Vorstoß des Ministerpräsidenten

Niedersachsen will flexible Ferientermine

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Hannover - Seit Jahren schwelt zwischen den Ländern der Streit über die Terminplanung der Sommerferien. Am Donnerstag soll darüber wieder in Berlin beraten werden. Für Niedersachsen steht fest: Wann die Schüler künftig Ferien machen, soll keinem starren Schema mehr folgen.

Niedersachsen will die Sommerferientermine der Bundesländer entzerren. Dafür will sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag in Berlin bei der Konferenz mit seinen Amtskollegen einsetzen. "Wir haben 90 Tage und die sollen auch weitmöglichst ausgeschöpft werden", sagte Weil am Mittwoch in Hannover. Alle 16 Länder müssten bei der Planung der Ferientermine mehr Flexibilität an den Tag legen. "Hier gibt es keine Erbhöfe, also es gibt keinen Anspruch eines Landes, und sei es Bayern, nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt Sommerferien zu haben."

Tourismusverbände und die Wirtschaft fordern seit Jahren, die Termine zu entzerren. "Das ist eine alte Forderung von uns", sagte die Geschäftsführerin der Weserbergland-Tourismusorganisation, Petra Wegener. "Es wäre gut, wenn nicht alle gleichzeitig in die Ferien fahren." Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband HTV betonte: "Von einer Neuregelung würden vor allem die Feriengebiete an der Küste profitieren. Dort sind die Unterkünfte für einige Wochen überbucht und davor und danach nicht ausgelastet."

Diskutiert wird in Niedersachsen aber auch darüber, ob auch hier an den Schulen Winterferien eingeführt werden sollten. Für den Harztourismus wäre eine generelle Einführung von solchen Ferien wichtiger, wie es sie bisher meist im Februar vor allem in den neuen Ländern gibt, hieß es vom Tourismusverband. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte, Maßstab für die Festlegung der Ferien müsse sein, dass sinnvolle Lernzeiträume entstünden. Pädagogische, familien- und wirtschaftspolitische Aspekte müssten dafür so gut wie möglich unter einen Hut gebracht werden.

Die Industrie- und Handelskammer Nord kritisierte die aktuellen Regelungen scharf. Insgesamt nutzen die Länder in diesem Jahr im Sommer nur einen Gesamtferienzeitraum von 71 Tagen, auch in den kommenden drei Jahren seien die Termine ähnlich dicht gedrängt. Angesichts dieses engen Zeitraums sei mit überfüllten Ferienorten, Staus auf den Straßen und wirtschaftlichen Einbußen für die Tourismusbranche zu rechnen. Die Konzentration der Nachfrage habe außerdem Preissteigerungen zur Folge, die insbesondere Familien mit Kindern belasteten.

Aus Bremen hieß es vom Wirtschaftsressort, der Vorstoß für eine Entzerrung der Sommerferien werde ausdrücklich unterstützt. Eine neue Regelung sei vor allem für den Tourismus sinnvoll, der von einer längeren Hochsaison profitieren könnte.

Dieses Jahr starten die Sommerferien in Deutschland am 7. Juli mit Nordrhein-Westfalen und enden am 15. September mit Bayern. Der Streit über eine optimale Ferienregelung schwelt seit Jahren zwischen den Kultus- und den Wirtschaftsministern. Die Kultusminister legen aus pädagogischen Gründen Wert auf annähernd gleiche Halbjahre und mindestens sechs Wochen Unterricht zwischen zwei Ferienintervallen. Die Wirtschaftsminister wollen mit einem breiteren Ferienkorridor der Tourismuswirtschaft entgegenkommen und Verkehrsengpässe entzerren.

Fakten zu den Sommerferien

Sonne, Strand und Meer - viele Schüler sehnen die Sommerferien herbei. In Nordrhein-Westfalen müssen sie nicht einmal mehr vier Monate warten, in anderen Bundesländern dauert es ein wenig länger. Weitere Zahlen rund um die Sommerferien:

- Rund sechs Wochen dauern die Sommerferien normalerweise in jedem Bundesland.

- 71 Tage dauern die Sommerferien in diesem Jahr über alle Bundesländer hinweg gesehen. (7. Juli: Ferienstart in Nordrhein-Westfalen; 15. September: Ferienende in Bayern).

- Jeder Tag, um den sich dieser Korridor verkürzt, kostet die Tourismus-Branche in Deutschland nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands zwischen 30 und 120 Millionen Euro Umsatz.

- Im Sommer 2013 gab es laut ADAC auf den deutschen Autobahnen gut 850 Staus ab 10 Kilometern Länge. Zusammengerechnet steckte der Verkehr auf einer Strecke von fast 11 000 Kilometern fest.

- Fast 100 Millionen Übernachtungen verzeichneten die deutschen Hoteliers, Pensions- und Gästehausbesitzer laut Statistischem Bundesamt im Juli und August 2013. Das war ein Anstieg von mehr als 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

dpa

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