Bilanz des Tourismusverbands

Niedersachsen ist Campingland Nr. 1

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Foto: Das derzeitige gute Wetter stimmt die Experten vom Tourismusverband zuversichtlich, dass auch dieses Jahr die 40-Millionen-Marke geknackt wird.

Hannover - Niedersachsen Tourismusgeschäft brummt wieder: Die Unterkünfte sind zu 90 Prozent ausgebucht. Nach einem problematischem Start will die Branche Boden gut machen. Es sieht gut aus - die Sonne ist da. Letztes Jahr hatte das Bundesland erstmals die 40-Millionen-Besuchermarke geknackt.

Der Tourismus in Niedersachsen setzt nach einem langen Winter und schleppendem Start zur großen Aufholjagd an. Zur Zeit gebe es in manchen Regionen Belegungsraten von über 90 Prozent, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbands Niedersachsen, Sven Ambrosy, am Freitag in Hannover: „Wir sind gut unterwegs in Niedersachsen - allerdings erst seit den letzten drei Wochen.“ „Wenn das Wetter weiter so mitspielt, können wir die guten Vorjahreszahlen erreichen“, so Ambrosy.

Niedersachsen als Deutschlands Campingland Nummer eins hatte im Vorjahr trotz sonnenarmen Sommers erstmals die Marke von mehr als 40 Millionen Übernachtungen geknackt.Ambrosy betonte, dass der Kampf um die Gäste in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und versiegender EU-Fördermittel härter werde. Der niedersächsische Tourismus habe bei der Qualität seines Angebots in allen Segmenten stark aufgeholt. Verbesserungsmöglichkeiten sieht Ambrosy etwa bei der Nutzung des niedersächsischen Weltkultur- oder Weltnaturerbes. Auch das Marketing für einheimische Delikatessen lasse sich stärker als bisher mit touristischen Themen verknüpfen.

Zweisprachigkeit ist Pflicht

Zudem sieht der Verband bei der Werbung im Ausland noch Luft - vor allem in Polen, Dänemark, den Niederlanden oder Großbritannien. Das setze Sprachkenntnisse voraus: „Zweisprachigkeit ist Pflicht im Tourismussektor“, betonte der Verbandschef. Gäste aus dem Ausland stellen heute in Niedersachsen etwa zehn Prozent der Urlauber. Beim Nordsee-Tourismus, wo der Urlauberstrom zu den ostfriesischen Inseln im Vorjahr trotz 5,5 Millionen Übernachtungen einen leichten Rückgang von minus 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhalten hatte, kritisierte Ambrosy die Landespolitik. „Das Land hat über die vergangenen 10, 15 Jahre die Unterhaltung der Wasserrinne suboptimal gestaltet und damit die Erreichbarkeit der Inseln eingeschränkt“, sagt Ambrosy, der auch Landrat im Landkreis Friesland ist. Gerade die autofreien Inseln seien stark von den Gezeiten abhängig. Niedersachsen müsse auf den Trend der älter werdenden Gäste mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit reagieren: „Das Thema Barrierefreiheit wird damit das Hauptthema für den Tourismus, wenn er vom demografischen Wandel profitieren will.“ Auch die Bereitstellung von sogenannten E-Bikes - Fahrrädern mit elektrischen Hilfsmotoren - gehöre dazu.Niedersachsen ist nach Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Deutschlands viertwichtigstes Bundesland. Mit 340.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und einem Brutto-Umsatz von 15 Milliarden Euro gilt der niedersächsische Tourismus als Standortfaktor, Job-Motor und Imageträger. Jede Urlauber-Übernachtung stelle für Niedersachsen einen Wert von 75 Euro dar, erklärte Ambrosy. Er forderte erneut eine Entzerrung der Schulferienzeiten. Es gebe zur Zeit Überschneidungen mit dem Nachbarland Nordrhein-Westfalen, aus dem 60 Prozent der Gäste kämen.

lni

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