A7 bei Hildesheim

Nacktfahrt im Drogenrausch

Hildesheim - Erst legte er einen Striptease auf dem Standstreifen hin, dann blockierte er mit seinem Mercedes die komplette Nordfahrbahn der A 7. Offenbar unter dem Einfluss von Rauschmitteln hat ein Nackter am Sonntagnachmittag eine Stunde lang die Polizei genarrt.

Der Mann aus dem Eichsfeld fiel anderen Autofahrern zuerst um 17 Uhr in einer Autobahnbaustelle bei Seesen auf. Er stoppte seinen Wagen auf dem rechten Fahrstreifen, stieg aus und entledigte sich auf dem Standstreifen seiner Kleidung. Noch bevor die alarmierte Autobahnpolizei zur Stelle war, fuhr er in Richtung Norden weiter. Aber nur, um nach zehn Kilometern seinen Daimler quer zur Fahrtrichtung zu parken. Die nachfolgenden Autofahrer stoppten zwar rechtzeitig – ein Vorbeikommen an dem Hindernis gab es für sie allerdings nicht. So mussten sie mit ansehen, wie der Nackte ausstieg, ums Auto ging und mit Händen und Armen wirre Zeichen gab. Nach ein paar Augenblicken stieg er abermals ein und brauste weiter.

An der Abfahrt Bockenem verließ er dann die Autobahn und fuhr auf der Landesstraße ostwärts in Richtung Lutter. Nach ein paar Kilometern stellte er seinen Wagen zwischen Mahlum und Bodenstein auf einem Parkplatz ab. Wieder kletterte aus dem Auto – diesmal wandte er sich einem Motorradfahrer und dessen Begleiterin zu. Völlig grundlos warf er ihr Motorrad um und pfefferte die Helme der beiden zu Boden. Wieder machte er sich aus dem Staub.

Der Anruf des Bikers brachte für die Polizei jedoch den Durchbruch. Sie holte den Nackten zwischen Lutter und Salzgitter auf der Bundesstraße ein und bremste ihn aus. Als die Hildesheimer Autobahnpolizisten ihn befragen wollten, schloss er sich im Auto ein. Alles zureden half nichts, der Mann wollte nicht aussteigen. Die Beamten zerstörten deshalb die Scheibe der Fahrertür mit einem Hammer – dann zogen sie den sich heftig wehrenden Nackten aus dem Mercedes. Ein Polizist schnitt sich dabei die Hand auf. Der Fahrer, der aus einem Dorf im Eichsfeld stammt, wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Hinweise auf exhibitionistische Beweggründe liegen bislang nicht vor. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen der Polizei unter dem Einfluss eines Rauschmittels gestanden haben, das dem Konsumenten „außerkörperliche Erfahrungen“ verschafft. „Der hat sich vollkommen weggeballert“, drückte es einer der eingesetzten Beamten umgangssprachlicher aus.

Auf den 35-Jährigen kommt nun eine Menge Ärger zu – die Polizei hat Anzeigen wegen Fahrens unter Drogeneinfluss, Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Straßenverkehrsgefährdung geschrieben. „Das mit dem Nacktsein mag ja kurios klingen“, sagte gestern Hildesheims Polizeisprecher Claus Kubik. „Letztlich ist es aber nur dem Zufall und der Reaktionsschnelligkeit der anderen Verkehrsteilnehmer zu verdanken, dass die ganze Angelegenheit so glimpflich ausgegangen ist.“

von Christian Wolters

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