Alt, geliebt, verschlissen

Oldenburgs Cäcilienbrücke nicht zu retten

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Seit 85 Jahren bereits hebt und senkt sich die Brücke im Rhythmus des Schiffsverkehrs. Das alte Bauwerk mit den vier Backsteintürmen ist marode und soll abgerissen und durch eine neue Konstruktion ersetzt werden.

Oldenburg - Sie ist ein Schmuckstück und Technik-Geschichte. Kann die Cäcilienbrücke in Oldenburg gerettet werden? Nein, sagen Fachleute. Ein Neubau soll her. Weil das aber dauert, bleiben noch ein paar Jahre zum Abschiednehmen.

Seit mehr als 85 Jahren hebt und senkt sich die Oldenburger Cäcilienbrücke klaglos im Rhythmus des Schiffsverkehrs. Mit ihren vier Backsteintürmchen ist sie zu einem Wahrzeichen Oldenburgs geworden. Sie liegt den Menschen der Stadt am Herzen. Und doch wird sie einem modernen Neubau weichen müssen. „Die Brücke ist nicht zu retten, sie muss erneuert werden", sagt Rüdiger Oltmanns vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Bremen. Unabhängige Ingenieurbüros seien bei Untersuchungen für eine Grundinstandsetzung zu diesem Schluss gekommen.

Dieter Höffmann leitet den WSA-Außenbezirk Oldenburg und kennt das Innenleben der fast 41 Meter langen Brücke über den Küstenkanal aus täglicher Anschauung. Die Türme, die das Gewicht des 240 Tonnen schweren Hubteils tragen müssen, sind auf senkrecht in den Boden getriebenen Holzpfählen gegründet. Es fehlen horizontale Erdanker, wie man sie heute verwenden würde. Der Abstand der Türme hat sich deswegen im Laufe der Jahrzehnte etwas verringert - zunehmend schwierig für die Brückenhebemechanik. Ein weiteres nicht lösbares Problem ist hinter den dunklen Backsteinen der Türme verborgen - die für Reparaturen unerreichbare Stahlkonstruktion. "Das Gerüst rostet", sagt Höffmann.

Inzwischen tuckert ein leeres Binnenschiff aus der Schleuse des Küstenkanals, der Hunte und Ems verbindet. Brückenwärter Bernhard Bleckwehl schaltet die Ampeln auf rot, schließt Schranken und Tore. Langsam, kaum hörbar, setzt ein nur 36 PS starker Elektromotor in der Mitte der Brücke über Antriebswellen und gut gefettete Zahnräder die ganze Fahrbahn nach oben in Bewegung. Im Inneren der Türme gleiten gleichzeitig - von mehr als 5 Zentimeter dicken Stahlseilen gehaltene - 60-Tonnen-Betongewichte in die Tiefe. „Die Brücke befindet sich fast im Schwebezustand", erklärt Bleckwehl. Der Motor muss praktisch nur den Widerstand der Mechanik überwinden aber kaum Gewicht heben. So kostet das Hochziehen der Fahrbahn um 3,5 Meter nur wenig Energie.

Schon nach etwa fünf Minuten ist die Straße, eine wichtige Verbindung ins Zentrum der Universitätsstadt, wieder frei. Ein paar Tausend Autos und noch mehr Fahrradfahrer und Fußgänger passieren jeden Tag die Cäcilienbrücke, deren Türme ein bisschen wie ein Stadttor wirken.

Der 64 Jahre alte Bleckwehl steht seit 27 Jahren fast jeden Tag im Leitstand der Brücke und hängt nach der langen Zeit an dem Bauwerk. Dass er Abriss und Neubau nicht mehr im aktiven Dienst erlebt, findet er deshalb ganz gut. Viele Oldenburger fordern, die historische Brücke zu erhalten. Die Stadt selbst sei dabei nicht gefragt und habe keinen Einfluss auf die Entscheidung, sagt Oberbürgermeister Gerd Schwandner. "Bestimmte Sachen kann man nicht reparieren. Die Frage ist nur, wie sieht die neue Brücke aus?"

Die Details müssten erst noch entwickelt werden, sagt Oltmanns und betont, das WSA habe großes Interesse an einer Lösung, der alle Beteiligten aus Verwaltung und Politik sowie die Stadt und ihre Bürger zustimmen. "Es ist wichtig, eine Brücke zu bauen, die einen großen Konsens findet." Eine neue Hubbrücke sei die wahrscheinlichste Lösung, aber auch eine Klappbrücke wäre denkbar. "Wir sind völlig offen." Wie viel das neue Bauwerk kosten wird, ist nach Oltmanns Angaben noch nicht bekannt.

Bis zum Baustart, der wohl frühestens 2017 ist, sorgt Manfred Serr mit seinen Kollegen von der Abteilung „Planmäßige Unterhaltung" des WSA dafür, dass der stählerne Veteran sich weiterhin jeden Tag rund 20 mal hebt, um Schiffen und Booten die Durchfahrt zu ermöglichen.

dpa

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