Verordnung geplant

Niedersachsen will Vorreiter beim Katzenschutz werden

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Viele Katze landen in den Tierheimen.

Hannover - Was den Schutz von Katzen angeht, ist Deutschland aus Angie Heuers Sicht ein Entwicklungsland. Während die Hundehaltung gesetzlich geregelt sei, gebe es für Katzen keine Vorschriften, kritisiert die Tierschützerin aus Celle. Niedersachsen will nun Abhilfe schaffen.

Rund 20 meist kranke, ausgesetzte Katzen betreut die 46-Jährige zur Zeit, darunter ist die angeschossene „Brigitta“, die sich nur mit einem kleinen Rollstuhl fortbewegen kann. Angie Heuer appelliert wie viele Tierschützer an die Politik, sich endlich um die wachsende Zahl an streunenden Katzen zu kümmern.

Rund acht Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, etwa weitere zwei Millionen sind nach Schätzungen verwildert. Die herrenlosen Tiere können Krankheiten übertragen und Singvögel töten. Vielerorts in Niedersachsen sind die Tierheime mit schwer vermittelbaren Streunern überfüllt. Etliche Gemeinden schreiben inzwischen den Besitzern vor, ihre Katzen kastrieren und kennzeichnen zu lassen. Damit soll verhindert werden, dass sie sich mit verwilderten Tieren paaren und vermehren.

Der neuen niedersächsischen Landesregierung ist der Katzenschutz sogar einen Absatz im Koalitionsvertrag wert. Darin heißt es: „Die rot-grüne Koalition will eine Landesverordnung zur Katzenkastration einführen, sobald das Tierschutzgesetz des Bundes dieses zulässt.“

In die geplante Verordnung sollen Ergebnisse eines Pilotprojekts einfließen, das noch von CDU und FDP auf den Weg gebracht wurde. Die Tierschutzvereine im Land erhalten 100.000 Euro für zwei Jahre, um freilebende Katzen einzufangen und kastrieren zu lassen. 50.000 Euro werden bis zum Jahresende zunächst für Aktionen in den Regionen Ammerland, Ostfriesland und Wesermarsch verwendet, wo besonders viele Streuner herumstreifen.

Die Vorsitzende des Landesverbands des Tierschutzbundes, Vera Steder, verspricht sich von Rot-Grün ein größeres Engagement für Tiere in Niedersachsen. Eine landesweite Katzenschutzverordnung wäre das richtige Signal, sagt Steder. „Da werden wir drängen, dass das Versprechen auch eingehalten wird.“

Die Tierrechtsorganisation Peta appellierte am Donnerstag an alle Bundesländer, die Einführung einer Kastrations- und Registrierpflicht für Freigänger-Katzen in Privathaushalten vorzubereiten. Bremen hat bereits eine solche Verordnung. Paderborn hatte 2008 als erste deutsche Stadt ein Kastrationsgebot für Katzen eingeführt. 2010 folgte Delmenhorst als erste niedersächsische Kommune, mittlerweile haben landesweit mehr als 150 Städte nachgezogen, laut Tierschutzbund so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Viele verwilderte Katzen werden von Jägern erschossen, von Tierquälern vergiftet oder von Autos überfahren. Andere überleben nur, weil Katzenfreunde Futterplätze einrichten. „In Hannover machen das viele engagierte Bürger seit Jahrzehnten. Doch diese Leute werden alt und können sich nicht mehr so kümmern. Es muss etwas geschehen“, sagt Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover und Umgebung.

dpa

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