Plagiannette, Steindrück und Merkel-Ferkel

Närrische Jecken feiern Rosenmontag

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Ein Karnevalswagen zum Thema Griechenland beim Rosenmontagszug durch Düsseldorf .

Köln - Die SPD leidet unter Kanzlerkandidat "Steindrück", und "Plagiannette" Schavan wird aus dem Amt geschossen: Am Rosenmontag bekamen Politik und Würdenträger wieder ihr Fett weg. Nur den allerneuesten Rücktritt konnten die Narren nicht mehr aufgreifen.

Millionen dick vermummte Narren haben in den nordrhein-westfälischen Karnevalshochburgen die Rosenmontagszüge bejubelt. Wie es sich gehört, nahmen die Wagenbauer die Politik aufs Korn, wobei sich vor allem die Düsseldorfer mit aktuellen und frechen Motiven hervortaten. Dort wurde sogar noch Bundesbildungsministerin Annette Schavan per Kanonenschuss ins Aus befördert.

Den neuesten Rücktritt allerdings konnten die Narren nicht mehr aufgreifen: Während die Wagen bereits rollten, verbreitete sich die Nachricht vom vorzeitigen Abschied des Papstes.

Ein Lieblingsmotiv in der Parade der Pappkameraden war dieses Jahr Peer Steinbrück. In Düsseldorf lastete er als „Schweer Steindrück" auf der SPD, in Mainz quollen ihm Geldscheine aus den Taschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde in Düsseldorf von einem Griechen ein Hitler-Bärtchen aufgemalt, in Köln musste sie als Muttersau die Merkel-Ferkel Griechenland, Spanien, Portugal und Italien nähren. An den Figuren war teilweise monatelang gearbeitet worden. Nach dem Zug werden sie abmontiert und eingestampft - Ende des Jahres beginnt die Arbeit dann von neuem.

Ein ungewöhnlicher Ehrengast brachte diesmal auf dem Kölner Zugleiterwagen Kamelle unters Volk: Alice Schwarzer. „Sie liebt den Karneval und fährt immer mal mit", erläuterte die Sprecherin des Festkomitees, Sigrid Krebs.

Lukas Podolski (27) musste den „Zoch" hingegen aus der Londoner Karnevalsdiaspora verfolgen: „War das geil, die letzten Jahre mit oben auf dem Wagen zu stehen", erinnerte sich „Prinz Poldi" wehmütig auf Facebook. „Kölle und den Karneval muss man einfach lieben - lasst es krachen!"

Der Himmel am Rhein war überwiegend grau, nur in Düsseldorf kam die Sonne raus. Überall waren die Narren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in dicke Kostüme gepackt. Besonders beliebt: Tiere in allen Facetten, vom Huhn bis zum Wolf, von der Giraffe bis zum Kätzchen. Geschunkelt wurde am Straßenrand eher weniger, doch die Jecken hielten sich in Bewegung, indem sie sich nach Schokolade, Blumensträußen und Popcorn streckten und bückten.

Die Kölner Polizei hatte wenig zu tun. "Wir sind im Moment sehr zufrieden", sagte ein Sprecher. Ein Polizist wurde allerdings von einem Pferdehuf getroffen und am Bein verletzt. 15 Personen wurden bis zum Nachmittag in Gewahrsam genommen. Ein Düsseldorfer Polizeisprecher sagte: "Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist nichts Gravierendes passiert."

Auch in anderen nordrhein-westfälischen Städten wie Essen, Münster, Bonn und Aachen schlängelten sich am Montag Karnevalszüge durch die Straßen. Die Karnevalszüge gehen auf Maskenzüge aus mittelalterlicher und vermutlich sogar heidnischer Zeit zurück. Ursprünglich sollte damit der Winter ausgetrieben werden.

dpa

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