Fregatte „Niedersachsen“

Noch einmal auf große Fahrt

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Foto: „Eine ältere Dame, aber gut in Schuss“: Die Fregatte „Niedersachsen“ läuft am Montag zum letzten Mal aus.

Wilhelmshaven - Altersbeschwerden? Von wegen. Die Fregatte „Niedersachsen“ läuft an diesem Montag das letzte Mal zum Anti-Piraterie-Einsatz am Horn von Afrika aus.

Aktuell ist die „Niedersachsen“ voll aufgerüstet und gut besetzt. 210 Männer und 15 Frauen hat Kommandant Kurt Leonards an seiner Seite. Für den Einsatz wurden ein Pfarrer, eine Facharztgruppe, Dolmetscher, ein Rechtsberater und ein Boardingteam zusätzlich in die Besatzung integriert. „Alle sind bestens vorbereitet und gehen die Sache hochmotiviert an“, sagt Fregattenkapitän Leonards. Das Schiff sei „zwar ein ältere Dame, aber gut in Schuss“. Dass von Altersbeschwerden so gut wie nichts zu sehen ist, liegt auch daran, dass die Fregatte mit erheblichem Aufwand fit gemacht wurde für die Herausforderungen, die im Indischen Ozean zu bewältigen sein werden. Die für die Piratenbekämpfung notwendigen Waffen, zum Beispiel schwere Maschinengewehre, das Marineleichtgeschütz und die 76-Millimeter-Kanone, sind so positioniert und zusätzlich geschützt, dass sie Ziele auch unmittelbar neben der Fregatte bekämpfen können.

Ob die Waffen und die beiden Bordhubschrauber in den kommenden fünf Monaten tatsächlich gegen Seeräuber eingesetzt werden, darf bezweifelt werden. „Die Piraterie vor Somalia hat deutlich nachgelassen“, sagt Leonards. Bis zu 36 Schiffe seien in früheren Jahren gekapert worden, inzwischen seien es nur noch zwei. Aktuell befinde sich nur noch ein einziges Schiff in der Gewalt der somalischen Piraten. Experten nennen mehrere Gründe für den Erfolg des internationalen Einsatzes am Horn von Afrika und im Golf von Aden: Viele Handelsschiffe sind jetzt besser gegen Angriffe geschützt und haben auch Sicherheitsteams an Bord, zudem hält die Präsenz der Kriegsschiffe die Seeräuber davon ab, Frachter oder Tanker anzugreifen.

Und was passiert, wenn die „Niedersachsen“ doch einmal auf Piraten trifft? „Wenn die Leute uns bemerken, werfen sie meist sehr schnell ihre Waffen ins Meer und ergeben sich“, sagt Leonards. Anschließend werden die Piraten an Bord genommen, erkennungsdienstlich behandelt, befragt und auf die Seychellen gebracht, damit sie dort vor ein Gericht gestellt werden, „allerdings nur dann, wenn Interesse an einer Strafverfolgung besteht“, schränkt der Kommandant ein. Weil das oft nicht der Fall ist, kommt es immer wieder vor, dass die Festgenommenen nach ein paar Tagen an der Küste Somalias freigelassen werden.

Die Fregatte „Niedersachsen“ wird in knapp zwei Wochen im Einsatzgebiet eintreffen und die Fregatte „Augsburg“ ablösen. Von Dschibuti aus soll Leonards mit seinem Schiff vor allem Nahrungsmittellieferungen des Welternährungsprogramms nach Somalia begleiten und schützen. Es sind aber auch andere Operationen im Indischen Ozean denkbar. So werden die Häfen von Salalah im Oman und Daressalam in Tansania angesteuert. Im Oktober ist eine kurze Auszeit vorgesehen, dann macht die „Niedersachsen“ im Port Victoria auf den Seychellen fest, damit sich die Besatzungsmitglieder mit ihren Familien treffen oder für einen Kurzurlaub nach Deutschland fliegen können.

Aber auch während der oft langen Zeiten auf See dürfte bei den Männern und Frauen keine Langeweile aufkommen. Viele neue Fitnessgeräte wurden an Bord installiert, zum Teil finanziert von der Sparkasse Göttingen. Neu für die Besatzung ist auch die modernisierte IT-Technik. Sie ermöglicht es, von See aus nach Hause zu telefonieren. Generell hat jeder an Bord das Recht, pro Woche eine halbe Stunde lang kostenfrei mit Angehörigen in Deutschland zu sprechen. Fragt man heute nach der Stimmung auf dem Schiff, so ähneln sich die Antworten: „Wir wollen den Erfolg der Operation Atalanta fortsetzen und sind sicher, dass uns das gelingt“, heißt es immer wieder.

Gute Reise

Seit die Fregatte „Niedersachsen“ am 9. Juni 1981 von Heidi-Adele Albrecht in Bremen getauft wurde, pflegt das Land eine enge Patenschaft mit der Besatzung des Schiffes. Es gab sogar eine Kabinettssitzung an Bord, für die Besatzung wurden immer wieder Empfänge im Landtag und an den Tagen der Niedersachsen organisiert. Heute fährt Innenminister Boris Pistorius nach Wilhelmshaven, um gute Reise zu wünschen. Er kommt nicht mit leeren Händen.

Für alle Messen auf der „Niedersachsen“ hat er Spezialitäten im Gepäck, geliefert von den kulinarischen Botschaftern des Landes. Dem Kommandanten wird der Minister ein weißes Niedersachsen-Pferd aus Fürstenberger Porzellan übergeben. „Das macht sich gut als Tischdekoration bei Treffen mit internationalen Gästen“, heißt es im Innenministerium.

Etwa acht von zehn Besatzungsmitgliedern waren schon mindestens einmal in einem vergleichbaren Einsatz und wissen, was sie vor Somalia erwartet. Das Team sei gut vorbereitet, sagt Oberleutnant Lydia Knaak, „alle ziehen am gleichen Tampen“. Und wenn der Abschied am Wochenende auch vielen schwerfiel, alle wissen, dass sie noch vor Weihnachten, am 20. Dezember, wieder in Wilhelmshaven einlaufen sollen.

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