Vorbeugende Behandlung

Neues Projekt hilft pädophilen Jugendlichen

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Foto: Ein neues Präventionsprojekt soll verhindern, das pädophile Jugendliche zu Tätern werden.

Berlin - Pubertät ist für Jugendliche oft eine schwierige Zeit. Besonders schwierig aber für die, die merken, dass sie ganz anders ticken. Auch Pädophilie zeigt sich oft schon in dieser Lebensphase – ein Projekt verspricht Betroffenen nun Hilfe.

„Deine Freunde verlieben sich in Stars oder Mädchen aus der Parallelklasse. Du stehst auf Kinder.“ Jugendlichen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, verspricht nun ein einzigartiges Präventionsprojekt in Berlin Hilfe - und informiert darüber mit prägnanten Internet-Clips, auf der Website „Du träumst von ihnen“, in Schulen und Jugendzentren. „Aus dem Projekt 'Kein Täter werden' für erwachsene pädophile Männer wissen wir, dass wir so früh wie möglich therapeutische Hilfe anbieten sollten“, sagte Projektleiter Prof. Klaus Michael Beier von der Berliner Charité am Mittwoch in Berlin. Denn viele Übergriffe geschähen schon in frühem Täteralter und im Dunkelfeld.

Das Projekt, das Therapieplätze für 100 Jugendliche bieten soll, wird über drei Jahre mit rund 700.000 Euro vom Bundesfamilienministerium gefördert. „Es ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern“, betonte Ministerin Manuela Schwesig (SPD) bei der Vorstellung des Projekts. „Ein solches Projekt ist aktiver Kinder- und Jugendschutz.“

Das Charité-Institut für Sexualwissenschaft arbeitet dabei eng mit der Vivantes-Klinik für Jugendpsychiatrie zusammen. „Etwa ein Prozent aller Männer ist pädophil. Rechnet man das allein auf 80 000 männliche Jugendliche in Berlin um, gibt es hier 800 von ihnen. Und auch Jugendliche können Täter werden“, sagt Beier. Deshalb soll frühzeitig geholfen werden, damit die Betroffenen ihre auf Kinder gerichteten Wünsche bewältigen und kontrollieren lernen, anstatt sie auszuleben.

„Wir hoffen natürlich auch, dass dies in der Pubertät, wo sich Hirnstrukturen noch verändern, für die Betroffenen einfacher ist“, sagt Beier. Familiäre Unterstützung sei dabei äußerst wichtig. „Vielen Jugendlichen fällt geradezu ein Stein vom Herzen, wenn sie merken, dass die Eltern trotz allem hinter ihnen stehen.“ Aber das sei nicht immer der Fall - auch radikales Abwenden der Eltern sei in der Pilotphase des Projekts im vergangenen Jahr vorgekommen. „Dann müssen wir Therapeuten diese jungen Menschen auffangen.“

Nach ausführlicher Diagnose ist eine etwa einjährige Behandlung, vor allem in Einzelgesprächen, vorgesehen. Anders als im Erwachsenenprojekt soll es Medikamente nur in Ausnahmefällen geben. „Oft kommen aber auch zusätzliche psychische Störungen hinzu, die eine psychiatrische Behandlung verlangen“, ergänzt Vivantes-Arzt Tobias Hellenschmidt.

Knapp zehn Prozent der Mädchen und rund drei Prozent der Jungen bis 16 Jahren sind in Deutschland nach Angaben Beiers Opfer körperlicher sexueller Gewalt geworden. Etwa 40 Prozent dieser Übergriffe werden von Pädophilen verübt. „Das ist kein Randproblem, sondern mitten in der Gesellschaft“, sagte Ministerin Schwesig.

dpa

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