Razzia bei Hells Angels

Operation „Casablanca“ auf Mallorca

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Foto: Die Hells Angels haben auf Mallorca offenbar Millionensummen an Schwarzgeld zusammengetragen und wollten damit eine Formel-1-Strecke bauen.

Madrid/Palma de Mallorca - Ein Luxusleben auf Mallorca: Die festgenommenen Hells Angels sollen auf der Insel mit Millionensummen jongliert haben. Das Schwarzgeld stammte laut Polizei aus der Ausbeutung von Prostituierten und der Schutzgelderpressung. Ein Video zeigt, wie die Polizei bei der Razzia gegen die Rocker vorging.

Die großangelegte Razzia gegen die Hells Angels auf Mallorca, bei der auch Hannover Ex-Chef der Höllenengel Frank Hanebuth festgenommen wurde, trug einen klangvollen Decknamen. Die Operation „Casablanca“ der spanischen Behörden hat bewiesen, was bislang immer nur vermutet wurde. Die Rocker mit dem geflügelten Totenkopfemblem als Markenzeichen verfügen über sehr viel Geld. Allein bei den Durchsuchungen der rund 30 Wohnungen und Büros auf der Baleareninsel stellten die Beamten knapp 50 000 Euro in bar sicher.

Doch damit nicht genug. Die Hells Angels hatten nach Angabe der spanischen Polizei geplant, Mallorca in eine riesige Geldwaschanlage zu verwandeln. Schwarzgeld aus Deutschland und der Türkei sollte zum Bau einer Formel-Eins-Rennstrecke auf der Insel verwendet werden. Das Geld stammt, da sind sich die Fahnder sicher, aus Schutzgelderpressungen und Zwangsprostitution.

Dieser Verdacht lässt Frank Hanebuth eine besondere Rolle innerhalb des mallorquinischen Rockerklubs zukommen – als möglicher Organisator des Transfers der illegalen Gelder aus Deutschland und der Türkei nach Mallorca.Dass der Ex-Profiboxer aus Hannover noch immer gut in seinem Heimatland vernetzt ist, ist bekannt. Nicht so geläufig ist, dass der 48-Jährige auch über hervorragende Drähte in die Türkei verfügt. In Izmir hat seit drei Jahren ein Hells Angel das Sagen, der in den 90er Jahren in Köln Angst und Schrecken verbreitet hat. Necati A. galt als einer der brutalsten Kriminellen in der Domstadt. 120 Türsteher sollen ihm unterstanden haben. Auf diese Weise hatte A. die Kontrolle über die wichtigsten Klubs in Kölns Rotlicht- und Klubszene. Nach einer Vorzeitigen Haftentlassung und Abschiebung in die Türkei im Jahr 2004 wurde Necati A. sechs Jahre später zum Präsidenten des Klubs Hells Angels MC Nomads Türkei ernannt. An den Feierlichkeiten sollen die mächtigsten Höllenengel Europas teilgenommen haben – unter ihnen auch Frank Hanebuth. Den Rockerchef aus Hannover verbindet eine lange Freundschaft mit dem einstigen Boss der Kölner Unterwelt. 2012 übergab Necati A. seinem „Bruder“, wie sich die Klubmitglieder der Hells Angels nennen, ein Präsent als Ausdruck dieser innigen Männerfreundschaft. Hanebuth bekam einen kleinen Hund geschenkt, einen türkischen Kangal – jenen Hund, den Beamte der GSG 9 bei der Razzia im vergangenen Jahr auf Hanebuths Anwesen in der Wedemark erschossen.

Für die mögliche neue Aufgabe auf der Baleareninsel hatte sich Hannovers Ex-Rockerboss, der in dem Örtchen Lloret ein Anwesen im Wert von 2,5 Millionen Euro besitzt, Verstärkung aus Niedersachsen geholt. Nach HAZ-Informationen soll der ehemalige Vize-Chef des hannoverschen Klubs und das langjährige Hells Angels-Mitglied, das im Steintor allen unter seinem Spitznamen „Kirsche“ bekannt war, zu den Festgenommenen zählen. Ebenfalls in Haft befindet sich Hanebuths langjähriger Freund, der ehemalige hessische Rotlichtkönig Paul E., in der Szene bekannt als „Thrombose-Paul“.

Die spanischen Behörden werfen ihnen und 21 weiteren Mitgliedern der Hells Angels unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, Schutzgelderpressung und Drogenhandel vor. Neben dem Bargeld stellten die Polizisten auf Mallorca diverse scharfe Schusswaffen, Messer, vier Motorräder, zehn Autos, Boote und diverse Drogen sicher. Besonders brutal sollen die Verdächtigen mit den Frauen umgesprungen sein, die für sie anschaffen gingen. Einige Prostituierte, die in Deutschland für die Hells Angels gearbeitet haben, hätten ihre Einnahmen persönlich nach Mallorca bringen und sie den Rockern übergeben müssen. Das teilte das Innenministerium in Madrid mit. Spanische Zeitungen berichten sogar von erzwungenen Schönheits-Operationen, denen sich die Mädchen unterziehen mussten, damit das Geschäft besser florierte.

„Das sind doch alles wilde Spekulationen, an denen ist nichts dran ist“, sagt Hanebuths Rechtsanwalt Götz von Fromberg. Auch am zweiten Tag nach der Razzia hat er noch immer keinen Kontakt zu seinem Mandanten aufbauen können. „Die Vorwürfe, die von spanischer Seite erhoben werden, sind ja nicht neu. Sie kommen immer dann zum Tragen, wenn es um die Hells Angels geht“, sagt der Strafverteidiger. Er sei sehr gespannt darauf, zu erfahren, was konkret gegen seinen Mandanten vorgebracht werde.Am Mittwoch war Untersuchungsrichter Eloy Velasco von Madrid nach Mallorca gereist. Der Spezialist der Abteilung Organisierte Kriminalität vom Nationalen Gerichtshof Madrid soll die Vernehmungen der festgesetzten Hells Angels leiten. Es dürften recht einseitige und kurze Gespräche werden. Denn die Rocker haben einen besonderen Ehrenkodex in ihre Statuten, der angelehnt ist an die Omerta der italienischen Mafia. Er lautet: Kooperiere niemals mit der Polizei. Hanebuth und seine „Brüder“ haben sich damit bislang immer gut aus der Affäre ziehen können. (mit: dpa)

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