Landeskirche vermittelt

Pastor droht der Rauswurf

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In der Gemeinde brodelt es: Die St.-Dionysius-Kirche in Bad Fallingbostel.

Bad Fallingbostel - Er ist unkonventionell und lässt im Gottesdienst schon mal einen Gewerkschaftsschor auftreten. Ein junger Pastor aus Bad Fallingbostel, der mit seinen Aktionen viele Menschen in die Kirche lockte, die mit Religion sonst nicht so viel zu tun haben, verliert möglicherweise seinen Job.

Ein vom Rauswurf bedrohter Pastor, ein im Zorn zurückgetretener Vorsitzender des Kirchenvorstands - in der großen evangelischen Gemeinde St. Dionysius in Bad Fallingbostel hängt der Haussegen schief. Die Situation scheint so verfahren, dass die Landeskirche erstmals in ihrer Geschichte zwei Mitarbeiter zu einer „außerordentlichen Visitation“ zu Hilfe schicken will. „Das ist eine Instanz, die beide Seiten wahrnimmt“, sagt ein Sprecher der Landeskirche. „Die können sich ausreichend Zeit nehmen.“

Ein wenig dürfte es wohl dauern, den seit etlichen Monaten schwelenden Konflikt um die angeblich mangelnde Teamfähigkeit des jungen Pastors auszuräumen. Vor eineinhalb Jahren hat Florian Schwarz eine der beiden Pastorenstellen in der fast 5000 Mitglieder zählenden Gemeinde übernommen. „Es gab praktisch von Anfang an Probleme innerhalb des Teams der Hauptamtlichen“, sagt Klaus Hackbarth vom Kirchenvorstand. Nach monatelangen vergeblichen Klärungsversuchen habe der Kirchenvorstand dem Pastor schließlich nahegelegt, sich eine neue Stelle zu suchen. Schwarz sei zunächst einverstanden gewesen, habe seine Zustimmung dann aber zurückgezogen.

„Ich möchte gerne bleiben“, sagt er nun. 547 Unterstützer haben ihm auf Unterschriftenlisten öffentlich ihre Solidarität bekundet. Gemeindemitglied Harry Vogt und seine Frau Adelheid gehören dazu. „Er macht gute Arbeit, seine Predigten sind prägnant“, sagt der 76-jährige Bad Fallingbosteler. „Seine Kulturgottesdienste haben uns gefallen.“ Die besondere Gottesdienstform, die Schwarz zuvor schon in Cuxhaven erfolgreich anbot, lockt auch sonst kirchenferne Menschen mit ungewöhnlichen Angeboten: ein Stummfilm mit Orgelbegleitung, Puppentheater, Filmmusik zum Thema „Das Böse“. In Zwischentexten und Gebeten schafft der Pastor stets einen Bezug zu biblischen Botschaften. So auch beim Auftritt des DGB-Chores, der vorn am Altar sogleich die „Internationale“ anstimmte.

In den gut gefüllten Bankreihen saßen an jenem Sonnabend ungewöhnlich viele Gewerkschafter aus der Region, unter anderem Karl-Heinz Röder aus Schneverdingen. „Wir haben gleich gesagt, der Pastor wird da nicht sehr lange überleben“, erinnert er sich. Doch die Beteiligten in Bad Fallingbostel beteuern, dass der Streit keinen politischen Hintergrund habe. „An der Arbeit als solches habe ich nichts auszusetzen gehabt“, sagt der unlängst zurückgetretene Vorsitzende des Kirchenvorstands, Karl-Heinz Bargholz.

Der junge Geistliche selbst, Sohn eines engagierten und ebenfalls nicht konfliktscheuen früheren hannoverschen Pastors, will sich zur Debatte nicht äußern. Er hoffe jedoch, dass es nach dem Besuch aus dem Landeskirchenamt konstruktiv weitergeht. Am Dienstagabend saß der Kirchenvorstand in nicht öffentlicher Sitzung zusammen und beriet über die Zukunft.

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