Raubmordprozess

NDR-Moderator: „Ich liebe ihn, ich muss das tun“

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Foto: Im Prozess gegen zwei Angeklagte, die ein Tötungsdelikt verübt haben sollen, hat der NDR-Moderatur Frank Breuner ausgesagt.

Berlin - Im Raubmordprozess gegen zwei Callboys, die gestanden haben, im November den Chef eines Berliner Escortservice getötet zu haben, hat gestern ein früherer Kunde ausgesagt – der NDR-Moderator Frank Breuner. Der 41-jährige Journalist ist inzwischen mit einem der Angeklagten verlobt, den er kurz vor der Bluttat kennenlernte.

Als Jokubas S. im Oktober 2011 an der Tür des TV-Moderators stand, habe er traurig gewirkt, berichtete Breuner. „Nur dass das klar ist, du musst hier gar nichts machen“, habe er dem 19-jährigen Litauer gesagt, den er auf einem Kontaktportal für Schwule in der Escort-Rubrik gebucht habe. Als sie nebeneinander auf dem Sofa saßen, habe Jokubas S. dann davon erzählt, dass ihn sein Zuhälter zum Anschaffen zwingen würde. „Wir haben uns Wodka-Red-Bull reingeschüttet“, fügte der TV-Moderator gestern vor dem Amtsgericht Moabit hinzu.

Wenig später soll Jokubas S. mit Landsmann Sergejus A. (20) den gemeinsamen Zuhälter Renaldas D. erstickt haben und mit Wertgegenständen geflohen sein. Beide haben die Tat gestanden, die sich in der Nacht zum 2. November 2011 in der Wohnung des 37-jährigen D. in Berlin-Tempelhof ereignete. „Der Tod war für mich der einzig mögliche Ausweg, diesem Tyrannen zu entkommen und in Zukunft keine Angst mehr vor ihm haben zu müssen“, hatte S. gesagt. Sie seien geschlagen und erniedrigt worden. Diese Version stützte gestern auch Zeuge Breuner. Der Callboy habe seinen Job gehasst. „Der 19-Jährige ist kein Männermordender Stricher“, sagte der Journalist.

Nach dem Treffen in Breuners Wohnung habe sich der Kontakt intensiviert – vor allem über das Internet. Jokubas S. berichtete dem Journalisten von seinem Traum, mit eigenen Songs berühmt zu werden, so wie sein Idol Lady Gaga. Er spielte dem Moderator am Klavier Titel vor, sie schickten sich Gedichte. Jokubas erzählte auch von seinem Plan, nach New York zu gehen. Tatsächlich flog der Litauer Anfang November in die USA – kurz nachdem er D. getötet hatte. Erst durch die Polizei habe Breuner von der Tat erfahren. Er lotste Jokubas S. zurück nach Berlin, wo er verhaftet wurde.

Dass die beiden Callboys von ihrem Opfer unterdrückt und ausgenutzt worden sind, bestreitet ein anderer Zeuge. Michael A., der oft mit Tätern und Opfer unterwegs war, berichtete, dass D. in seiner Heimat Litauen eine Ausbildung zum Polizisten absolviert habe, ehe er in Deutschland Fotograf geworden sei. Dabei habe er junge Männer kennengelernt, die er über seine Escortagentur anbot. Er stellte das Opfer als Geschäftsmann dar, der niemanden zu der Arbeit gezwungen habe. Die Angeklagten sagten dagegen, D. habe sie mit Nacktfotos erpresst und ihnen die Ausweise abgenommen. „Geld war ein Streitthema“, räumte Michael A. vor Gericht ein, „aber sie hatten auch freie Kost und Logis.“

Breuner hingegen berichtete von Druck, Angst, Zwang. Kaum ein Euro sei an die Callboys gegangen. Dass er so offen über seine Beziehung zum Angeklagten spreche, erklärte er außerhalb des Gerichtssaals so: „Ich liebe ihn, ich muss das tun.“ Der NDR reagierte gelassen auf den Gerichtstermin – es handele sich um persönliche Angelegenheiten.

Sebastian Scherer (mit: dpa)

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