Geflügelzucht

Niedersachsen rüstet sich gegen Vogelgrippe

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Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Geflügelproduzent in Deutschland.

Hannover - Niedersachsen ist mit gut 100 Millionen Tieren Deutschlands ganz große Nummer in Sachen Geflügel. Jetzt ist auch in den Niederlanden und in Großbritannien die Vogelgrippe ausgebrochen. Die Geflügelhalter im Land sind wachsam.

Nach dem Ausbruch einer hoch ansteckenden Vogelgrippevariante in den Niederlanden sind die niedersächsischen Geflügelhalter gewarnt. „Es ist allerhöchste Vorsicht geboten“, sagte der Geschäftsführer des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes in Oldenburg, Dieter Oltmann. Höchstwahrscheinlich sei der aus Asien stammende Erreger des Typs H5N8 über Wildvögel nach Europa gekommen.

Vor zwei Wochen war die Krankheit in einem Bestand in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen. Auch aus Großbritannien wurde ein Fall von Vogelgrippe gemeldet. Eine generelle Pflicht, die Tiere in die Ställe zu bringen, gebe es in Niedersachsen derzeit nicht. Die Landkreise könnten aber prüfen, ob die Stallpflicht notwendig und daher anzuordnen sei. „Dies sind für mich im Moment in erster Linie die grenznahen Landkreise wegen des regen Tierverkehrs zu Holland und die Küstenregion wegen des Wildvogelflugs“, sagte Oltmann.

Der Vorsitzende des Verbandes, Friedrich-Otto Ripke, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, sein Verband habe diese Landkreise gebeten, eine Stallpflicht für Geflügel zu erlassen. Außerdem sprach sich der Verbandsvorsitzende für ein „Wildgeflügel-Monitoring“ aus. Von Jägern geschossene Gänse oder Enten sollten von Behörden auf Erreger untersucht werden, um die Verbreitung beobachten zu können. „Wir halten Wildgeflügel für potenzielle Überträger der Krankheit. Deren Zug­routen gehen genau über diese Landkreise hinweg“, sagte Ripke. Auch die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern halten eine Verbreitung des Virus über Wildvögel für möglich. In Niedersachsen habe in den vergangenen Jahren insbesondere wegen des Käfigverbots für Hühner die Freilandhaltung von Geflügel zugenommen, sagte Oltmann. Das gelte vor allem für das Emsland und den Weser-Ems-Raum.

Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Geflügelproduzent in Deutschland. Dagegen sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Klaus Jongebloed, das Virus sei bei Wildvögeln bislang noch nicht nachgewiesen worden. Daher sei es aus Sicht des Ministeriums noch nicht bewiesen, dass Wildvögel den Erreger übertragen hätten. Die Krankheit sei in Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden in hermetisch abgeriegelten Mastställen ausgebrochen. Die Niederländer setzten darauf, die Handelsbewegungen zu dem Stall zu untersuchen. Außerdem mussten in dem Betrieb, der 65 Kilometer von Amsterdam entfernt liegt, rund 150.000 Hühner getötet werden.

Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hoch ansteckende Viruserkrankung. Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, sodass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne nicht ausgeschlossen werden, sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren.

Elmar Stephan

Geflügelpest - hochansteckende Viruserkrankung

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen.

dpa

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