Extremsport

Niedersachse ist härtester Feuerwehrmann der Welt

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Foto: Ein Mann und seine Trophäe: Feuerwehrmann Joachim Posanz vor Sydneys Skyline.

Badenhausen - Er ist der härteste Feuerwehrmann der Welt. Und das schon zum zweiten Mal: Joachim Posanz hat die Feuerwehrweltmeisterschaften in Australien gewonnen. Der 40-jährige Familienvater ist Berufsfeuerwehrmann in Göttingen.

Einfach mal auf dem Sofa abhängen und die Füße hochlegen? „Klar“, sagt Joachim Posanz und fügt hinzu: „nach dem Sport“. Der 40-Jährige aus Badenhausen (Kreis Osterode) ist der härteste Feuerwehrmann der Welt. Gerade hat der zweifache Familienvater bei den Feuerwehrweltmeisterschaften im australischen Sydney den Titel „Toughest Firefighter Alive“ geholt - bereits zum zweiten Mal nach dem ersten Sieg 2010 in Südkorea. Damals war er der erste Deutsche, der den Titel holte, jetzt ist er der Älteste.

Posanz, der seit 1997 bei der Göttinger Berufsfeuerwehr arbeitet, musste sich mit den fittesten Männern und einigen wenigen Frauen seiner Zunft gemessen. 2500 Feuerwehrleute aus 50 Nationen waren dabei. „Das war schon hart“, sagt der Feuerwehrmann, während im Hintergrund Wellensittich „Piepsi“ („unser Familienvogel“) durch die Wohnung flieg und schnattert. „Er freut sich, dass wir wieder da sind“, sagt Posanz. Der Wellensittich war nicht mit in Australien, Frau Andrea (40), Sohn Leo (11) und Tochter Nele (8) aber schon, und viele Freunde und Kollegen auch, um Posanz anzufeuern. Und es hat sich gelohnt: Er war der Schnellste. Denn um Tempo geht es. „Man muss Vollgas geben und immer an die Quälgrenze gehen, auch wenn eine innere Stimme einem sagt, dass man sich am liebsten etwas schonen möchte, um durchzuhalten. Aber dann reicht es nicht für den Sieg.“

In sieben Minuten hat Posanz einen bleischweren, 160 Meter langen Schlauch ausgerollt, zwei andere Schläuche zusammengerollt, eine 80 Kilogramm-Puppe über 90 Meter geschleppt, Parcours mit Hindernissen überwunden, ist an einem Seil über eine Mauer geklettert, hat Feuerwehrgeräte zusammengeschraubt, einen Kanister über ein acht Meter hohes Gerüst getragen, zwischendurch immer wieder Sprints eingelegt - und das in voller, 25 Kilogramm schwerer Montur mit Helm und Atemschutzmaske.

„Danach musste ich mich erst mal zehn Minuten ausruhen“, erzählt Posanz. Dann konnte er seinen Sieg feiern. Am Tag danach fühlte er sich wieder fit. „Nur ein bisschen Muskelkater“ habe er gehabt, sagt der durchtrainierte Mann, der Sport als seine Leidenschaft bezeichnet. Fitness- und Konditionstraining macht er immer. „Wenn ich manchmal etwas unleidlich bin, schickt mich meine Frau zum Laufen, danach bin ich wieder gut gelaunt“, erzählt er.

Zwei Monate vor dem Wettkampf hat er zehnmal in der Woche trainiert - ­jeden Tag, oft morgens und abends. Sechsmal Training in der Woche ist das normale Pensum. Ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol und ausreichend Schlaf ­gehören dazu. Seinen 40. Geburtstag im September hat Posanz ohne Alkohol gefeiert, die Stimmung sei trotzdem bestens gewesen, sagt er. Und zum ­alten Eisen gehört er noch lange nicht.

So schnell wie Joachim Posanz ist keiner die 82 Stockwerke des Sydney Tower hochgerannt, für die 300 Höhenmeter brauchte er nur zwölf Minuten. Mit Treppen kennt er sich aus. Täglich sprintet der Feuerwehrmann um sechs Uhr morgens vor seinem Dienst die 13 Etagen des Göttinger Rathauses mehrmals hoch und runter. Seit zehn Jahren ist Posanz Feuerwehrextremsportler. Der normale Dienst war mir irgendwann nicht mehr genug, obwohl Feuerwehrmann sein Traumjob bleibe, sagt der gelernte Kommunikationselektroniker: „Den Beruf würde ich um nichts in der Welt wechseln wollen.

Wenn er nicht läuft, dann spielt er gern Theater - zusammen mit seiner Frau in einer privaten Schauspielgruppe. Zurzeit steht Posanz als singender Ritter Rost auf der Bühne. Der Feuerwehrweltmeister bezeichnet sich als zielstrebig. Zielstrebigkeit fordert er auch von seinen Kindern ein: „Wenn sie sich beispielsweise für eine Sportart entschieden haben, dann sollten sie auch dabeibleiben.“ Höchstleistungen müssen Leo und Nele - im Gegensatz zu ihrem Papa - aber nicht bringen: „Hauptsache, es macht ihnen Spaß.“

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