"Langfristige Fehlentwicklungen"

Österreich kritisiert Deutschland bei Hochwasserschutz

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Folgen des Hochwassers: Im österreichischen Emmersdorf beseitigen Helfer Schlamm und Matsch.

Wien - Die Donaufluten haben in Österreich eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Jetzt geht die Regierung in Wien hart mit seinem Nachbarn ins Gericht. Deutschland habe mit Missmanagement beim Hochwasserschutz die Katastrophe verstärkt.

Aus Sicht Österreichs hat deutsches Missmanagement beim Hochwasserschutz die Katastrophe verstärkt. Er wolle nicht direkt von Fehlern sprechen, aber: "Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben", sagte der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) vor dem Treffen der EU-Energieminister am Freitag in Luxemburg. Dass es günstig sei, Flüsse in Korsette zu zwingen oder auf Auengebiete zu verzichten habe sich mittlerweile als "eher gewagte Überlegung" herausgestellt, meinte der Minister. Die Expertenmeinung gehe jetzt in eine andere Richtung. "Inwieweit man da jetzt auch vom Zeitpunkt her Rückbauten machen kann, das muss man jetzt wirklich prüfen."

Aus Deutschland kommendes Donau-Hochwasser hatte in den vergangenen Tagen eine Schneise der Verwüstung durch Österreich geschlagen. Zahlreiche Orte standen unter Wasser, Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Am Freitag entspannte sich die Lage weiter, in immer mehr Gebieten begannen die Aufräumarbeiten. Auch im Alpenland gibt es momentan die Debatte, ob mehr Ausweichmöglichkeiten wie Auen für die Flüsse vielerorts nicht sinnvoller wären als immer höhere Dämme und Wände.

Bereits am Dienstag hatte der oberösterreichische Regierungschef Josef Pühringer Deutschland wegen schlechter Prognosen kritisiert: "Die Situation, die wir in Passau haben, ist von Bayern nicht vorhergesagt worden." Man werde sich dieses Thema "sehr genau anschauen" und Verbesserungen anstreben. Das Hochwasser sei in den Prognosen unterschätzt worden, man sei abhängig vom Nachbarland, sagte der Landeschef.

In Ungarn spitzt sich die Lage an der Donau indes zu. Am Freitagvormittag steig der Donaupegel um durchschnittlich zehn Zentimeter. Zunehmend werden frühere Rekord-Pegelstände überschritten, teilte der Technische Lenkungsstab der ungarischen Regierung mit. Die Scheitelwelle des Donau-Hochwassers soll den Berechnungen zufolge am Wochenende die Hauptstadt Budapest erreichen. Bereits seit Tagen sind Tausende Soldaten und freiwillige Helfer im Einsatz, um Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken zu verstärken und mobile Schutzdämme zu errichten. In der Stadt Komarom, 90 Kilometer westlich von Budapest, wurde am Freitag ein Pegelstand von 8,07 Metern gemessen. Damit lag dieser um fünf Zentimeter über dem bisherigen, im Jahr 2002 gemessenen Höchststand. Im Ferienort Leanyfalu, 25 Kilometer nördlich von Budapest, forderten die Behörden knapp 300 Menschen dazu auf, ihre Häuser wegen des nahenden Hochwassers zu räumen.

dpa/frs

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