher.“ Ihre familiären Kontakte beschrieb die 21-Jährige als „relativ intakt“, dennoch habe sie Angst gehabt, ihrer Familie von dem Baby zu erzählen.

Als die Frau im März festgenommen wurde, war sie nach eigenen Angaben wieder schwanger. Das Kind habe sie während der Untersuchungshaft abtreiben lassen. Der Angeklagten drohen bei einer Verurteilung wegen Totschlags bis zu 15 Jahre Haft. Das Landgericht hat noch zwei weitere Verhandlungstermine bis zum 13. Juli anberaumt. Nach Angaben des Staatsanwalts ist es nicht ausgeschlossen, dass er aber bereits am 11. Juli sein Plädoyer halten wird.

dpa

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