Zwischen Heide und Panzern

Niedersachsens letzte Birkhühner

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Foto: Rund 200 Birkhühner leben in der Lüneburger Heide.

Hannover - In den fünfziger Jahren gab es in Norddeutschland noch Zehntausende Birkhühner. Übrig geblieben sind heute rund 200 Tiere in der Lüneburger Heide. Zwischen Panzern und Schießbahnen kämpfen sie um ihren Platz in der Natur.

Einst lieferten sich Birkhähne an vielen Orten in Norddeutschland packende Balzkämpfe - heute erklingen ihre Werberufe im Norden nur noch in der Lüneburger Heide. Etwa 200 Birkhühner haben zwischen Panzern, Schießbahn und Heidekraut eine Zuflucht gefunden. Naturschützer und Wissenschaftler kämpfen um den Erhalt des fragilen Bestands - und sind vorsichtig optimistisch.

„Das Birkhuhn ist ein typischer Besiedler von Übergangsbereichen“, sagt Knut Sandkühler von der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. „Das Tier braucht seichte Übergänge, Waldränder, Offenland und Büsche. In der Heide sind solche Strukturen noch ganz gut ausgebildet.“

In den fünfziger Jahren gab es in Niedersachsen und Schleswig-Holstein noch Zehntausende Birkhühner, wie Gernot Segelbacher, Professor für Wildtierökologie an der Uni Freiburg, berichtet. Übrig geblieben sind heute nur die Tiere in der Lüneburger Heide. Außerdem gebe es noch Birkhühner in den Alpen und ein paar wenige in der Rhön. Insgesamt leben in Deutschland schätzungsweise 1000 bis 2000 Tiere, sagt Wildtierexperte Segelbacher. Größer seien hingegen die Bestände in Österreich, der Schweiz und Skandinavien. „Für die Art selber besteht kein Aussterberisiko. Aber in Deutschland ist sie bedroht.“

Die Lüneburger Birkhühner verteilen sich auf mehrere Gebiete. Sie leben beispielsweise auf den Truppenübungsplätzen in Munster und an der Schießbahn Rhein-Metall. Seit fast 20 Jahren erfasst der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz regelmäßig den Bestand. „Der langfristige Trend ist leicht positiv“, sagt Sandkühler. „Die Population kann sich einigermaßen aus sich heraus erhalten.“

Auch der Freiburger Experte Segelbacher räumt den Tieren in der Heide gute Chancen zum Überleben ein. „Außerhalb der Alpen ist dies das einzige Gebiet, wo das Birkhuhn eine Chance hat.“ Voraussetzung sei, dass die Lebensräume erhalten blieben. Zudem müssten Korridore für die Vernetzung zwischen den Gebieten sorgen.

Egbert Strauß von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover hält die begleitende Forschung dabei für zwingend notwendig. Die Schlüsselfaktoren für Verluste müssten genau ermittelt werden. Und Stefan Wormanns von der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide sagt: „Die Lebensräume werden stetig verbessert. Aber das alleine führt leider nicht dazu, dass die Zahlen steil bergauf gehen.“

Die Jagd auf Beutegreifer wie Fuchs und Mader soll den Birkhuhnbestand stärken. So mancher Habicht werde gefangen und an einen Falkner abgegeben, sagt Egbert Strauß. Auch die Vernetzung der Gebiete wird vorangetrieben.

Auswilderungsversuchen stehen die Experten aber skeptisch gegenüber. Um eine Chance zu haben, seien mindestens 100 Tiere und 5000 Hektar Fläche notwendig, sagt Gernot Segelbacher. „Alle derartigen Projekte in Mitteleuropa waren erfolglos. Auch wenn die Lebensräume paradiesisch waren.“

lni

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