Tag der offenen Tür

Niedersächsische Revolte beim Bundesrat

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Der Gastgeber ließ unbefugt die Landesflagge aufstellen.

Berlin - Beim Tag der offenen Tür des Bundesrates in Berlin leistete sich Niedersachsen einen kleinen Verstoß gegen das Protokoll. Der Gastgeber ließ unbefugt die Landesflagge aufstellen.

Die Revolte fand im Saale statt und beendet war sie auch schon wieder, bevor die Obrigkeit überhaupt etwas davon mitbekommen hat. Im ehemaligen Preußischen Herrenhaus in Berlin, wo in diesen demokratischen Zeiten der Deutsche Bundesrat zusammenkommt, feiert sich die Länderkammer einmal im Jahr selbst, wobei stets jenes Bundesland als Gastgeber auftritt, das gerade den Vorsitz führt. Das kommt nach dem Gesetz der Zahl nur alle 16 Jahre vor für jedes Land, weshalb Niedersachsen sich am Sonnabend besondere Mühe geben wollte, alles richtig zu machen und das Volk, den Souverän, zufriedenzustellen.

Nun sollte es aber auch schön niedersächsisch aussehen im repräsentativen Bau an der Leipziger Straße in Berlin, weshalb die Niedersachsen auf den naheliegenden Gedanken kamen, das Gestell mit der Europafahne und der Bundesflagge in der Empfangshalle ein wenig aufzuhübschen mit dem springenden Pferd auf rotem Tuch.

Ein dritter Ständer ist tatsächlich vorhanden, darf aber nur von den Hoheitszeichen ganz wichtiger Länder bestückt werden. Also quasi vom Sternenbanner aufwärts. Bevor das Protokoll nun vor Aufregung Schnappatmung bekam, flaggten die Niedersachsen wieder ab und beschränkten sich darauf, mit Jugendchören aus Springe, Hannover und Braunschweig, einer Big Band aus Berenbostel und natürlich mit Ministerpräsident Stephan Weil den bestmöglichen Eindruck beim hauptstädtischen Publikum zu erzielen. Im schönen Innenhof präsentierte ein großes Automobilwerk aus Wolfsburg ein landestypisches Produkt. Der Golf wurde da tatsächlich als „echter Niedersachse“ angepriesen und vom Publikum gebührend bestaunt.

Drinnen im Plenarsaal, in dem für gewöhnlich der Kammerton gepflegt wird, also nicht geklatscht und nicht gejohlt wird wie im Bundestag, versammelten sich erstaunlich fachkundige Bürger zu verschiedenen Frage- und Diskussionsrunden mit Kabinettsmitgliedern aus Hannover. Im hellen Sommeranzug stand auch der Ministerpräsident Rede und Antwort.

Womöglich wird auch er sich gewundert haben, mit wie viel Sachkunde die Bürger nach dem Länderfinanzausgleich, nach den Umständlichkeiten zwischen den Ländern in der Bildungspolitik und nach der Zukunft des Solidaritätszuschlages fragten. Der Mann ist routiniert genug, solche Fragenaus dem Handgelenk zu beantworten, aber auch so charmant, eine Dame mit dem Hinweis erröten zu lassen: „Sie sitzen übrigens auf meinem Platz.“

Nun muss Niedersachsen also wieder 16 Jahre warten, um am gleichen Ort auf diese Weise sein Verständnis von Föderalismus darlegen zu können. Weil gab, bevor er im Garten die landestypischen Dinge bewundern ging, noch ein politisch-protokollarisches Bekenntnis ab: „Die Atmosphäre im Saal war recht munter. Könnt’ ich mich dran gewöhnen.“

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