Und der Papst war auch schon da

Neues Buch entdeckt Eichsfeld als Wallfahrtsort

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Foto: Die Männerwallfahrt nach Eichsfeld wurde 1957 ins Leben gerufen, als die Gläubigen wegen der deutschen Teilung nicht mehr zum Hülfensberg bei Geismar im thüringisch-hessischen Grenzgebiet pilgern konnten.

Hannover - Der Papst war 2011 da. Aber schon vorher war das Eichsfeld eine beliebte Region für Wallfahrten, was vielen nicht bekannt war. Ein Buch entdeckt nun das Eichsfeld neu als Wallfahrtsort.

Rund 90.000 Pilger waren gekommen, und als er vor sie trat, war das, als fände eine oft leidvolle Geschichte doch noch ihr Happy End. „Ich habe seit meiner Jugend so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich dachte, ich muss es einmal sehen und mit euch zusammen beten“, sagte Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch dort 2011. Über Jahrhunderte musste sich die katholische Enklave um Duderstadt gegen das protestantische Preußen, das atheistische DDR-Regime und die deutsche Teilung behaupten, die das Gebiet durchschnitt. Da war die Pilgerreise des Papstes für viele Katholiken so etwas wie eine Belohnung für langes Ausharren auf einer bedrängten Insel. Ein später Sieg.

Der Papst war wohl der prominenteste Eichsfeld-Pilger aller Zeiten - und doch war er nur einer von vielen. Das Buch „Pilgerland Eichsfeld“ (AST, Edition Zeit Reise) zeigt jetzt, wie reich die Wallfahrtstradition der Gegend ist. Schwangere pilgern zur Ignatiuswallfahrt nach Wingerode, regelmäßig findet die berühmte Pferdewallfahrt nach Etzelsbach statt. Eine Fülle an heiligen Orten, Gnadenbildern und Bittprozessionen prägt die Frömmigkeit des Eichsfelds mit seinen alljährlich rund 50 Wallfahrten.

Mit zahlreichen stimmungsvollen Fotos von Prozessionen im Kerzenschein und Messen unter freiem Himmel vermittelt das Buch Eindrücke von der „Heimat der Wallfahrten“. Und es erzählt Geschichten vom Aufbrechen und Suchen, von Gemeinschaft - und vom Widerstand: Die Nazis verboten 1938 die Wallfahrt ins niedersächsische Germershausen. Dennoch kamen 1500 Menschen. Und als die DDR den Zugang zum Wallfahrtsort Hülfensberg unterband, versammelten sich die Pilger fortan am Klüschen Hagis, auch, um ein Zeichen gegen das kirchenferne Regime zu setzen.

„Wallfahrten sind in sich antidiktatorisch“, schreibt Domkapitular Heinz-Josef Durstewitz in einem Beitrag in dem Band. So gesehen erinnert das Eichsfeld ein wenig an das sympathische gallische Dorf, das Unrecht und Tyrannei Widerstand leistet. Mit Erfolg: Alljährlich tragen heute am 3. Oktober Ministranten in einer Prozession ein Kruzifix auf den Hülfensberg bei Döringsdorf. Es wurde angefertigt aus Gittern des DDR-Grenzzaunes.

„Pilgerland Eichsfeld“ kostet in den HAZ-Geschäftsstellen 19,90 Euro. Sie können es auch im Internet unter shop.haz.de oder telefonisch unter (0800) 1518518 bestellen. Der Versand kostet 2,90 Euro.

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