Werk stellt Produktion ein

Opel-Tradition geht in Bochum zu Ende

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Ein orangefarbener Manta eignet sich auch gut als Fotomotiv.

Bochum - Im Bochumer Opel-Werk ist am Freitagmorgen das letzte Auto vom Band gelaufen. Für die Stadt und 3000 Mitarbeiter ein bitterer Tag. In dem 1962 gegründeten Werk arbeiteten zu Spitzenzeiten bis zu 22.000 Menschen. Hier wurden Erfolgsmodelle wie der Ascona, der Kadett, der Manta und der Zafira produziert.

Nach 52 Jahren im Ruhrgebiet hat der Autobauer Opel die Produktion in seinem Bochumer Werk wegen Überkapazitäten beendet. Am frühen Freitagmorgen gegen 00.30 Uhr lief der letzte Wagen, ein dunkelgrauer Zafira-Familienvan vom Band, wie Opel-Mitarbeiter bestätigten. Seit 1962 wurden am Standort Erfolgsmodelle wie der Ascona, der Kadett, der GT, der Manta und der Zafira produziert. „Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen“, sagte ein Beschäftigter. Zwei Wagen vom letzten Produktionstag würden sozialen Einrichtungen in Bochum gespendet, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der letzte Opel aus Bochum geht an einen Käufer, dessen Namen nicht genannt wird.Das Unternehmen werde sich würdig von den Mitarbeitern verabschieden, sagte ein Sprecher. Am Montag (8.12.) ist noch einmal eine Betriebsversammlung im Werk geplant. Schon an diesem Samstag (6.12.) gibt es eine Jubilarfeier für langjährige Beschäftigte. Jeder Opelaner soll außerdem eine Erinnerung an die Zeit bei Opel erhalten.

Beschäftige kritisieren Opel-Konzern

Am Werkstor gab es nach der letzten Produktionsschicht aber auch herbe Kritik von Beschäftigten: Opel habe das Werk „vor die Hunde gehen lassen“ und zuletzt nicht einmal mehr das Dach repariert, so dass es hereinregnete, sagte ein Mitarbeiter. Das Werk sei geopfert worden. Nach der Entscheidung zur Werksschließung in Bochum hatte Opel in jüngster Zeit Millioneninvestitionen in die verbleibenden Standorte angekündigt. Die Produktion des Zafira wird von Bochum nach Rüsselsheim verlagert. Opel will bis 2016 wieder in die Schwarzen Zahlen kommen.

Ungewisse Zukunft für die 3000 Mitarbeiter

In Bochum stehen rund 3000 Beschäftigte vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten von ihnen wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft mit zunächst vollem und später auf 80 und dann 70 Prozent reduziertem Gehalt. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns mit insgesamt 700 Beschäftigten. Das Land Nordrhein-Westfalen will auf dem Gelände in den nächsten Jahren neue Gewerbebetriebe ansiedeln. Die Entwicklungsgesellschaft „Bochum Perspektive 2022“, an der Opel mit 49 Prozent beteiligt bleibt, rechnet dafür zunächst mit rund 50 Millionen Euro Aufwand - verteilt über acht Jahre. Für die Region ist der Opel-Rückzug ein schwerer Schlag. Die Entscheidung sei „sehr bitter“ für die direkt Betroffenen und die Stadt, hatte die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) in dieser Woche gesagt. Die SPD-Politikerin zeigte sich verärgert darüber, dass sie zu der Jubilarfeier im Werk - anders als in früheren Jahren - nicht eingeladen worden sei. Sie hätte den Beschäftigten dabei gern noch einmal gedankt. Rund die Hälfte der Opel-Beschäftigten wohnt in Bochum. Scholz will ihnen nun einen Brief schreiben. Der in der Stadt aufgewachsene Musiker Herbert Grönemeyer will seine Solidarität mit einem Konzert zeigen. "Es gibt konkrete Überlegungen, ein Konzert für die Bochumer Opelaner zu spielen oder sie alle einzuladen", sagte der 58 Jahre alte Sänger der Deutschen Presse-Agentur bei einer Musikveranstaltung in Bochum. "Es geht jetzt darum, ihnen Mut zu machen."

Opel-Werk war Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr

Bochum leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Die Stadt hatte in der Vergangenheit bereits andere schwere Schläge zu verkraften wie den Rückzug des Handyherstellers Nokia mit 2300 Beschäftigten im Jahr 2008. Das Opelwerk war einst in Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr: Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Ruhr-Bischof Franz-Josef Overbeck versicherte den Opel-Mitarbeitern die Solidarität der Kirche. Hier gehe es um den schmerzhaften Verlust von Existenzsicherheit und Lebensperspektiven, schrieb er in einem Brief an den Werksdirektor Manfred Gellrich und den Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel. Einenkel hatte Opel wegen der Werksschließung sogar verklagt. Er wirft dem Autobauer unzureichende Information des Aufsichtsrates zu den Schließungsplänen vor. Dazu gibt es kommenden Freitag (12.12.) einen Verkündungstermin beim Landgericht Darmstadt. Die ausscheidenden Mitarbeiter bekommen neben der Transfergesellschaft Abfindungen - nach Gewerkschaftsberechnung im Schnitt 125 000 Euro pro Person, die aber versteuert werden müssen. Insgesamt kostet die Schließung des Werkes das Unternehmen nach unterschiedlichen Rechnungen von Gewerkschaft und Betriebsrat zwischen 550 und 700 Millionen Euro.

dpa

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