Nils Anhuth

Niedersachsens jüngster Bürgermeister

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„Ich freue mich auf die zukünftige Arbeit“: Nils Anhuth will als Bürgermeister den Tourismus in seiner Heimatgemeinde Barßel ausbauen.

Barßel - Er ist erst 28 - und damit der jüngste Bürgermeister Niedersachsens. Und noch etwas besonderes hat Nils Anhuth am vergangenen Sonntag erreicht: Er übernahm als Sozialdemokrat eine CDU-Hochburg.

Wenn der 28-jährige Politikwissenschaftler und Sozialdemokrat Nils Anhuth am 1. November 2014 sein neues Amt als hauptamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde Barßel (Landkreis Cloppenburg) antritt, wird er nach Angaben von Landeswahlleiterin Ulrike Sachs nicht nur der jüngste kommunale Verwaltungschef in Niedersachsen sein. Er wird zudem in die Geschichte eingehen, weil es ihm als erster SPD-Kommunalpolitiker gelungen ist, die Phalanx der CDU in seiner Heimatgemeinde aufzubrechen. Schließlich stellte die Union hier mit dem ehemaligen Landespolitiker und politischem Schwergewicht Hans Eveslage (67) von 1976 bis 1994 den Bürgermeister. Nur in den vergangenen acht Jahren war mit Bernd Schulte ein parteiloser Bewerber Bürgermeister, der allerdings nicht wieder kandidierte.

Traditionell zählt die Gemeinde Barßel zu den Hochburgen der CDU im katholischen Südoldenburg. Traditionell stellt die CDU dort auch den Bürgermeister, gewinnt haushoch Bundestags- oder Landtagswahlen. Auch bei der Europawahl blieben die Barßeler Wähler am Sonntag ihrer konservativen Grundhaltung treu: 51,28 Prozent gab es für die CDU, nur 29,44 Prozent für die SPD. Da fiel der deutliche Wahlsieg von Anhuth aus dem Rahmen.

Geschuldet ist dessen gutes Ergebnis wohl auch dem Umstand, dass den Christdemokraten in Barßel kurzfristig der Kandidat abhanden gekommen war: Der Polizeibeamte Ludger Elsen (52) hatte vor gut vier Wochen das Handtuch geworfen, nachdem ein anonymer Schmähbrief gegen ihn bei seiner örtlichen Parteivorsitzenden eingegangen war. Weil alle Fristen längst abgelaufen waren, durfte die Union in Barßel keinen neuen Bewerber nominieren. Auch die Stimmzettel waren schon gedruckt. Das führte zu dem kuriosen Umstand, dass die Bürger nur auf dem Papier die Wahl hatten zwischen Anhuth und Elsen. Allerdings war Nils Anhuth einziger ernst zu nehmender Bewerber.

Am Ende war es deshalb eine klare Sache für den jungen Kandidaten von der SPD: Anhuth erzielte am Sonntag 55,61 Prozent der Stimmen. Ludger Elsen kam auf 44,38 Prozent. Damit blieb die letzte Hoffnung der CDU eine Illusion. Die Partei hatte in den vergangenen Wochen um das Kreuz auf dem Stimmzettel für Elsen geworben, obwohl der Kandidat bereits vor Wochen den Verzicht auf einen Amtsantritt angekündigt hatte. Die Union setzte auf den unwahrscheinlichen Fall eines Elsen-Wahlsieges. Denn nur dann wäre ein neuer Wahltermin mit einem neuen CDU-Kandidaten möglich gewesen.

Nun muss der junge Anhuth ins kalte Wasser springen. Erst vor einem Jahr hat er an der Universität Bremen sein Masterstudium der Politikwissenschaften abgeschlossen. Seit der letzten Bundestagswahl leitet er das Wahlkreisbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Markus Paschke in Leer (Ostfriesland). In der Kommunalpolitik tummelt sich der 28-Jährige allerdings schon seit einigen Jahren. Mit 18 wurde er SPD-Mitglied. Mit 20 zog er in den Rat seiner Heimatgemeinde ein. Derzeit ist er in Barßel der Vorsitzende des 28-köpfigen Gemeinderates.

Seine kommunalpolitischen Ziele hat der jüngste Bürgermeister im Lande längst formuliert. Zwar setzt er eigene Akzente, macht aber nicht mit spektakulären Projekten auf sich aufmerksam und ignoriert den Mainstream. So will er etwa das Hallenbad sanieren, aber nicht mit Millionenaufwand zu einem teuren Spaßbad umbauen, wie es vielerorts geschieht. Der Neue bleibt bodennah: „Ich freue mich auf die zukünftige Arbeit.“

Von Heinz-Josef Laing

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