Wann Muslime am Polarkreis essen dürfen

Norwegen löst sein Ramadan-Rätsel

+

- Am Sonnabend beginnt für Muslime der Fastenmonat Ramadan: Essen und Trinken ist für Muslime nur erlaubt, wenn die Sonne nicht am Himmel steht. Was aber tun, wenn sie überhaupt nie verschwindet?

Ein Problem des Islam wird dieser Tage in Tromsø diskutiert. Nun gilt die nördlichste Großstadt Skandinaviens nicht eben als Zentrum muslimischen Glaubens, ist aber Schauplatz eines Konflikts, der dann doch den gesamten Islam betrifft. Der Grund: In Tromsø wird es derzeit einfach nicht dunkel. Während Urlauber von der Mitternachtssonne schwärmen und viele Norweger sich über mehr Zeit zum Angeln und Kajakfahren freuen, stellt dieses Phänomen die rund 1000 Muslime in der Umgebung vor echte Schwierigkeiten. Am Sonnabend beginnt der Fastenmonat Ramadan – und das heißt: Essen und Trinken ist nur erlaubt, wenn die Sonne nicht am Himmel steht. Was aber tun, wenn sie überhaupt nie verschwindet?

„Ich habe noch nie von einem Muslim gehört, der versucht hat, 24 Stunden am Tag zu fasten“, sagt Religionsforscher Åke Sander von der schwedischen Universität Göteborg. „Ohne Nahrung könnte man vielleicht so lange überleben. Ohne Wasser niemals.“ Um ihren Glauben praktizieren zu können, müssen sich die Muslime hoch oben im Norden anders behelfen. Aber wie? Wann Ramadan ist, bestimmt der islamische Mondkalender. Da der nur 354 Tage dauert, verschiebt sich der Start der Fastenzeit jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn – derzeit also in die hellen Mittsommernächte hinein. Die norwegischen Muslime stehen somit vor der Frage, wie sie sich in der Helligkeit religionskonform verhalten können.

Eine Möglichkeit wäre, zu verreisen, möglichst in ein islamisch geprägtes Land mit langen Nächten. Dubai etwa lockt während des Ramadan mit erstaunlichen Rabatten. Da nicht jeder nordnorwegische Muslim vier Wochen lang abkömmlich ist, musste eine Regelung her. Diese Aufgabe hat den Generalsekretär des Islamischen Rats in Norwegen auf den Plan gerufen. Mehtab Afsar reiste also gen Norden, um seinen Glaubensbrüdern und -schwestern bei der Suche nach einem Weg durch die kargen Wochen beizustehen. Sein Rat fällt verblüffend pragmatisch aus: „Die Muslime in Tromsø werden sich einfach an Mekka orientieren“, sagt Afsar. Soll heißen: Wenn in Mekka die Sonne untergeht, ist in Tromsø Essenszeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare