Neuer Trend

Partnersuche auf der Pheromon-Party

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Durch Schnuppern an getragenen Baumwoll-Shirts soll unter dem Motto "Liebe geht durch die Nase" der potentielle Traumpartner gefunden werden.

Berlin - Am Geruch entscheidet sich die Partnerwahl: bei Tieren sowieso und bei den Menschen angeblich auch. Eine Pheromon-Party in Berlin setzte jetzt Singles per Geruchsprobe aufeinander an.

Der erste Eindruck ist Schweiß. Zwanzig Kameraleute und Fotografen drängen sich um den Tisch im Hinterzimmer einer Bar in Berlin-Friedrichshain, auf dem ein Haufen abgepackter Plastiksäckchen liegt. Eine Online-Partnerbörse lädt zu „Deutschlands erster Pheromon-Party“. Das Konzept: Den Traumpartner am Geruch erkennen - immer der Nase nach. In den Beuteln sind getragene T-Shirts. Drei Nächte sollen die Gäste in ihnen geschlafen haben, bevor sie diese am Freitagabend abgegeben und etikettiert haben - blaues Schild für Männer, rosa für die Frauen.

Pheromone sind körpereigene Stoffe, die bei Stress, Angst und sexueller Lust gebildet werden - und an denen sich Forschungen zufolge angeblich nicht nur bei Tieren die Partnerwahl entscheidet. In den USA werden die Duftbörsen schon länger als Trend auf dem Datingmarkt bejubelt. „Wir fanden die Idee sensationell“, erzählt Veranstalter Lukas Brosseder von der Partnerbörse Shop A Man.

An der ersten Party in New York hätten vierzig Leute teilgenommen - und sich zwölf Paare gefunden. Drei seien heute noch zusammen. „So eine Quote habe ich noch nirgendwo gesehen“, sagt der Kuppel-Experte. Ob die tatsächlich auf die körpereigenen Geruchsstoffe zurückzuführen ist, darauf will er sich nicht festlegen. „Es ist viel Spaß dabei. Und ein „Hey, du riechst gut“ ist auf jeden Fall ein guter Opener für ein lockeres Gespräch.“

Der Opener an diesem Abend ist eher „Bist du Presse oder Gast?“. Die ersten Fotografen sind frustriert. Die beiden Mädchen am Tisch müssen an jedem T-Shirt zweimal riechen, damit es jeder mitbekommt. Man dürfe immer nur ganz kurz schnuppern, sagt die eine: „Irgendwann riecht alles eklig.“ Die andere stört, dass viele Männer ihre T-Shirts vorher parfümiert haben. „Was soll ich denn mit einem, der von Anfang an schon betrügt?“

Robert und Fabio sehen das entspannt. Die 24-Jährigen sitzen mit Bierflasche auf einer Couch und sehen sich die auf die Wand projizierten Fotos an. Das Bild ist der zweite Schritt zur Partnerwahl. Wem ein Geruch gefällt, der lässt sich mit dem T-Shirt ablichten. Der Träger sieht seine Nummer auf der Leinwand, und wenn ihm der Verehrer gefällt, spricht er ihn an. Geht es also am Ende doch nur wieder um das Äußere? „Es wird uns wohl nie gelingen, den optischen Eindruck auszublenden“, sagt Lukas Brosseder. „Aber ich glaube, das will auch niemand.“

Robert hat sein Lieblings-T-Shirt schon gefunden. Dezent findet er das Päckchen mit der Nummer 7, sympathisch irgendwie. „Es löst ein angenehmes Gefühl aus.“ Wer dahinter steckt, weiß er nicht. Angesprochen hat ihn noch keine. Dafür hat er mit Fabio einen Geruchskatalog aufgestellt. Viel Parfüm sei dabei, manche röchen wie ein Duftbaum. Fabio erinnert ein T-Shirt an Fruchtzwerge und Kühlschrank. Robert verzieht das Gesicht. Cremegeruch finden sie beide gut.

Die aufgerissenen Päckchen erinnern inzwischen an Schlussverkauf. Beherzt an fremden T-Shirts zu schnuppern, fühlt sich irritierend intim an. Die Männer-Pakete sind deutlich geruchsintensiver und variieren zwischen ungemachtem Bett, Schweiß und Deo. „Weil die Männer gemacht haben, was ihnen gesagt worden ist“, beschwert sich Robert: „Die Frauen haben ihre T-Shirts heimlich gewaschen.“

Nach drei Stunden sind die meisten Kameras verschwunden. Die Geruchsparty hat sich nach draußen verlagert, zu den Rauchern. Es herrscht aufgekratzte Stimmung. Noch keine Paare. Zumindest als Gesprächsthema haben sich die Pheromone bewährt. Eine Shop A Man-Mitarbeiterin schätzt die Zahl der Gäste auf dreißig echte Singles und mindestens noch einmal so viele Journalisten.

dpa

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