Lieferschwierigkeiten

Niedersachsens Kliniken fehlen Medikamente

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Foto: Immer mehr Arzneimittelhersteller räumen Engpässe bei der Lieferung ein.

Hannover - In deutschen Krankenhäusern häufen sich die Engpässe bei der Versorgung mit Arzneimitteln. Die Hersteller können die Krankenhäuser nicht mit allen benötigten Medikamenten beliefern.

Vor allem bei Krebsmitteln und Antibiotika gibt es nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) immer wieder Lieferprobleme. Dies bestätigen auch Kliniken in Niedersachsen. „Die Patienten konnten bisher immer noch versorgt werden, aber die Lage eskaliert langsam“, sagt Manfred Kühne, Leiter der Apotheke im Klinikum Lüneburg.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat in einer Erhebung in 100 Kliniken festgestellt, dass in einem Monat 25 Arzneimittel gar nicht oder nur in zu geringen Mengen zur Verfügung standen. Das entspricht vier bis sechs Prozent der insgesamt an Kliniken eingesetzten Arzneimittel. Die Engpässe hätten ein bedrohliches Ausmaß angenommen, berichtet Apothekenleiter Kühne. Im Klinikum Lüneburg seien von rund 8000 Bestellungen in diesem Jahr 670 nicht rechtzeitig oder gar nicht geliefert worden. Darunter waren auch ein sehr wichtiges Krebsmittel und ein Antibiotikum.

Auch an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und beim Klinikum Hannover ist man besorgt. „Die Lieferschwierigkeiten betreffen das gesamte Arzneimittelspektrum und alle Hersteller“, sagt der Leiter der Apotheke am Klinikum Hannover, Thomas Vorwerk. Die Leiterin der MHH-Klinikapotheke, Heike Alz, berichtet, dass Medikamente oft nicht rechtzeitig oder nur in Teilmengen erhältlich seien. Zwar gebe es für die meisten Mittel Alternativen, doch die Beschaffung der Präparate bei anderen Herstellern koste viel Zeit, und die Umstellung der Patienten könne den Therapieerfolg mindern. Die Kliniken behelfen sich mit größeren Vorräten, sie weichen auf andere Hersteller aus oder schließen möglichst langfristige Lieferverträge mit Pharmafirmen ab.

Die Arzneimittelhersteller räumen die Lieferprobleme ein und machen den Kostendruck dafür verantwortlich, wie sie in einem aktuellen Brief an die Gesundheitspolitiker schreiben. Die Ursachen seien vielschichtig, sagt hingegen der Lüneburger Apothekenleiter Kühne. Die Hersteller hätten die Produktion von Wirkstoffen in Billiglohnländer wie China und Indien verlagert. Dort komme es häufiger zu Qualitätsproblemen. Aufgrund der großen Entfernungen gebe es Brüche in der Lieferkette, in Deutschland wiederum nähmen die Hamsterkäufe zu, was den Markt noch mehr verknappe. Und schließlich hätten die Rabattverträge der Krankenkassen dazu geführt, dass bestimmte Medikamente oft nur noch von einem Hersteller angeboten würden, weil es sich für die anderen nicht mehr lohne.

Kühne und seine Kollegen sehen die Politik gefordert. Sie müsse Verlässlichkeit bei der Arzneimittelversorgung sicherstellen, etwa indem Teile der Produktion nach Europa zurückgeholt würden. „Wir sind in eine Abhängigkeit geraten, die nicht gut ist“, kritisiert Kühne.

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