Häufung von Diebstählen

In Niedersachsen geht der Gully-Klau um

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Foto: Abwassermeister Daniel Pahlke hat in diesen Tagen viel zu tun.

Hannover - Südostniedersachsen wird heimgesucht von Gullydeckel-Diebstählen. Noch nie zuvor wurden so viele Abdeckungen aus der Straße gerissen und entwendet. Doch wer steckt hinter den Diebstählen? Und warum ausgerechnet Gullydeckel?

Metalldiebe treiben ihr Unwesen in Südostniedersachsen und haben es vornehmlich aufGullydeckel abgesehen. In der Region um Peine wurden am Wochenende 23, im Stadtgebiet Braunschweig 17, im Kreis Wolfenbüttel 18 und in Salzgitter 23 Kanalabdeckungen aus der Straße gerissen und entwendet. Im Kreis Hildesheim waren es allein am Dienstag 41. Zwar seien Diebstähle von metallischen und gusseisernen Gegenständen wie Gullydeckeln keine Seltenheit, eine derartige Häufung gab es in der Region aber noch nie. „Die Ballung der Taten ist auffällig“, sagt Wolfgang Klages, Pressesprecher der Polizeiinspektion Braunschweig. Die Polizei ermittelt wegen Diebstahls und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr.

Die Aufklärung der Diebstähle gestaltet sich schwierig. Die Polizei vermutet, dass die Täter das Diebesgut nach Osteuropa oder Holland verfrachten, wo es Schrotthändlern und Recyclingfirmen zum Kauf angeboten wird. „Schrotthandel wird durch die Rohstoffknappheit immer lukrativer“, sagt Klages. „Die Schwachstelle ist der Weg zum Verwerter. Wir hoffen auf Hinweise.“

Die Täter bevorzugen abgelegene Straßen in kleineren Ortschaften, um ihr Diebesgut brachial aus der Straße zu hieven und zu verladen. In Braunschweig hatten sich die Täter im südlichen Ringgebiet ans Werk gemacht. Die große Gefahr für Verkehrsteilnehmer nehmen sie dabei billigend in Kauf. Gerade für Fußgänger sei es „extrem gefährlich“, bei einem Auto könnte bei einer Fahrt in einen offenen Schacht die Achse brechen. Auf den Kosten für die gestohlenen Abdeckungen bleiben die Kommunen sitzen, die für die Neubeschaffung einesGullydeckels je nach Größe 200 bis 300 Euro einplanen müssen. Der Erlös für das Diebesgut erscheint hingegen eher gering. Der Schrottwert der metallischen Kanalabdeckungen liegt bei 60 bis 70 Euro die Tonne. Ein Deckel wiegt je nach Ausmaß ab 30 Kilogramm aufwärts, das entspricht einem Schrottwert von circa 2 Euro je Deckel.

Überhaupt haben es Metalldiebe derzeit auf alles abgesehen, was nicht niet- und nagelfest ist. Im Stadtgebiet Braunschweig verzeichnet die Polizei beispielsweise einen sprunghaften Anstieg im Bereich der Diebstähle von Wasserhähnen aus Gartenkolonien. In Gandersheim (Landkreis Northeim) wurden jüngst Teile der metallischen Bühnenkonstruktion für die Bad Gandersheimer Domfestspiele entwendet.

Das Landeskriminalamt (LKA) hat bisher keine Ermittlungen aufgenommen. Die Zuständigkeit bei so genannten Buntmetalldiebstählen obliegt weiter bei den jeweiligen Polizeiinspektionen. „Aber wir haben ein Auge drauf“, sagt Nadine Bunzler vom LKA. Das Landeskriminalamt führt eine Statistik, die monatliche Schwankungen erkennen lässt. Demnach sei die „Tendenz sogar eher rückläufig“. Im März 2011 wurden circa 200 Fälle von gestohlenem Buntmetall gemeldet. Darunter fallen auch Gullydeckel.

von Benjamin Gleue

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