Bremen

Pastor hetzt gegen andere Religionen

+
„Keine Toleranz für andere Religionen“: Prediger Olaf Latzel.

Bremen - Ein Bremer Pastor hat in einer Predigt andere Religionen beleidigt und die evangelische Landeskirche gegen sich aufgebracht. Der Evangelikale Olaf Latzel hatte das islamische Zuckerfest darin als Blödsinn, den Papst-Segen "Urbi et Orbi" als ganz großen Mist und Buddha als fetten, alten Herrn bezeichnet.

Dass streng religiöse Menschen ihren Glauben für den einzig wahren halten, ist logisch. Aber nur wenige Scharfmacher gehen so weit, respektlos über andere Bekenntnisse herzuziehen und deren Anhänger als Sünder zu brandmarken. Solche Hetzprediger findet man bekanntlich unter radikalen Islamisten - aber vereinzelt auch unter Christen, wie jetzt ein Fall aus der Evangelischen Kirche zeigt. In der altehrwürdigen Bremer Innenstadtkirche St. Martini amtiert seit 2007 als Hauptpastor der 47-jährige Olaf Latzel. Er lässt keine Frauen auf seine Kanzel, hält Homosexuelle für Sünder und sieht in jedem Bibelwort Gottes Wort. Jetzt hat Radio Bremen auf der Internetseite der Gemeinde eine Predigt von ihm entdeckt, in der er andere Konfessionen abkanzelt und statt christlicher Versöhnung Zwietracht sät.

Latzels Thema: Er stellt den alttestamentarischen Richter Gideon als Vorbild hin, denn der hatte Götzenbilder zerstört. Genauso müsse auch heute „Schluss sein mit dem Götzendienst“, impfte der Evangelikale seinen 300 Gottesdienstbesuchern ein. Für Gott sei es ein Gräuel, wenn andere Götter neben ihn gestellt würden. Deshalb dürften Christen kein Verständnis und keine Toleranz für andere Religionen zeigen. Und Götzenbilder müsse man „umhauen, verbrennen, hacken“. Christen, so Latzel, dürften keine Glückspfennige oder Heiligenamulette besitzen und auch keine Buddha-Statue, also keinen „dicken alten fetten Herrn“ auf die Kommode stellen.

„Keine Gemeinsamkeit mit dem Islam“

Aber es kommt noch heftiger: Wer von seinem muslimischen Schwiegersohn zum „Zuckerfest und all diesem Blödsinn“ eingeladen werde, solle nicht hingehen. „Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben.“ Nicht mal interreligiöse Schulgottesdienste will der Fundamentalist dulden: „Da beten dann eben der Pfarrer und der Imam und der Katholik alle zusammen zu vermeintlich dem einen Gott. Das ist Sünde, das darf nicht sein, davon müssen wir uns reinigen.“ Besonders entsetzt ist der bibeltreue Pfarrer darüber, dass sein ebenfalls strenggläubiger Vorgänger Jens Motschmann inzwischen interreligiöse Begegnungsstätten für Christen, Muslime und Juden wie das geplante Berliner „House of One“ befürwortet: „Das ist das Allerletzte, was wir brauchen.“ Latzel: „Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben.“

Allerdings sagt er auch: „Gott unterscheidet zwischen der Sünde und dem Sünder.“ Deshalb gelte zwar das Nein zum Islam und zur „Vermischung mit dem Christentum“, aber dem einzelnen Gläubigen müsse man „in Liebe und Barmharzigkeit begegnen“. Auch über Katholiken zieht der Evangelikale her: Heiligenanbetung sei Götzendienst, ebenso „dieser ganze Reliquiendreck und -kult“. Latzel: „Das, was da Lehre ist in der katholischen Kirche, ist ganz großer Mist.“

Entsetzen bei evangelischer Kirche

Bei der Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) löste die halbstündige Predigt Entsetzen aus. Aber die basisdemokratisch organisierte BEK hat keinen Bischof, sondern nur einen „Schriftführer“, und der kann kein „Lehrzuchtverfahren“ wie in anderen Landeskirchen einleiten. Latzel selbst verteidigte am Mittwoch seine Predigt. Im Gespräch mit unserer Zeitung widersprach er dem Eindruck, dass er zu Gewalt gegen religiöse Symbole aufgerufen habe. „Wir gehen nicht hin und zünden Moscheen an.“ Nein, ihm gehe es nur darum, dass Christen selbst keine Götzenbilder besitzen dürften und „jede Religionsvermischung“ vermeiden müssten. Aber mal einen Kaffee mit Andersgläubigen zu trinken, das sei schon in Ordnung.

Nach Latzels Wahrnehmung steht seine Gemeinde voll hinter ihm. Und das sind immerhin 1300 Bibeltreue, die sich - wie in Bremen üblich - ihre Gemeinde frei aussuchen können. Die reinste Parallelgesellschaft.

Von Eckhard Stengel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare