Erneute Gruppenvergewaltigung in Indien

Nichts hat sich verändert

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Erneut wurde eine Frau in Indien vergewaltigt.

Neu Delhi - Proteste gegen sexuelle Gewalt, schärfere Gesetze, Schnellgerichte - trotzdem gibt es in Indien wieder eine Gruppenvergewaltigung. Mehrere Männer fallen über eine 22 Jahre alte Fotografin her.

Erneut hat in Indien die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau Proteste und Diskussionen ausgelöst. Mehrere Männer fielen in einer Fabrikruine im Zentrum Mumbais über eine 22 Jahre alte Fotografin her, während ihr Kollege geschlagen und gefesselt wurde. Die Frau kam mit inneren Verletzungen in ein Krankenhaus, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Die fünf mutmaßlichen Täter wurden demnach identifiziert, einer sei bereits gefasst und habe gestanden. Sie seien zwischen 20 und 30 Jahre alt und wohnten in der Nähe des Tatorts. Das neue Verbrechen erinnert an die grausame Tat in einem Bus in Neu Delhi, die Ende 2012 weltweit Aufsehen erregt hat. Zu der Tat kam es am Donnerstagabend während eines Foto-Shootings in einer stillgelegten Baumwollspinnerei, an Bahngleisen mitten in der 18-Millionen-Metropole Mumbai. Zwei Täter hielten den Kollegen der 22-Jährigen fest, drei Männer vergewaltigten sie nacheinander.

Die brutale Tat führte zu einem lauten Aufschrei in der indischen Gesellschaft. Wieder protestierten Menschen auf den Straßen, wie schon nach der Vergewaltigung im Dezember und zahlreichen weiteren Fällen. Sie sagten, die schärferen Gesetze, neuen Schnellgerichte und häufigeren Polizeikontrollen seien wirkungslos. "Ich fühle mich wirklich unsicher, wenn ich auf die Straße gehe", sagte eine junge Frau dem Nachrichtensender NDTV. Im Parlament in Neu Delhi warfen die Abgeordneten am Freitag die Tagesordnung über Bord und diskutierten einmal mehr über die Sicherheit von Frauen im Land.

"Wir sind nur Zuschauer bei den ganzen Verbrechen gegen Frauen", sagte Oppositionspolitikerin Smriti Irani. Wie lang solle das noch so weitergehen, fragte sie. Die Attacke passierte ausgerechnet in jener Stadt, die in Indien als besonders sicher gilt und in der Frauen auch nachts alleine unterwegs sind. Die Finanzmetropole ist auch für die Filmwelt Bollywoods bekannt. "Als ich von London nach Mumbai zog, habe ich mich damit gebrüstet, zu sagen, dass ich in einer der sichersten Städte der Welt lebe", schrieb Schauspielerin Sophie Choudry bei Twitter. "Jetzt lachen sie über mich."

Nach Angaben des Jaslok Hospitals ist der Zustand des Opfers stabil. Die Frau habe innere Verletzungen und Blutungen, sagte ein Sprecher, "unsere Ärzte tun alles, was sie können". Mit Hilfe der Angaben der jungen Frau und ihres Kollegen veröffentlichte die Polizei noch am Freitagvormittag Phantombilder. In Mumbai wurden im vergangenen Jahr 232 Vergewaltigungen angezeigt, in ganz Indien waren es 24 923 Fälle. Doch weil die Opfer bei einer Anzeige in den Augen vieler ihre Familienehre beschmutzen, dürfte die Dunkelziffer laut Frauenrechtlern noch viel höher liegen als in anderen Ländern.

In Neu Delhi, das in Indien als "Vergewaltigungshauptstadt" bekannt ist, war im Dezember eine 23 Jahre alte Studentin in einem Bus entführt, vergewaltigt und mit einer Eisenstange gefoltert worden. Zwei Wochen später starb sie an ihren inneren Verletzungen. Die Urteile gegen die mutmaßlichen Täter könnten in den kommenden beiden Wochen gesprochen werden.

Das Verbrechen hatte landesweit Proteste ausgelöst und eine Debatte über Frauenrechte in Gang gesetzt. Mittlerweile werden viel mehr sexuelle Verbrechen angezeigt. Erst am Donnerstag hatte die Nachrichtenagentur IANS von der Vergewaltigung einer 22-Jährigen in Neu Delhi berichtet. Sie sei von zwei Männern, die sie vor ein paar Monaten kennengelernt hatte, in ihrem Haus überfallen und dann abwechselnd sexuell angegriffen worden. Am Mittwoch machte der Fall einer 8-Jährigen aus Orissa Schlagzeilen. Das Mädchen soll in einem Slum in Bhubaneswar vergewaltigt und dann erwürgt worden sein.

dpa

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