Austauschprojekt

Von Osnabrück in den Ural

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Die russischen Teilnehmer des Austauschprojekts kommen schon seit Jahren nach Deutschland und trainieren unter anderem für einen Zirkusauftritt.

Osnabrück - Es ist das lebendigste Austauschprojekt in der Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der russischen Region Perm der Zirkus der Kulturen hat gerade drei Wochen in Osnabrück geübt und zieht jetzt an den Ural.

Erst war er Pfadfinder, später dann zwölf Jahre lang Berufsoffizier und schließlich Lehrer an einer Gesamtschule: „Der Umgang mit Menschen hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Axel Klose (72), der jetzt am Alfsee in Rieste bei Osnabrück zum 13. Mal den deutsch-russischen „Zirkus der Kulturen“ veranstaltet hat. Schüler und Studenten aus der Region Perm am Ural haben dort drei Wochen lang mit deutschen Jugendlichen in rund einem Dutzend Workshops zusammengearbeitet. Sie bereiteten eine Zirkusaufführung vor und lernten Kajakfahren, beschäftigten sich mit Kinderrechten in verschiedenen Ländern, machten afrikanische Trommelkurse oder fuhren Wasserski.

Nun fliegt Klose mit 15 niedersächsischen Jugendleitern nach Perm, um dort wiederum drei Wochen lang einen russischen „Zirkus der Kulturen“ zu veranstalten. „Das Treffen am Alfsee war die Generalprobe“, sagt Klose.

Seit 1993 sind Niedersachsen und die Region Perm durch eine offizielle Partnerschaft miteinander verbunden. Kaum ein anders Projekt dieses Austausches hat sich als so lebendig und langlebig erwiesen wie der „Zirkus der Kulturen“.

„Ich will junge Menschen für Sport, Kultur und gesellschaftspolitische Fragen begeistern“, sagt Klose. Und das scheint dem Sohn des letzten Kommandeurs des bekannten 82er Regiments aus Göttingen gut zu gelingen. 2009 gewann er mit seinem Projekt den Integrationspreis der Bundesregierung, im vergangenen Jahr kam die Auszeichnung als Junior-Botschafter von Unicef hinzu.

120 junge Menschen nahmen auch diesmal am „Zirkus der Kulturen“ teil. Die 60 älteren Teilnehmer, davon 15 aus Perm, leiteten die Workshops und machten dabei eine Ausbildung zum Jugendleiter. Die 60 Jüngeren im Alter zwischen 12 und 16 Jahren kommen oft aus schwierigen familiären Verhältnissen, sind lernbehindert oder haben körperliche Einschränkungen. Für sie waren Handys und Smartphones tagsüber tabu, dafür machten sie Fadenspiele und hatten sichtbar Spaß daran. Jedes Schulkind musste auch einen möglichst lebendigen Tagesbericht schreiben und ihn vor der ganzen Gruppe vortragen.

„Ich liebe das Projekt und komme schon seit 2009 regelmäßig hierher“, sagt Yana Bazyleva (21), Technikstudentin aus Perm, die den Schulkindern bei diesen Berichten half. „Manche schreiben sehr schöne Sätze, aber die meisten haben große Probleme, ihre Gedanken schriftlich zu formulieren.“ Diese Kinder zu unterstützen, sei auch für sie selbst sehr nützlich. „Ich lerne mit ihnen neue Wörter und mein Deutsch wird immer besser.“ Nach dem Abschluss ihres Masterstudiums in Perm möchte sie gerne an eine Universität in Deutschland wechseln.

Wie Yana sind auch viele andere Teilnehmer schon seit Jahren dabei. „Es waren unvergessliche Wochen für mich“, sagt auch die 22-jährige Sonja Fischbein, die in Perm Wirtschaft studiert. „Die Arbeit mit den deutschen Kindern ist einfach wunderbar.“

Die Anreise vom Ural mussten die Studenten selbst finanzieren, Unterkunft und Verpflegung wurden gestellt. Neben dem Sommerlager gibt es im Januar auch regelmäßig ein Winterlager im Sauerland, an dem ebenfalls russische Studenten und mehr als 100 deutsche Schüler teilnehmen.

Verein für Natursport und Kunst Hase-Ems e. V., Im Wellbrock 81, 49594 Alfhausen/Heeke.www.vnkhe.de

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