Helden des Nordens 2013

Nach dem Seitenwechsel

Bramfeld - Vom Problemkind zum Coolnesstrainer: Arwin Mostauli setzt sich für Jugendliche ein. Es hätte für ihn auch anders kommen können, als er mit 13 Jahren zum ersten Mal zu Zweikampfverhalten e. V. kam.

Er hat nicht darüber nachgedacht, warum er das tut. Er hat einfach angefangen, sich zu engagieren. Für die Kinder und Jugendlichen, die dort stehen, wo er selbst einmal stand. Auf der Seite derer, die schnell ausflippen, wenn ihnen etwas nicht passt. Die eine niedrige Frustrationsschwelle haben und schnell in Stress geraten. Es hätte für ihn auch anders kommen können, als er zum ersten Mal zu Zweikampfverhalten e. V. kam. Damals war Arwin 13, ein Talent auf dem Fußballplatz. Aber aggressiv und manchmal unberechenbar. Sein Trainer schickte ihn zum Coolnesstraining.

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Heute ist Arwin 19 Jahre alt und steht auf der anderen Seite. Ein junger Mann, der weiß, wie man sich auf dem Platz– und wie man sich im Leben verhält. Und der sich Zeit nimmt für die Jüngeren, die ähnliche Probleme haben, wie er sie hatte. Ein Held? Nein, das sei er nicht, findet Arwin. „Weil es doch selbstverständlich ist, sich für andere einzusetzen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sie auf die richtige Bahn zu bringen“, sagt er. Arwin Mostauli istTrainer. Einer, der bei „Zweikampfverhalten“ Kindern und Jugendlichen Werte und Regeln vermittelt und ihren Bewegungsdrang kanalisiert. Der die Jungs an die Hand nimmt, sie Fairness und Toleranz lehrt. Einmal in der Woche trifft er sich mit den Jungs, erst zum Gespräch, dann auf dem Fußballplatz. Sie sind zwischen neun und 14 Jahren, alle schwierig, einige von ihnen haben Ärger mit der Polizei.

Regeln lehnen die meisten von ihnen ab. Die Ziele von „Zweikampfverhalten“ sind Gewaltprävention und Kompetenzenerweiterung bei jungen Menschen. Durch die Kombination von Teamsport, Coolness- und Kompetenztraining sollen die Kreisläufe aus Aggressivität und Frustration durchbrochen werden. Gegründet wurde der Verein 2008 von der Sozialpädagogin und Kriminologin Rebekka Henrich. Sie wollte einen Ort schaffen, an dem Kinder und Jugendliche lernen, besser mit Provokationen umzugehen. Einer ihrer ersten Schüler war Arwin.

Er ist damals 13 Jahre alt. Seine Eltern sind 1997 von Afghanistan nach Deutschland geflohen. Da ist Arwin drei Jahre alt. Die Familie zieht nach Bramfeld, Arwin besucht das Gymnasium, er ist ein leidenschaftlicher Fußballer. Ehrgeizig, aber auf dem Platz nicht immer fair. „Ich stand damals an einer Weggabelung“, das ist ihm heute bewusst. Es hätte auch anders kommen können. Auch deshalb engagiert er sich für die Jüngeren. Weil er weiß, dass es manchmal ohne Hilfe nicht geht. Und dass Unterstützung im richtigen Moment und Maß Großes bewirken kann.

Seit zwei Jahren ist er im Team von „Zweikampfverhalten“ dabei. „Es macht mir Spaß zu sehen, wie sich die Jungs hier entwickeln“, sagt er. Zweieinhalb Stunden pro Woche trainiert er mit den jungen Teilnehmern. Die Jungs akzeptieren ihn, nicht nur als Coach, sondern auch als einen von ihnen. Und Arwin versteht die Jungs, weil er selbst einmal so getickt hat wie sie.

Warum er das alles in seiner Freizeit macht? „Weil es Spaß macht, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Weil er „als extrem deutscher Afghane“ zwischen den Kulturen vermitteln kann. Und weil er eine ganz entscheidende Botschaft nicht nur gelernt hat, sondern auch lebt. Nämlich die: „Dass ein Gewinner keinen Verlierer braucht.“

Von Hanna Kastendieck

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