Justiz

Nazi-Netzwerk reicht bis Vechta

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Konspirative Briefe hinter Stacheldraht: Spuren des Netzwerks führen nach Vechta.

Hannover - Die Verbindungen des rechtsextremen Gefängnisnetzwerks "AD Jail Crew (14er)" reichen nun doch bis nach Niedersachsen. Nach Informationen der HAZ gehört ein Häftling aus Vechta der konspirativen Seilschaft an.

Der Verdacht habe sich erhärtet, dass ein Häftling in Niedersachsen Mitglied des von Hessen aus agierenden Netzwerks von Neonazis ist, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Justizministeriums in Hannover. Die Staatsanwaltschaft in Hessen prüfe nun die Aufnahme strafrechtlicher Ermittlungen.

In welcher Justizvollzugsanstalt der niedersächsische Häftling mit Verbindungen zur „AD Jail Crew“ einsitzt, ließ der Ministeriumssprecher offen. Nach Informationen der HAZ aus hessischen Ermittlerkreisen sitzt die verdächtige Person in der Justizvollzugsanstalt Vechta. Es soll sich um „keine große Nummer in der Szene“ handeln. In Vechta sitzen Jungtäter und Frauen ein.

Zunächst war nur von zwei Verdachtsfällen in Niedersachsen die Rede gewesen, die sich aber nicht erhärteten. Nach Informationen der HAZ handelte es sich dabei um Häftlinge aus den Justizvollzugsanstalten in Meppen und ebenfalls in Vechta. Der nun am Donnerstag aufgetretene Verdacht gegen einen dritten Gefangenen hat sich offenbar nach der Kontrolle von Zellen und Briefen im Zuge der weiteren Ermittlungen ergeben. Ein Erlass des Ministeriums hilft den Justizbeamten in den Gefängnissen, szenetypische Geheimzeichen zu erkennen.

Die Mitglieder der Neonazi-Seilschaft „AD Jail Crew 14(er)“ kommunizieren über Codes und Chiffren in Briefen und Kleinanzeigen. Auch der Name des Netzwerks und das Symbol der Vereinigung steckt voller verdeckter Hinweise. „AD“ dürfte für „Aryan Defense“ oder „Aryan Division“ stehen (arische Verteidigung oder arische Division) stehen, was sich in der Zahl 14 wiederholt (die 1 steht für den ersten Buchstaben im Alphabet, die 4 für den vierten). Das Vereinslogo ziert ein Adler, der die 14 in den Klauen hält. Das Netzwerk wurde per Anzeige in einer Zeitschrift für Motorradfreunde gegründet. Als Gründungsdatum gibt der ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammende Rechtsextremist Bernd T. den 20. April 2012 an - den Jahrestag des Geburtstags von Adolf Hitler.

Das Netzwerk aus rechtsextremen Gefangenen war bei der Durchsuchung von Zellen im hessischen Hünfeld nördlich von Fulda aufgeflogen. Bernd T. hatte von dort andere Häftlinge angeworben und auch Kontakt zur mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe aufgenommen. Die Verbindungen reichen nach Schleswig-Holstein, Hamburg, Thüringen, Berlin und nun auch nach Niedersachsen. Der Behörden in Niedersachsen gehen jedoch nicht davon aus, dass es verfestigte Strukturen angenommen hat. Auch das Bundesinnenministerium in Berlin glaubt nicht, dass es bundesweite Strukturen gibt.

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