Probleme in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter

Ostniedersachsen leidet unter Wohnungsnot

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Foto: Allein in Salzgitter sind Tausende Wohnungen sanierungsbedürftig.

Braunschweig - Der demografische Wandel lässt Städte wie Braunschweig und Wolfsburg wachsen. Selbst Salzgitter – jahrzehntelang eine sterbende Stadt – profitiert vom Drang in die Zentren. Genau das bereitet den Städten aber auch Probleme.

Lautstark frisst sich ein Abrissbagger in ein leerstehendes Haus an der Hamburger Straße in Braunschweig. Dort wird Platz geschaffen für ein neues Wohnviertel. Mehr als 1000 Wohnungen sind im Stadtteil Nördliches Ringgebiet geplant, um den Einwohnerzuwachs der Stadt stemmen zu können. Allein im letzten Jahr sind 1683 Einwohner hinzugekommen. „Das ist das zehnte Jahr in Folge mit einem Anstieg, und das fünfte in Folge mit einem Zuwachs von über 1000 Einwohnern“, sagt Stadtsprecher Adrian Foitzik.

Wegen des starken Zuzugs fehlen laut einem Gutachten bis 2020 etwa 5000 Wohnungen. Neben dem Nördlichen Ringgebiet seien an weiteren Stellen private Bauprojekte angeschoben und mehrere Baugebiete geplant, so Foitzik. Für sozial Schwache aber ist die Situation bereits prekär. Drei Hilfsorganisationen haben im Februar den „Notruf Wohnungsmarkt“ veröffentlicht. Wer in Braunschweig Hartz-IV bezieht, wenig Geld verdient, krank oder obdachlos ist, findet kaum noch eine bezahlbare Wohnung, sagen die Initiatoren.

Im benachbarten Wolfsburg ist es für fast jeden schwer, eine Wohnung zu finden, denn die Stadt boomt. 20.000 neue Arbeitsplätze sind laut Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) allein in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Im Schnitt wächst Wolfsburg pro Jahr um mehr als 600 Menschen. „Wir haben Zuwachs, der sicher noch sehr viel stärker ausfallen würde, wenn wir genügend Wohnraum hätten“, räumt Mohrs ein. Ziel sind 130 000 Einwohner bis 2020. In den kommenden fünf bis sechs Jahren sollen 5000 bis 6000 Wohnungen geschaffen werden.

Die neuen Wohngebiete sollen dabei in bestehende Stadtteile eingebettet werden. Die Infrastruktur müsse stimmen, so Mohrs. „Schulen und Kindergärten entstehen sehr früh. Die Viertel nutzen nichts, wenn die fehlen.“ Straßen und Nahverkehr halten mit dem rasanten Wachstum jedoch kaum Schritt.

„Wir waren einmal stolz auf unsere breiten Straßen. Stau kannte Wolfsburg eigentlich nicht“, sagt Mohrs. Jetzt sei stockender Verkehr Alltag. Mit der Politik werde über eine Stadtbahn diskutiert - „mit entsprechenden Park and Ride Angeboten, mit denen wir die Pendler vor der Stadt abholen.“ Das ist allerdings Zukunftsmusik. Der Busverkehr dagegen werde schon diesen Herbst neu organisiert, um effektiver zu werden.

Weit entfernt von Wolfsburger Verhältnissen ist wiederum Salzgitter. Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) ist froh, dass seine Stadt zum ersten Mal seit rund 20 Jahren wieder Einwohner gewonnen hat – 61 waren es 2013.

Bis vor sieben Jahren habe die Stadt jährlich noch 1000 Menschen verloren, sagt Klingebiel. Nun gebe es einen gegenläufigen Trend, denn die Stadt investiere in Kinder, Familie und Bildung, so der Politiker. Das wirke Überalterung und Einwohnerverlust entgegen. Tatsächlich ist die Geburtenzahl stabil, und es gibt mehr Zuzüge.

Guter Wohnraum aber ist knapp - trotz tausender freier Wohnungen. In drei Stadtteilen stehen bis zu 70 Prozent der Wohnungen leer, sind unsaniert. Investoren hätten gekauft und verkauft, sich aber nicht gekümmert, klagt der Oberbürgermeister. Nun aber gibt es Hoffnung: Ein niederländischer Investor hat 5000 Wohnungen übernommen. Er sagt, er habe mit der Sanierung begonnen.

dpa

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