In nur vier Jahren

Niedersachsen verliert 80 Apotheken

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Foto: In Niedersachsen ist die Zahl der Apotheken auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen.

Hannover - Die Zahl der Apotheken zwischen Harz und Küste ist auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Wie so oft trifft es vor allem die strukturschwachen Landstriche.

Patienten in Niedersachsens dünn besiedelten Gebieten müssen sich zunehmend Sorgen machen um ihre Apotheke in der Nähe. In Niedersachsen ist die Zahl der Apotheken auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Besonders betroffen ist der ländliche Raum, wo Apotheken in der Regel am Geschäft mit Arztrezepten hängen. Eine Erklärung ist der Bevölkerungs- und Ärzteschwund auf dem Land.

Allein seit Anfang 2009 hat die Apothekenlandschaft zwischen Harz und Küste per saldo 80 Geschäfte verloren, da stets mehr Apotheken dichtmachten als neue eröffneten. Mit Stand Ende März 2013 gab es in Niedersachsen noch 2033 Apotheken - das war zuletzt Ende 1992 so.

Der Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen, Martin Thomsen, sieht eine Abwärtsspirale. „Vor allem in den ländlichen Regionen werden Apotheken geschlossen, aber auch in Stadtrandlagen.“

So macht sich in Hannover das Netto-Minus von 15 Apotheken seit 2009 kaum bemerkbar - es gibt noch immer rund 140 Geschäfte. Doch auf dem Land sei es anders, sagt Thomsen. „Schon die Schließung einer Apotheke in strukturell schwachen Landstrichen wie dem Harz oder in Ostfriesland erschwert die pharmazeutische Betreuung der Patienten erheblich.“ Gerade ältere Menschen seien schließlich kaum mobil.

Da selbstständige, unabhängige Apotheker eine wichtige Funktion für die Gesellschaft erfüllen, will die Politik hohe Marktmacht etwa in Ketten verhindern. Erst seit rund zehn Jahren dürfen Apotheker bis zu drei Filialen im Umkreis besitzen. Das erklärt Teile des Schwunds: Konkurrenzgeschäfte werden gekauft und dann bei Kostendruck womöglich auch wieder geschlossen in der Hoffnung, den Kundenstamm aufzufangen.

Zusätzlich klagt die Zunft über einen teuren Verwaltungsaufwand, der aus Gesundheitsreformen resultiere. Zahlen der Treuhand mit Sitz in Hannover, ein bedeutender Finanzdienstleister für Apotheken, legen sinkende Margen nahe. Demnach bleiben einem typischen Apotheker mit gängigem Jahresumsatz 2012 nach Abzug laufender Kosten, Steuern und Altersvorsorge kaum mehr, als angestellte Apotheker netto verdienen. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich eine Gewinnergruppe absetzt.

Ein weiterer Faktor ist strukturell: Apotheker verdienen selbst an Hunderte Euro teuren Medikamenten nur Bruchteile im einstelligen Prozentbereich. Doch bei Billigarznei wie etwa Magentropfen und dem Zusatzgeschäft mit Cremes oder Kondomen sind die Margen stattlich. Das bevorzugt City-Apotheken mit Laufkundschaft und trifft das Land.

Kritiker wie die Krankenkassen oder auch die Arbeitgeberverbände halten die Klagen der Apotheker für überzogen. Mehr Wettbewerb müsse her, nach Dekaden der fetten Jahre sei die Konsolidierung überfällig.

Von August an greift eine Reform, die die Nacht- und Notdienste lukrativer macht. Das hilft Apotheken auf dem Land, die öfter als die Kollegen in der Stadt Bereitschaft haben. Da klagt sogar die Zunft einmal nicht. „Das ist eine sehr erfreuliche Neuerung“, sagt Thomsen.

dpa

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