Weltgrößte Börse für Gesellschaftsspiele

300 neue Spiele bei Autorentreffen vorgestellt

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Beim Autorentreffen in Göttingen wurden mehr als 300 neue Spiele vorgestellt.

Göttingen - Mehr als 300 neue Brett-, Würfel- oder Kartenspiele: Beim weltweit größten Spieleautorentreffen in Göttingen wurde ein Rekord gebrochen - und das Treffen war in diesem Jahr größer als je zuvor.

Rund 15 Jahre lang hat Jan Suchanek getüftelt. „Ich habe das Spiel oft im Freundeskreis getestet und immer weiter verbessert“, sagt der Berliner, der eigentlich Übersetzter ist. Jetzt sei „Abraxas“, so das Arbeitstitel, perfekt. Das Spiel erinnert an eine Kombination aus Backgammon, Malefiz und Mensch-ärger-dich-nicht, verlangt aber nach viel mehr taktischem Geschick. Sein Spiel ist eine von mehreren Hundert Neu- oder Weiterentwicklungen von Gesellschaftsspielen, die am Wochenende beim Göttinger Spieleautorentreffen gezeigt wurden.

Rund 260 Spielerfinder aus zahlreichen Ländern sind zu der weltweit größten Börse für neue Gesellschaftsspiele gekommen, dazu Vertreter nahezu aller wichtigen Spieleverlage - immer auf der Suche nach marktgerechten Ideen.

„Das ist neuer Teilnehmerrekord“, sagt Reinhold Wittig, der das jährliche Treffen seit 1982 organisiert. „Trotz aller Computerspiele - das klassische Gesellschaftsspiel lebt“, glaubt der 75-Jährige und zeigt auf die vielen Stände mit Brett-, Würfel- oder Kartenspielen, an denen sich Neugierige um die Autoren scharen.

Manche Spielerfinder sind, wie Jan Suchanek, zum ersten Mal dabei. Die meisten dagegen kommen immer wieder nach Göttingen“. „Nirgendwo sonst gibt es so viel Fachpublikum. Und nirgendwo sonst kann man seine Ideen auch gleich mit anderen Autoren besprechen“, sagt Henning Poehl. Wertvoll seien dabei vor allem die kritischen Hinweise der Kollegen. Der Lehrer an einer Kosmetikschule aus Heidelberg hat „bestimmt schon 20 Spiele“ erfunden, die er zumeist im Selbstverlag herausbringt. Im vergangenen Jahr konnte er erstmals eine Lizenz an einen US-Verlag verkaufen. Diesmal zeigt er ein Würfelspiel, bei dem Haie versuchen, Badende anzugreifen.

Der holländische Spielerfinder Ben Leijten kommt schon seit 20 Jahren nach Göttingen. „Das Angebot an neuen Spielen ist zwar viel größer als die Nachfrage der Verlage,“ sagt er. Er hoffe dennoch, dass sein Kartenspiel, bei dem man durch geschicktes Fragen eine vom Gegner gelegte Kombination von Tierkarten herausfinden muss, einen Abnehmer findet. Sollte dies nicht gelingen - kein Problem: Dank Computertechnik und preiswerter Druckereien sei es heute anders als früher kein großes finanzielles Risiko mehr, Spiele auch im Selbstverlag herauszubringen.

Als bester Nachwuchsautor erhielt Martin Gil-Wünschmann am Sonntag den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis für sein Spiel „Ballyrinth“. Der Personalentwickler aus Hilden in Nordrhein-Westfalen hat ein Spiel entwickelt, bei dem die Teilnehmer Kugeln durch ein veränderbares Labyrinth zu einem bestimmten Ausgang rollen lassen müssen.

Mit seinem ersten Spiel nimmt auch ein Spitzenforscher am Autorentreffen teil. Prof. Stephan Herminghaus, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, zeigt „Opal“, ein Glücks- und Strategiespiel mit dem Ziel, dem Gegner den Weg zu verlegen und sich selbst freie Bahn zu möglichst vielen Edelsteinen zu schaffen. „Die Idee dazu hatte ich schon vor 20 Jahren“, sagt der Physiker. „Und das Spiel jetzt hier zu präsentieren, macht wirklich großen Spaß“.

jhf/dpa

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