Umbettung von Kriegsgefangenen

Opfer im Schatten des Nazi-Kreuzes

+
Foto: „Unser Opferdank ein Heiligtum“: Ausgerechnet auf einen Ehrenhain für Wehrmachtsoldaten sind NS-Opfer umgebettet worden.

Gartow - Ausgerechnet auf einen Ehrenhain für Wehrmachtsoldaten sind die sterblichen Überreste von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in Gartow im Wendland umgebettet worden. Das sorgt für Unmut. Jetzt sollen Erinnerungstafeln für die Opfer angebracht werden.

Der Spruch auf dem Kreuz stammt von den Nazis: „Euer Opfergang heißt Ehr und Ruhm. Unser Opferdank ein Heiligtum.“ Er bezieht sich auf die 50 Wehrmachtsoldaten, die am sogenannten Ehrenhain in Gartow beerdigt sind. Dorthin hat die Samtgemeinde (Kreis Lüchow-Dannenberg) die sterblichen Überreste von 13 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern umbetten lassen - und das sorgt für Unmut.

Und zwar noch immer, obwohl die Aktion selbst schon gut ein Jahr zurückliegt. Damals hatte die Samtgemeinde zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Gebeine nach Gartow bringen lassen, die zuvor seit Kriegsende auf fünf Friedhöfen in umliegenden Dörfern begraben waren. „Wir wollten sicherstellen, dass die Gräber weiter gepflegt werden“, erläutert Christian Järnecke, der bei der Samtgemeinde für die Friedhöfe zuständig ist. „Außerdem wollten wir die Grabstätten aus ihrer von den Nazis veranlassten Randlage herausholen und ins Zentrum des Gedenkens am Volkstrauertag rücken.“

Die betroffenen Kirchengemeinden und die Frauen, die bis dahin die Gräber „ihrer“ örtlichen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter vorbildlich gepflegt hatten, reagierten indes überrascht bis empört: Die Toten seien am besten dort aufgehoben, wo man sich an ihr persönliches Schicksal erinnere.

„Am Ehrenhain liegen sich Täter und Opfer gegenüber“

Als besonders unsensibel empfinden viele indes, dass die 13 Pappsärge beim zweiten Mal ausgerechnet am Gedenkort für die gefallenen Wehrmachtsoldaten unter die Erde kamen. Den von den Nazis eingerichteten Ehrenhain hatte der Volksbund 1949 neu eingeweiht, der Nazi-Spruch vom „Opferdank“ war unverändert geblieben.

Darüber zeigen sich unter anderem die Mitarbeiter der Russischen Botschaft erstaunt, die der Umbettung im vergangenen Jahr zugestimmt hatten, ohne dieses Detail jedoch zu kennen.

Ein scharfer Kritiker der Verlegung wavon Kriegr von Anfang an der Leiter des Heimatmuseums in Wustrow, Rolf Meyer. „Am Ehrenhain liegen sich Täter und Opfer gegenüber“, sagt er. Seiner Ansicht nach hätte zudem die Erinnerung an die - von den Nationalsozialisten umgebrachten - Kriegsgefangenen an deren jeweiligem Wohnort viel besser aufrecht erhalten werden können.

Auch Rolf Keller, Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, findet die neue Lage „mehr als befremdlich“: „Das ist skandalös.“ Friedhöfe seien ein wichtiges Element der historisch-politischen Arbeit, sagt Keller. Eine erneute Umbettung sei nun zwar nicht wünschenswert. „Man kann aber darüber nachdenken, die Ehrengedenkanlage neu zu gestalten.“ Soll heißen: Ein Spruch aus der Nazi-Zeit hat dort nichts zu suchen.

Mehr als ein Jahr nach der Verlegung, rechtzeitig zum Volkstrauertag, bringt die Samtgemeinde Gartow erst einmal Namenstafeln für die Umgebetteten am Ehrenhain an.

Und der Volksbund will mit einer Schulklasse eine Erinnerungstafel erarbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare