Leben vor 200.000 Jahren in der Tiefebene

Als noch Elefanten und Nashörner in Norddeutschland lebten

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Eine Mitarbeiterin des Museum betrachtet eine 3,8 Meter hohen Nachbildung eines Altelefanten die Teil der Ausstellung „Elefantenreich - Eine Fossilwelt in Europa“ ist.

Braunschweig - Riesige Elefanten, Löwen, Nashörner und Hyänen lebten vor 200 000 Jahren auch in der norddeutschen Tiefebene. Das Leben damals zeigt jetzt eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Braunschweig. Für die Inszenierung wurde sogar echter Elefantenkot herangeschafft.

Mit einer Schulterhöhe von fast vier Metern ist der Altelefant nicht zu übersehen: Mit erhobenem Rüssel begrüßt die Nachbildung eines Exemplars der inzwischen ausgestorbenen Tierart die Besucher im Naturhistorischen Museum in Braunschweig. „Bis zu zehn Tonnen hat so ein Altelefant gewogen, das ist doppelt so viel wie ein heutiger Elefant auf die Waage bringt“, sagt Museumsdirektor Ulrich Joger. Das Modell des gigantischen Rüsseltieres ist das größte Exponat der Schau „Elefantenreich - Eine Fossilwelt in Europa“, die von Samstag an über das Leben vor 200 000 Jahren in Mitteleuropa informieren will.

Vom Skelett des Elefanten über Pflanzen- und Insektenreste bis hin zum Werkzeug der Vor-Neandertaler reichen die Exponate, die bis zum 10. März kommenden Jahres in einer ehemaligen Industriehalle gegenüber dem Museum ausgestellt sind. Die meisten der mehr als 900 Exponate kamen 1985 im Braunkohletagebau Neumark in Sachsen-Anhalt wieder ans Tageslicht. Mehr als 1350 Knochen von rund 70 der mächtigen Elefanten entdeckten die Paläontologen dort. „Das wird ein Elefantenfriedhof gewesen sein“, vermutet der Museumsdirektor.

Die alten Tiere, deren Zähne so abgenutzt waren, dass sie keine harten Gräser mehr fressen konnten, seien vermutlich zum Sterben an den See gekommen. „Hier konnten sie sich noch eine kurze Zeit von weicheren Wasserpflanzen ernähren, bevor sie starben“, sagt der Paläontologe.

Die Reste von rund 200 Pflanzenarten beweisen nach Ansicht des Experten, dass vor 200 000 Jahren in Norddeutschland ein Klima wie heute in Ungarn geherrscht haben muss. Auf einer Fläche von mehr 100 Quadratmetern haben die Braunschweiger Ausstellungsmacher die damalige Landschaft nachgestellt. Ein Löwe, eine Hyäne, ein Schwan und ein Reh stehen in der Waldsteppe - aus dem Zoo Hannover hat Joger für die Inszenierung sogar Elefantenkot herangeschafft.

Während Elefanten, Löwen und andere Tierarten im Laufe ihrer Evolution kleiner geworden sind, haben sich Mäuse, Schnecken oder auch Enten seit 200 000 Jahren nicht verändert, auch das beweisen die Funde. „Die Botschaft heißt also:Auch heute könnten Elefanten und Nashörner in Mitteleuropa leben“, sagt der Museumsleiter. In einer Kaltperiode seien sie gen Süden gezogen und dort ausgestorben, möglicherweise von Menschen ausgerottet.

In Mitteleuropa lebten damals vermutlich nicht mehr als 100 000 Menschen - vermutlich sahen sie schon so ähnlich aus wie die, die rund 100 000 Jahre früher in Schöningen 35 Kilometer östlich von Braunschweig mit den Speeren auf Pferdejagd ging. Eine Kopie einer der berühmten Schöninger Speere, die als die ältesten Jagdwaffen der Menschheit gelten, ist ebenfalls ausgestellt.

Nach Halle, dort wurde die Schau konzipiert, Berlin und Bonn ist Braunschweig die letzte Station der Ausstellung. Die Exponate werden dann zurück an Museen in Wien, Berlin und andere Orte gegeben.

dpa

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