Bauarbeiten im Landtag

Das Niedersachsen-Pferd geht durch die Decke

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Der Landtag wird umgebaut - und das Pferd aus Gips muss raus. Weil es nicht durch die Tür passt, soll es durch die Decke herausgeholt werden.

Hannover - Weil es nicht durch die Tür passt, wird das Niedersachsen-Ross aus Gips den alten Plenarsaal des Landtags durch die Decke verlassen. Im Zuge der Umbauarbeiten des Leineschlosses in Hannover wird ein Kran das drei mal drei Meter große und 1,5 Tonnen schwere Landeswappen Ende Oktober aus dem Gebäude heben.

Kein Tier bringt so viel parlamentarischen Stallgeruch mit wie dieses: Seit Jahren ziert das Niedersachsenross die Wand des Plenarsaals im Landtag; die Silhouette des Tieres wurde dort zur Kulisse großer Debatten. Jetzt allerdings soll das Pferd im Zuge der Landtagssanierung umziehen – und das wirft ungeahnte Schwierigkeiten auf: „Das Kunstwerk passt nicht durch die Tür“, sagt Landtagssprecher Kai Sommer. Vor mehr als 50 Jahren goss der Künstler Kurt Schwerdtfeger das rund drei Meter lange Landeswappen direkt im Plenarsaal. Jetzt müssen die Bauarbeiter die Gipsarbeit aus der Wand flexen. „Und Ende Oktober, wenn das Dach abgedeckt ist, kommt dann ein Kran, der es durch die Decke hebt“, sagt Sommer. Das 1,5 Tonnen schwere Pferd soll zunächst im Eingangsbereich des Georg-von-Cölln-Hauses vor der Marktkirche einen Platz finden. Dort wird der Landtag vom 24. September an während der Umbauarbeiten des Plenarsaals tagen. Was jedoch langfristig aus dem Tier wird, ist noch völlig unklar.

„Das Niedersachsenross gehört zur Parlamentsgeschichte, es wäre zu schade, es irgendwo einzumotten“, sagt Landtagssprecher Sommer. An seine angestammte Stelle im Plenarsaal werde es jedoch kaum zurückkehren können: „Aus akustischen Gründen muss die Wand anders gestaltet werden“, sagt Sommer. Wie die Wand des Landtags nach dem 52,8 Millionen teuren Umbau im Sommer 2017 dann aussehen soll, sei noch nicht endgültig geklärt. Das Landeswappen ist das wohl bekannteste Werk des Bildhauers Kurt Schwerdtfeger. Die Arbeiten des Künstlers, der aus der Bauhaus-Tradition kam, waren in der NS-Zeit verfemt und aus den Museen entfernt worden. Nach dem Krieg wurde der gebürtige Pommer Professor an der Pädagogischen Hochschule Alfeld, einer Vorgängerin der Uni Hildesheim. Eine weitere bekannte Tierplastik von Schwerdtfeger ist die „Wildschweingruppe“ in der Fritz-Behrens-Allee, die es mit dem Niedersachsenross jedoch weder an Prominenz noch an Würde aufnehmen kann.

„Das Pferd muss in den umgebauten Landtag integriert werden“, sagt denn auch SPD-Fraktionschefin Johanne Modder: „Wenn nicht im Plenarsaal, dann doch möglicherweise im Foyer.“ Meta Janssen-Kucz von den Grünen sieht das pragmatischer: „Warum soll das Pferd, wenn es einmal umgezogen ist, nicht dauerhaft im Cölln-Haus sein Zuhause finden?“Auch Jens Nacke, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, hegt Sympathie dafür, dem Tier im Cölln-Haus dauerhaft das Gnadenbrot zu geben: „Der neue Plenarsaal braucht ein neues Pferd“, sagt er. „Aber es ist gut, dass das alte nicht in Stücke geschlagen wird – schließlich hat es den Saal über Jahre geprägt.“

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