Rabenhorst darf nicht mit Gesundheitsnutzen werben

Ohrfeige fürs Rotbäckchen

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Gesund, mehr nicht: er Hersteller Rabenhorst unterliegt vor Gericht und darf seine Rotbäckchen-Säfte nicht mehr als "diätisch" bewerben.

Braunschweig - Die Säfte „Rotbäckchen immunstark“ und „Rotbäckchen knochenstark“ des Herstellers Rabenhorst dürfen nicht mehr als „diätetisch“ beworben werden. Rabenhorst unterlag am Dienstag vor Gericht.

Seit nunmehr 62 Jahren zeigt das rotbäckige Mädchen mit dem Kopftuch sein strahlendes Lächeln. Millionenfach schon klebte es als Etikett aus der Wirtschaftswunderzeit auf den Kindersaftflaschen. Beim Hersteller Rabenhorst in Unkel am Rhein indes dürfte es am Dienstag eher graue Gesichter gegeben haben: Braunschweiger Richter haben „Rotbäckchen“ in die Schranken verwiesen.

Vor dem Verwaltungsgericht in Braunschweig musste Rabenhorst gleich zwei seiner Kindersäfte verteidigen – „Immunstark“ und „Knochenstark“. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, ebenfalls in Braunschweig beheimatet, hatte die aufgedruckte Bezeichnung der Säfte als „diätisches Lebensmittel“ gerügt und angeordnet, dies zu streichen. Rabenhorst klagte dagegen – und verlor am Dienstag. Diätisch seien Lebensmittel für Kinder nur dann, wenn sie für diese auch einen „besonderen Nutzen“ haben, argumentierten die Richter der 5. Kammer. Dies sei bei den Säften aber nicht der Fall. „Knochenstark“ enthalte das wichtige Vitamin D nur in sehr geringer Menge; er verbessere die Vitamin-D-Versorgung für das Kind daher nicht wesentlich. Und „Immunstark“ sei kein diätisches Lebensmittel, weil er zwar Zink und Vitamin C enthalte – „diese Stoffe nehmen Kinder aber in aller Regel ausreichend mit der normalen Ernährung auf“, urteilten die Juristen.

Bei Rabenhorst stößt die helle Sicht auf den trüben Fruchtsaft auf Unverständnis. „Wir haben uns gesetzeskonform verhalten und fühlen uns weiter im Recht“, beteuert Geschäftsführer Klaus-Jürgen Philipp gegenüber der HAZ. Wissenschaftlich getestet seien die Rotbäckchen-Säfte zwar nicht, „aber ihre Wirkung beruht auf Grundkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, so Philipp. Die Braunschweiger Verwaltungsrichter haben Revision beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg zugelassen. Genau dort will Rabenhorst sein „Rotbäckchen“ nun juristisch rehabilitieren.

Mit Revisionen kennt sich Deutschlands ältester Fruchtsafthersteller, der bereits 1805 gegründet wurde, mittlerweile ganz gut aus. Ende vergangenen Jahres entschied das Oberlandesgericht in Koblenz, dass auf dem Etikett des Rotbäckchen-Saftes „Lernstark“ nicht mit dem Versprechen geworben werden darf, dieser verbessere die Konzentrationsfähigkeit. Eine Revision gegen das Urteils ließ das Gericht nicht zu. Rabenhorst klagt nun auf Zulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof.

Sind auch die Etiketten umstritten, der Saft als solcher ist es offenbar nicht. Schon seit Jahren gehe es dem Unternehmen mit 120 Mitarbeitern gut, betont Philipp. Acht verschiedene Fruchtsäfte mit dem Kindersignet werden abgefüllt – darunter auch „Rotbäckchen“-Klassik, der 1952 erstmals auf den Markt kam. Offenbar schmeckt’s den Kindern – was bei Saft eigentlich auch das wichtigste ist.

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