Wettbewerb „Frankfurt schreibt“

„Null Fehler gibt es nicht“

„Handy aus, Hefte raus, wir schreiben ein Diktat“: In den vergangenen Jahren blieben hessische Schüler bei „Frankfurt schreibt“ unter sich. Nun sind auch Osnabrücker dabei.

Osnabrück - Donnerstagabend wollen rund 100 Osnabrücker Schüler, Lehrer, Eltern und weitere Menschen aus der Stadtgesellschaft beweisen, wie gut sie die deutsche Rechtschreibung beherrschen. Die Besten fahren am 5. Mai nach Hessen und treffen beim Wettbewerb „Frankfurt schreibt“ auf andere Orthografie-Cracks.

Wer Rhododendren gerne mag und prophylaktisch ab und zu mal ins Portemonnaie schaut, ob er sich am Abend vom übrig gebliebenen Entgelt ein Damhirschfilet leisten kann, dem wird sicherlich auch bei schwierigen Diktaten nicht angst und bange. Oder Angst und Bange? Donnerstagabend wollen rund 100 Osnabrücker Schüler, Lehrer, Eltern und weitere Menschen aus der Stadtgesellschaft beweisen, wie gut sie die deutsche Rechtschreibung beherrschen. Die besten Duden-Jünger fahren am 5. Mai nach Hessen und treffen beim Wettbewerb „Frankfurt schreibt“ auf andere Orthografie-Cracks.

Dort, im Frankfurt des Jahres 2012, liegen die Wurzeln des Rechtschreibwettbewerbs. Erstmals treten nun Herausforderer gegen die Hessen an - außer Hamburgern und Bayern auch Teilnehmer aus Osnabrück. „An jedem dieser Orte finden am Donnerstag Vorentscheide statt“, sagt Michael Prior, Geschäftsführer der Friedel-und-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung, die das Wettschreiben in Osnabrück veranstaltet. Rechtschreibung hänge oft mit einer Erfahrung von Defiziten zusammen, betont Prior. Man wolle aber die Rechtschreibung auch einmal in den Mittelpunkt eines charmanten Wettbewerbs stellen. „Die deutsche Sprache gehört zu unserer Kultur“, sagt der Geschäftsführer der Stiftung weiter. Diese gelte es zu fördern.

Prior rechnet mit rund 100 Teilnehmern, die heute Abend nach dem Kommando „Handy aus, Hefte raus, wir schreiben ein Diktat“ einen etwa 240 Wörter umfassenden Text zu Papier bringen müssen. Unter den fünf teilnehmenden Osnabrücker Schulen befindet sich auch das Gymnasium in der Wüste, benannt nach einem Stadtteil der Stadt. „Die Rechtschreibung ist in der Oberstufe immer noch wichtig, auch wenn keine Diktate mehr geschrieben werden“, sagt Schulleiter Jürgen Westphal. „Es kann bis zu zwei Notenpunkte Abzug geben, wenn die Schüler zu viele Fehler machen.“ Auch im Berufsleben spielt die Rechtschreibung für die Schüler eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Ich weiß von Gesprächen mit Personalchefs hier aus der Region, dass sie weiterhin großen Wert auf korrekte Rechtschreibung legen“, sagt der Schulleiter. „Daher nimmt unsere Schule das Thema Orthografie auch sehr ernst.“

Westphal nimmt zusammen mit vier Schülern, zwei Eltern und einem weiteren Lehrer am Wettschreiben teil. „Als Schulleiter bin ich da natürlich in einer besonderen Situation“, sagt er. „Aber ich habe kein Problem damit, wenn mir Fehler im Diktat unterlaufen. Dazu stehe ich“, betont der Latein- und Politiklehrer. Zumal die ganze Veranstaltung nicht so bierernst daherkomme. Er sieht den Wettbewerb als gute Gelegenheit, sein Wissen über die in den vergangenen Jahren immer wieder erneuerten Rechtschreibregeln aufzufrischen.

Vor Kurzem übten einige Teilnehmer schon mal: Freude bei diesem Training in der Villa Hecker in Osnabrück hatte Jelena Bohne. „Das hat Spaß gemacht“, sagt die Elftklässlerin des Gymnasiums „In der Wüste“. Das letzte Diktat sei schon sehr lange her. „Von daher war es schon etwas ungewohnt.“ Während eines Übungsabends hatte Gabriele Kopf, Sprachberaterin des Duden-Verlags, der als Partner der Veranstaltung firmiert, Tipps zur aktuellen Rechtschreibung gegeben. Unter anderem erklärte sie, welche Wörter nun groß oder klein, und welche getrennt- oder zusammengeschrieben werden.

„Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wissen wir, dass die meisten Teilnehmer eben über die Groß- und Kleinschreibung sowie die Getrennt- oder Zusammenschreibung stolpern“, sagt der Frankfurter Wettbewerbsleiter Oliver Beddies. Deshalb kämen die meisten kniffeligen Wörter in den Wettbewerbsdiktaten genau aus diesen beiden Bereichen. „Ein paar schwierige Fremdwörter haben wir aber auch eingebaut“, sagt der Projektleiter Bildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.

Wie viele Kandidaten aber schaffen denn in den Diktatwettbewerben erfahrungsgemäß null Fehler? „Die beste Kandidatin hat im vergangenen Jahr mit drei Fehlern gewonnen“, sagt Beddies. Und dann sagt er noch einen Satz, der alle Teilnehmer, denen vor dem Wettschreiben des rund 240 Wörter langen Textes nun doch ein wenig angst und bange ist, etwas beruhigen wird: „Null Fehler gibt es nicht.“

Der Wettbewerbstext 2014 zum Testen

Das Vorstellungsgespräch

Als er die Augen aufschlug, fiel ihm siedend heiß ein: Er hatte sich kurzerhand genau ein Dutzend Mal als
Informatikingenieur beworben und war zum Assessment eingeladen. Seine Mutter stand kopf. Sie war es leid, seinem laxen In-den-Tag- hinein-Leben zuzusehen, und hatte ihm darüber hinaus eingebläut: „Piercings und Tattoos sind ein absolutes No-Go!“

Er hatte x-mal hin und her überlegt, welcher Beruf der richtige sein könnte. Während sich die halbgebildeten Loser seiner Klasse über trashiges
 Reality-TV die Köpfe heißredeten, wobei es ihm angst und bange wurde, war ihm dies alles eins. Er hatte über höhere Mathematik nachgedacht,
über brillante Algorithmen, Arithmo­griphen, das Gauß-Newton-Verfahren und Billiarden von y-Achsen. Daran war das Inserat schuld, das er unter einem äußerst aufsehenerregenden Artikel über Bypass-OPs gelesen hatte. Seiner Karriere als IT-Spezialist würde über kurz oder lang nichts entgegenstehen. Sein Rechner begleitete ihn zeit seines Lebens durch dick und dünn. Zudem hatte er im Allgemeinen in Informatik nie das Gefühl hinterherzuhinken. Laut seinem
Lehrer war er stets der klügste seiner Schüler, der nie falschlag oder dazwischenrief.

Ihm wäre es demgegenüber nicht recht, wenn er das bisschen, das er
in Englisch draufhatte, auch noch rhetorisch ausgefeilt zum Besten
geben müsste. Aber da gab es kein Entweder-oder mehr, dem
Frage-und-Antwort-Spiel musste er sich nolens volens stellen. Er verwarf den Gedanken, krankzufeiern. Jetzt ging es um alles oder nichts.

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