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Omikron-Schutz durch vierte Impfung? Israel-Studie zeigt erste Tendenz - Drosten legt sich schon fest

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Von: Richard Strobl

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Menschen, einige mit Mund-Nasen-Schutz, kaufen in Israel auf dem Markt ein. (Symbolbild)
Menschen, einige mit Mund-Nasen-Schutz, kaufen in Israel auf dem Markt ein. (Symbolbild) © Ariel Schalit/dpa

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus greift um sich. Hilft eine vierte Impfung? Erste Daten aus Israel sind ein wenig ernüchternd.

Tel Aviv/Berlin - „Ich warne davor, Omikron* zu unterschätzen“. Mit diesen Worten wandte Gesundheitsminister Karl Lauterbach sich am Montag an die Öffentlichkeit. Noch seien die Auswirkungen der neuen Corona-Variante auf die Auslastung der Krankenhäuser nicht genau genug vorhersagbar. Lauterbach brachte sogar neue Beschränkungen ins Spiel - ließ aber offen, welche damit gemeint seien.

Zuvor hatten mehrere Experten die Hoffnung geschürt, dass mit der neuen Variante die Corona*-Pandemie langsam in die endemische und damit kontrollierbare Phase übergehen könnte. Denn nach aktuellem Forschungsstand ist Omikron zwar deutlich ansteckender als etwa die zuvor dominante Delta-Variante, dafür sind schwere Verläufe weitaus seltener.

Omikron-Wende in Deutschland? Drosten hält vierte Impfung für nötig

Charité-Virologe Christian Drosten hält diese Kennzeichen der neuen Mutation mittlerweile für bestätigt, wie er kürzlich auf Basis der aktuellen Studienlage sagte. Er hält einen Eintritt in die endemische Phase im nächsten Winter für möglich. Kurz zuvor sollten ältere und gefährdetere Menschen dann noch einmal geboostert werden.

Auch in Deutschland mehren sich die Stimmen, die eine vierte Impfung fordern. Drosten prognostizierte etwa eine angepasste Impfung, möglicherweise schon ab dem zweiten Quartal des laufenden Jahres*.

Israel hat mit dieser vierten Impfung bereits begonnen. Doch erste Daten aus Tel Aviv stimmen nicht so positiv, wie erhofft. Eine vierte Impfung schütze demnach nicht ausreichend gegen die Omikron-Variante. Auch bei vierfach Geimpften beobachte man Ansteckungen, sagte Professor Gili Regev vom Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv am Montag.

Zwei Wochen nach einer vierten Dosis des Präparats von Biontech/Pfizer sei zwar ein „schöner Anstieg“ der Antikörper zu beobachten. Deren Zahl liege sogar etwas über dem Wert nach der dritten Impfung. „Aber für Omikron ist dieser schöne Wert nicht genug.“ Regev betonte, es handele sich um Zwischenergebnisse der Studie, sie wollte daher auch keine genaueren Zahlen nennen.

Omikron-Studie aus Israel: Professor sieht „Dilemma“

Rund 150 Teilnehmer der Studie hatten vor zwei Wochen eine vierte Dosis des Vakzins von Biontech-Pfizer erhalten. Vor einer Woche erhielten dann 120 weitere Teilnehmer nach drei Dosen Biontech/Pfizer eine vierte Impfung mit Moderna. Es sei weltweit der erste Versuch mit einer vierten Impfung mit kombinierten Vakzinen, sagte Regev. Die Ergebnisse beider Gruppen nach einer Woche seien sehr ähnlich. „Wir sehen keinen erheblichen Unterschied.“

„Die Entscheidung (in Israel), Immungeschwächten die vierte Dosis zu geben, könnte zwar einen kleinen Vorteil verleihen“, sagte Regev. „Aber vermutlich nicht genug, um sie der ganzen Bevölkerung zu geben.“ Gegenwärtig können sich in Israel auch über 60-Jährige und medizinisches Personal zum vierten Mal impfen lassen. Regev sprach angesichts der vorläufigen Studienergebnisse von einem „Dilemma“, ob man über 60-jährigen, gesunden Menschen die vierte Dosis geben sollte.

„Wenn jemand eine persönliche Gefährdung hat, dann sollte man besser jetzt impfen, wenn nicht, dann vielleicht besser abwarten.“ Nur rund 62 Prozent der 9,4 Millionen Israelis gelten noch als vollständig geimpft. Dies sind zweifach Geimpfte bis zu sechs Monate nach der Zweitimpfung und Menschen mit Booster-Impfung. 30 Prozent der Bevölkerung sind gar nicht geimpft, bei acht Prozent ist die Gültigkeit der Impfung abgelaufen. Knapp 4,4 Millionen Israelis haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits die dritte Impfdosis erhalten, mehr als 537.000 schon die vierte. (rjs/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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