Federschmuck

Nach der Show: Victoria's Secret erntet harsche Kritik

New York - Man muss sich nicht gut in der indianischen Kultur auskennen, um zu ahnen: Ein Federschmuck ist kein Modeaccessoire. Dafür erntet Victoria's Secret nun harsche Kritik.

Ein Federschmuck war vielmehr für männliche amerikanische Ureinwohner eine hohe Auszeichnung. Nur den besten Kriegern und den Häuptlingen stand es zu, Federn von Raubvögeln zu tragen. Je prächtiger der Schmuck, desto dekorierter der Krieger – im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn.

Da verwundert es nicht, dass sich Victoria’s Secret in den USA zuletzt massiven Protesten gegenüber sah: Bei einer Modenschau in der vergangenen Woche trug Model Karlie Kloss zu Stöckelschuhen und Leoparden-Dessous einen großen Federschmuck. Nordamerikanische Ureinwohner kritisieren das Wäschelabel seitdem scharf wegen Missachtung ihrer Kultur und Geschichte.

„Wir möchten uns aufrichtig entschuldigen, da wir keinerlei Absicht hatten, irgendjemanden zu beleidigen“, teilte das Unternehmen daraufhin am Wochenende mit. Bei der Fernsehfassung im Dezember und in Werbemaßnahmen werde die Sequenz weggelassen. Auch Karlie Kloss entschuldigte sich via Twitter: „Es tut mir sehr leid, wenn sich jemand durch das, was ich bei der Show getragen habe, beleidigt fühlt.“

Doch die Entschuldigungen kamen zu spät. Immer noch gibt es drastische Kritik: „Sie spucken auf uns und unsere Kultur“, sagte Erny Zah, der Sprecher der Navajo Nation, am Montag. „Sie“, das sind Modefirmen wie Victoria’s Secret und Paul Frank – das Designerlabel hatte im September eine vor Klischees nur so strotzende Indianer-Themenparty veranstaltet –, aber auch Musiker wie die Band No Doubt. Die Gruppe um Sängerin Gwen Stefani hatte im Video zum Lied „Looking Hot“ ebenfalls indigene Vorurteile aufgegriffen und – salopp gesagt – Cowboy und Indianer gespielt. Anfang November hatte die Band das Werk schließlich nach Protesten zurückgezogen. „Wir mussten Fürchterliches ertragen, um zu überleben und sicherzustellen, dass unsere Lebensweise erhalten bleibt“, begründet Zah seine Entrüstung.

Seit Jahrzehnten weisen Vertreter der nordamerikanischen Ureinwohner darauf hin, dass ihre kulturellen und spirituellen Gebräuche zweckentfremdet und karikiert werden, um damit Kasse zu machen. Vorurteile und Stereotype würden gezielt aufgegriffen und vermarktet. Zah stört sich vor allem an den „Nachäffungen, auch an Halloween“. Jennie Luna, die von mexikanischen Indianern abstammt, sagte der Zeitung „USA Today“ zu dem Vorfall bei der Show von Victoria’s Secret: „Wir sind ein Volk, kein Modestil.“

von Florian Knabe

mit dapd

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