St. Pauli pinkelt zurück

Das perlt!

+

Hamburg - Mit einem Speziallack wollen Anwohnerin St. Pauli ihre Häuserwände vor Wildurinierern schützen. Wer gegen eine präparierte Hauswand pinkelt, bekommt den Abperleffekt zu spüren – und macht sich selbst Hose und Schuhe nass.

20 Millionen Gäste vergnügen sich jedes Jahr auf dem Hamburger Kiez, der größten Partymeile Deutschlands. 25 000 Menschen leben und wohnen aber auch in St. Pauli – und viele regen sich seit Jahren über ein Thema auf: die Wildpinkler. Angetrunkene Touristen, oft in Fußballmannschaftsstärke, die die Straßen rund um Reeperbahn und Große Freiheit Abend für Abend in das größte Freiluftklo der Republik verwandeln. Anwohner wollen der stinkenden Plage nun mit einem wasserabweisenden Speziallack Herr werden. Wer gegen eine präparierte Hauswand pinkelt, bekommt den Abperleffekt zu spüren – und macht sich selbst Hose und Schuhe nass.

„Die Flüssigkeit prallt beinahe mit derselben Energie ab, mit der sie auftrifft“, erklärt Initiatorin Julia Staron von der Interessengemeinschaft St. Pauli. Ausgedacht hat sich die Quartiermanagerin die Kampagne „St. Pauli pinkelt zurück“ mit einer ortsansässige Werbeagentur, von denen es in St. Pauli längst mindestens so viele gibt wie Hafenkneipen und Bordelle. In einem Video werden Gäste davor gewarnt, sich an einer Hauswand zu erleichtern – und es wird eindrucksvoll vorgeführt, was passiert, wenn sie es doch tun. Auch Schilder („Hier nicht pinkeln! Wir pinkeln zurück. Dein St. Pauli“) sollen auf den Perl­effekt hinweisen.

Teurer Speziallack

Bisher sind nur wenige Hauswände mit der wasserabweisenden Wunderbeschichtung ausgestattet. Der Grund: Der Speziallack aus dem Schiffsbau kostet 500 Euro pro sechs Quadratmeter. Die Initiatoren hoffen, dass sich Geschäftsleute der Aktion anschließen.

Die Frage bleibt allerdings, ob einem Reeperbahn-Besucher nach zehn Tequila in der „Ritze“ ein nasser Schuh nicht auch schon egal ist. Als vor einigen Jahren eine Fotografin St.-Pauli-Wildpinklern auflauerte und die Fotos anschließend an die Hauswände hängte, blieb die abschreckende Wirkung überschaubar.

Quartiermanagerin Staron hat deshalb weitere Aktionen angekündigt. Bald schon soll die „Pinkel-Karte“ zum Einsatz kommen. Wer artig in einer Bar auf die Toilette geht, bekommt einen Stempel. Ist die Stempelkarte voll, gibt es einen Schnaps aufs Haus. Trocken werden auf St. Pauli: So ungefähr hat man sich das vorgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare