Österreicherin in Dubai

Opfer soll Vergewaltiger heiraten

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Foto: Architektonisch ist Dubai hochmodern, doch die Gesetze muten oft mittelalterlich an.

Dubai - Ein Weihnachtsurlaub in Dubai ist für eine Österreicherin zum Horrortrip geworden. Wie die Zeitung „Gulf News“ berichtet, wandte sich die Frau an die Polizei, nachdem sie im Dezember vergewaltigt worden war. Doch statt ihr zu helfen, wurde sie wegen außerehelichem Sex und Trunkenheit angeklagt.

Weil die junge Doktorandin nun auch noch ihren Peiniger heiraten soll, um die Strafverfolgung abzuwenden, findet ihre Geschichte vor allem in Österreich großes Medienecho. Begonnen hat das Martyrium der Österreicherin, die Mitte 20 ist, an der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels im zentral gelegenen Stadtteil Bur Dubai. Dort feierte die Östereicherin mit Freunden den Nationalfeiertag der Arabischen Emirate, als sie ein aus dem Jemen stammender Mann ansprach, der ebenfalls mit Freunden unterwegs war. Die Partygänger entschieden, gemeinsam weiterzufeiern, und der Jemenit bot der Doktorandin an, sie mitzunehmen.

Doch in der Parkgarage des Hotels verriegelte er das Auto und vergewaltigte die Österreicherin, wie diese gegenüber der Polizei angab. Wie „Gulf News“ berichtet, soll die Frau bei der Polizei angeblich zunächst von einvernehmlichem Sex mit dem Jemeniten gesprochen haben, später habe sie diesen jedoch der Vergewaltigung beschuldigt. Die Östereicherin konterte, sie habe einen Job in ihrer Heimat und hätte es nicht nötig, für Geld Sex mit Fremden zu haben. Derzeit werten die Beamten die Überwachungsbänder aus der Parkgarage aus, um Belege dafür zu finden, ob die Frau tatsächlich bei ihrer Flucht aus dem Auto schrie und weinte.

Die aus Wien stammende Frau befindet sich derzeit noch in Dubai. Ihr wurde der Pass abgenommen, offenbar ist sie aber nicht mehr in Haft. „Was genau in der Nacht passiert ist, ist Gegenstand der Untersuchungen“, erklärte Österreichs Außenamtssprecher Martin Weiss der Presseagentur APA. „Frühestens Ende Februar wird es eine Gerichtsentscheidung erster Instanz geben.“

Wie die „Gulf News“ berichten, streitet der mutmaßliche Täter die Vergewaltigung ab. Er beschuldigte die Österreicherin erst, ihm Sex angeboten zu haben, weil sie betrunken war. Danach erklärte er, sie sei eine Prostituierte. Sowohl außerehelicher Sex als auch der Genuss von Alkohol sind in Dubai strafbar. Nur, wenn die Wienerin die Vergewaltigung glaubhaft machen kann, entgeht sie der Strafverfolgung, und der Mann wird angeklagt. Dazu braucht sie dem islamischen Recht zufolge aber vier erwachsene männliche Zeugen. „Die Sharia ist in Aktion“, titelt die Internetseite „Jihad Watch“ angesichts der Zwangslage der Frau nicht ohne Häme.

Bereits im vergangenen Jahr war eine Europäerin nach einer Vergewaltigung von den Behörden in Dubai angeklagt worden. Die 24-jährige norwegische Innenarchitektin Marte Deborah Dalely war wegen Alkoholkonsums und verbotenen Sex’ zu 16 Monaten Haft verurteilt worden. Erst nach internationalen Protesten wurde sie begnadigt und durfte ausreisen. Dalely hatte ihre Strafanzeige beim selben Polizeirevier gestellt wie jetzt die Wienerin.

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