Bürger diskutieren

Noch eine Alternative zur Y-Trasse

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Der Güterverkehr wird in den kommenden Jahren noch stark wachsen.

Hannover - Weil der Güterverkehr wächst, droht dem norddeutschen Schienennetz die Überlastung. Aus- und Neubauvarianten von Strecken wie die Y-Trasse von Hannover in Richtung Hamburg und Bremen sind umstritten und sollen in einem Bürgerbeteiligungsverfahren diskutiert werden.

Nun hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf einem Bahnkongress in Hannover ein weiteres Konzept für eine Trasse vorgelegt. Die Strecke, die der ehemalige Ministerialrat Rudolf Breimeier entworfen hat, würde von Bremerhaven aus über Bremervörde, Hamburg-Harburg, Lüneburg, Dannenberg, Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) bis nach Wittenberge (Brandenburg) verlaufen. Teile der Strecke – etwa zwischen Dannenberg und Dömitz – müssten neu gebaut werden. Große Teile der Trasse gebe es aber bereits und müssten nur ausgebaut werden, sagte Gutachter Carsten Hein, der die Trasse für den VCD berechnet hat. In Wittenberge würde die Trasse auf den sogenannten Ostkorridor treffen, eine bereits bestehende Güterverkehrstrecke über Magdeburg und das Gebiet der ehemaligen DDR bis nach Regensburg.

Breimeiers Trasse ist vor allem für Container aus den Seehäfen gedacht, die nach Mittel- und Osteuropa transportiert werden sollen. Wenn diese über den Ostkorridor gingen, würde nicht nur das niedersächsische Streckennetz, sondern auch der Großraum Hannover stark entlastet, der sonst ein Nadelöhr im System sei. Breimeier zufolge kämen aus Bremen 32 Prozent der angelandeten Container, aus Hamburg 50 bis 60 Prozent dafür infrage. Hein schätzt die Kosten für die neue Trasse auf 1,98 Milliarden Euro. Das liegt über den vermuteten Kosten für den Ausbau der Amerika-Linie von Langwedel über Uelzen nach Stendal (1,4 Milliarden Euro), aber unter den geschätzten Kosten für den Bau der Y-Trasse (2,5 Milliarden Euro). Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies reagierte zurückhaltend: Der Vorschlag werde von der Bahn geprüft, es dürften aber nicht ständig neue Alternativen eingebracht werden. „Wir müssen verhindern, dass die Variantendebatte dazu genutzt wird, den Ausbau zu verhindern.“ Ganz ohne Streit werde es ohnehin nicht gehen. „Man wird nie eine Strecke finden, bei der es keine Gegner gibt“, sagte Lies.

Regionalzüge werden in Niedersachsen immer beliebter: Zwischen 2008 und 2013 ist die von Fahrgästen zurückgelegte Strecke hier um 32 Prozent gestiegen, hat eine Befragung der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) ergeben. Der Zuwachs liege damit dreimal höher als im Bundesdurchschnitt.

Von Heiko Randermann

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