Krisenstab eingerichtet

Passau kämpft mit der Jahrhundertflut

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Foto: Wegen des steigenden Hochwassers wurde die Trinkwasserversorgung in Passau eingestellt.

München - Die Hochwasserlage in Passau hat sich weiter zugespitzt. Am Montagmorgen wurde dort an der Donau der Wasserstand von 12,20 Metern überschritten. Wegen der prekären Lage musste die Trinkwasserversorgung eingestellt und ein Gefängnis evakuiert werden. Auch in Thüringen und Sachsen kämpfen die Menschen mit den Wassermassen.

Die Hochwasserlage hat sich in Passau weiter zugespitzt. Wegen der Wassermassen musste die Trinkwasserversorgung eingestellt werden. Es drohe eine Verunreinigung der Trinkwasserbrunnen, teilte der Krisenstab am Montag zur Begründung mit. Das noch vorhandene Wasser in den Hochbehältern der bayerischen Stadt sei begrenzt und in einzelnen Bereichen bereits erschöpft. Der Krisenstab arbeite mit Hochdruck an Lösungen, um der Bevölkerung Trinkwasser anbieten zu können, hieß es.

Wegen des Hochwassers musste am Montag ein Gefängnis evakuiert werden. Rund 60 Gefangene wurden verlegt - 35 Häftlinge nach Straubing und 24 nach Landshut, wie das Bayerische Justizministerium mitteilte. Ein Gefangener, dessen Entlassung ohnehin einen Tag später anstand, konnte vorzeitig gehen. Die Polizei unterstützte die Haftanstalten beim Transport der Gefangenen.

Die Donau-Fluten waren am Vormittag bereits höher gestiegen als beim historischen Hochwasser von 1954 mit einem Stand von damals 12,20 Metern.

Rund 150 Bundeswehrsoldaten sind zur Unterstützung der Einsatzkräfte nach Passau gefahren. Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag waren nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im gesamten Freistaat etwa 15.000 Helfer im Einsatz.

„Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist“, hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Sonntagabend gesagt. Angesichts der dramatischen Situation hat die Staatsregierung einen Krisenstab eingerichtet.

Auch in Nieder- und Oberbayern spitzte sich die Lage zu. In Kolbermoor bei Rosenheim brach ein Damm. Die Innenstadt von Rosenheim wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Bis zum Sonntagabend wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst, darunter Passau und Rosenheim.

In Sachsen hat das Hochwasser von Weißer Elster, Mulde und Chemnitz bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Mehrere Landkreise im westlichen Teil des Freistaates riefen Katastrophenalarm aus. Vielerorts sollten Schulen am Montag geschlossen bleiben. Im Landkreis Mittelsachsen fiel bei einigen tausend Einwohnern der Strom aus.

Droht eine neue Jahrhundertflut?

Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. „Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten“, teilte der Landkreis Nordsachsen am Sonntag mit. In Eilenburg wurde bereits die Innenstadt evakuiert. Rund 7000 Menschen waren nach Angaben eines Sprechers betroffen. Sie seien in Notquartiere gebracht worden.

In der Altstadt von Grimma (Kreis Leipzig) mussten rund 2500 Bewohner ihre Häuser verlassen. Auch das Zentrum von Döbeln (Mittelsachsen) stand komplett unter Wasser, hier wurden Anwohner etwa in Turnhallen untergebracht. Auch in Chemnitz war die Lage angespannt.

Angesichts steigender Pegelstände rief die sächsische Landesregierung die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Anwohner in betroffenen Gebieten sollten Vorkehrungen treffen. Im Laufe des Montags sei mit einer Zuspitzung der Lage zu rechnen.

Auch in Thüringen stieg das Hochwasser der Flüsse bedrohlich, ganze Stadtteile liefen voll. Die Behörden hatten für mehrere Orte Katastrophenalarm ausgelöst, unter anderem für Gera. Dort wurden in der Nacht zum Montag Einwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen - allerdings auf freiwilliger Basis, wie eine Sprecherin der Stadt betonte.

Die Kleinstadt Gößnitz wurde am Sonntag hingegen komplett evakuiert, Teile von Greiz standen unter Wasser. Einsatzkräfte brachten Menschen teils mit Booten in Sicherheit. In Serbitz (Altenburger Land) brach ein Damm auf einer Länge von 50 Metern. Derweil stieg auch in Greiz der Wasserstand der Weißen Elster auf 4,90 Meter. In der Nacht wurden dort rund 120 Menschen in Sicherheit gebracht.

In Sachsen-Anhalt schwollen die Flüsse Saale, Unstrut und Weiße Elster weiter an. In Halle wurde ein Pflegeheim evakuiert. In der Stadt, im Saalekreis sowie im Landkreis Mansfeld-Südharz wurde nach Angaben des Innenministeriums wegen steigender Wasserstände der Saale die höchste Hochwasserwarnstufe 4 ausgerufen.

In den Hochwassergebieten Baden-Württembergs entspannte sich die Lage inzwischen, wie das Lagezentrum des Innenministeriums mitteilte. Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar blieb der Schiffsverkehr aber weiter eingestellt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Hochwasser in Niedersachsen zieht sich langsam zurück

Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden Niedersachsens hat sich weitestgehend entspannt. Die Pegelstände der Flüsse und Kanäle sind zwar noch hoch, sinken aber weiter, wie die Polizei in Braunschweig und Göttingen am Montag mitteilte. Überflutungsgefahr besteht noch für die Aller und die Weser. Der Pegel der Aller bei Verden steigt. „Sobald Aller und Weser über die Deichkrone hinwegfließen, werden ein oder zwei Straßen überflutet“, sagte ein Sprecher der Polizei in Verden.

Nach Angaben der Polizei ist auch die Bundesstraße 80 bei Hann. Münden weiterhin gesperrt. Dort hatte es in der Nacht zum Samstag einen Erdrutsch gegeben. Aktuelle Angaben zu den Pegelständen in Niedersachsen finden Sie hier: www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de

Auch Nachbarländer betroffen

Einige Nachbarländer waren von Wassermassen ebenfalls bedroht. Am Abend rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im Tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Auch in weiten Teilen Österreichs spitzte sich die Lage zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des „Jahrhunderthochwassers“ von 2002. Bislang gab es mindestens einen Toten durch Überflutungen. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen wurden bis zum späten Sonntagabend noch vermisst.

dpa/mhu/aku

Dieser Artikel wurde erneut aktualisiert.

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